Kluge Rache der kleinen Hexe erfreut Besucher in der Höhle

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Die Massenszenenwie bespielsweise auf dem Markt oder auf dem Hexentanzplatz sind in dem neuen Höhlenmärchen großartig choreographiert.

Balve - Permanente Überwachung – das ist nicht erst seit dem 21. Jahrhundert ein drängendes Thema. Schon Otfried Preußlers Kleine Hexe hatte mit der Kontrollwut einer Kollegin zu kämpfen. Doch die Hexe Rumpumpel ist noch vom alten Schlag: Wie ein klassischer Detektiv stellt sie der Kleinen Hexe mit dem Fernglas persönlich nach und versucht, ihr irgendwelche Verfehlungen nachzuweisen. Doch am Ende ist sie selbst die Dumme, wie die Kinder am Samstag in der fast ausverkauften Premiere von Otfried Preußlers Klassiker „Die kleine Hexe“ erleben durften.

Unter der Regie von Anke Lux machten die Festspiele Balver Höhle eine sehr schöne Theaterfassung aus der Märchenerzählung. Am Ende hatte nicht die petzende Überwachungshexe, sondern die Kleine Hexe mit dem guten Herzen das bessere Ende für sich.

Die Geschichte gehört zum klassischen Kinderbuchrepertoire und gehört in jene Abteilung, die auch Erwachsenen immer wieder Freude macht: Die kleine Hexe (Nadine Schlebrowski) möchte mit zarten 127 Jahren endlich so sein wie die großen Hexen und in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg tanzen. Heimlich mischt sie sich unter die älteren Kolleginnen und wird von der Hexe Rumpumpel (Jeanette Borthwick), die sich als permanente Blockwartin betätigt, verraten.

Die Oberhexe (Stefani Schulte) zeigt Milde und schickt die kleine Hexe mit einem Berg von Hausaufgaben wieder nach Hause: Sie soll das große Zauberbuch nicht mehr nur sechs, sondern sieben Stunden am Tag studieren und beweisen, dass sie eine gute Hexe ist.

Die kleine Hexe (Nadine Schlebrowski) berät mit dem klugen Raben Abraxas (Lina Schulte), wie es weitergehen soll.

Doch die Hexenwelt ist eine andere Welt als die der Menschen: „Gut“ heißt in ihr eher so viel wie „bösartig“, und das versteht die kleine Hexe zunächst noch nicht: Sie hilft armen Menschen beim Sammeln von Holz und dem Verkaufen von Papierblumen, macht einen Maronenverkäufer wieder gesund und rettet den Ochsen Korbinian vor der Schlachtung.

Das alles ist nicht das, was ihre Mithexen von ihr erwarten. Und so begreift die kleine Hexe mit Hilfe ihres klugen Raben Abraxas (Lina Schulte), dass sie nicht so sein will: „Manchmal tut man Gutes, indem man bösen Menschen Schlechtes tut.“

Ihre kluge Rache erfreute nicht nur die jungen Besucher, sondern auch die vielen Erwachsenen, für die sich der Besuch ebenfalls sehr lohnte. Denn das Maskenteam um Christin Gittel hatte Großes geleistet: Die vielen bösen Hexen boten ein reiches Betätigungsfeld für lange Nasen, wilde Kleider und herrliche Hüte.

Regisseurin Anke Lux verstand es, viel Bewegung auf die Bühne zu bringen: Aus dem Raben Abraxas wurde eine ganze Rabenschar. Die Massenszenen auf dem Markt und auf dem Hexentanzplatz sind großartig choreographiert und auch in den kleinen Szenen schlüssig: Wie auf einem großen Wimmelbild können die Besucher sich aussuchen, wo sie hinschauen und noch etwas entdecken möchten.

Die Songs vertiefen die Botschaft, die dem Publikum auf so sympathische Weise nahegebracht wird: Bösartiges Petzen lohnt sich nicht. Am Ende erschütterte anerkennendes Trampeln das gewaltige Sitzplatzgerüst.

Die nächsten öffentlichen Vorführungen sind am 10., 13., 19., 27. und 31. Mai sowie am 3. Juni (jeweils 15 Uhr).

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