Grobes Strickmuster trübt den Spaß an der "Villa Sonnenschein"

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Durchgeknallte Typen gibt es in der Villa Sonnenschein zuhauf.

Balve - Der Name der Seniorenresidenz klingt schön, doch hinter der Fassade der „Villa Sonnenschein“ geschieht Grauenhaftes: Die raffgierige Pflegedienstleiterin Mechthild setzt auf fiese Medikamente, um die Pflegegrade ihrer Bewohner möglichst hoch zu treiben. Ein irgendwie übrig gebliebener Zivildienstleistender namens Felix weiß davon nichts, hat aber eine Frage zur Chefin des Ladens: „Ist Deine Mutter immer so?“, will er von ihrer reizenden Tochter Melanie wissen. Die zeigt sich schlagfertig: „Warte drauf, bis sie einen schlechten Tag hat.“

Leider ist sie nicht immer so helle, wie sich in Thomas Matschoß’ Komödie sehr bald zeigt. Gut besucht war am Freitagabend in der Balver Höhle die Premiere von „Villa Sonnenschein“, die einen sehr gemischten Eindruck hinterließ.

Denn die Geschichte wagt sich zwar in interessante Themenbereiche zwischen Ausbeutung von Pflegepatienten und Sex im Alter vor. Doch das Ganze ist so grob gestrickt, dass der Spaß an der wirklich spritzig gemachten Inszenierung dadurch getrübt wird.

Natürlich finden sich am Ende Melanie (Laura Traud) und Felix (Thomas Riedel). Doch die Irrungen und Wirrungen, in die sie der schnöselige Dr. Mathieu (Jörg Leiß) stürzt, sind wahrlich mit dem Holzhammer aufgetragen. Natürlich geht der Kerl, der einer schlechten Typenkomödie entsprungen zu sein scheint, gar nicht. Aber so dämlich, dass sie das nicht merkt, kann Melanie nach ihrer pfiffigen Eingangsbemerkung eigentlich nicht sein. Und sie braucht erstaunlich lange, bis sie Geld, heiße Nächte in den Tropen, aalglattes Auftreten und eine durchgeknallte Frisur nicht mehr mit einem wirklich netten Mann verwechselt.

Das Laptop von Emma (Stefani Schulte) zieht Jung und Alt magisch an.

Prächtig in Szene gesetzt sind in diesem Theaterstück die alten Leute, die das Irrenhaus bewohnen: Weil sie gerne Rätsel lösen, suchen sie angesichts von Dr. Mathieu einen Begriff für „arroganter Mensch mit sechs Buchstaben“ und stoßen auf das vom Aussterben bedrohte Wort „Fatzke“.

Die Unterstützung für die Liebesbeziehung zwischen Felix und Melanie lässt auch in den Senioren Funken wieder aufglühen, die man ihnen auf den ersten Blick nicht zugetraut hätte. Die eigentlich lebensmüde Emma (Stefani Schulte) packt ihren Laptop und die Bilder ihrer „Jungs“ aus – der Rest der Mannschaft hängt entzückt über dem Gerät.

Ein Tango wird schließlich zum Blasebalg für die entfachten Funken: Die alten Herrschaften plündern den Medikamentenschrank. Entsprechende Geräusche lassen ahnen, dass sie in ihren Zimmern die Freude am anderen Geschlecht wiedergefunden haben.

Einen Hauch von Nachdenklichkeit vermittelt das Ende der Geschichte: Es spielt mit dem Gegensatz von junger Liebe und tödlichem Abschied – denn ein Seniorenheim ist natürlich immer auch ein Ort, an dem gestorben wird: Frau Tod (Michaela Butterweck) erschien, um eine prominente Bewohnerin abzuholen. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Mann im Zentrum der wichtigsten Nebenhandlung der Geschichte gestanden. Ein bisschen mehr von solchem Kontrast zum Klamauk hätte dieser Komödie sicherlich gut getan.

Besuche in der „Villa Sonnenschein“ sind noch am 4., 9., 11., 12., 18. und 30. Mai sowie am 1., 2. und 8. Juni jeweils ab 19.30 Uhr möglich.

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