„Potz Pestilenz“ – was für eine gelungene Premiere

Ronjas erster Ausflug in den Mattiswald endet mit Angst und Schrecken. Die Räubertochter wird von den unheimlichen Graugnomen eingekreist. Mattis eilt ihr zu Hilfe. „Du darfst ihnen nicht zeigen, dass du Angst hast“, rät er ihr. ▪

BALVE ▪ Das Gekreische der schwarzen Wilddruden schoss den Zuschauern durch Mark und Bein. Gleich zu Beginn der Premierenvorstellung von Ronja Räubertochter – in einer der schlimmsten Gewitternächte, die die Mattis-Räuber je erlebt hatten, und in der die kleine Räubertochter das Licht der Welt erblickte – war klar, dass auf das Mädchen einige angsteinflößende Abenteuer warten würden. Vor allem im sagenumwobenen Mattiswald. Graugnome hausen dort nämlich ebenso wie die Unterirdischen – und die führen seit jeher nichts Gutes im Schilde. Von Susanne Riedl

Mit Astrid Lindgrens weltbekanntem Märchen eröffneten die Festspiele Balver Höhle die diesjährige Kultursaison am Samstagnachmittag im Felsendom vor ausverkauftem Haus. Die Geschichte über Freundschaft, Toleranz und Mut begeisterte kleine wie großen Zuschauer. Den mehr als 60 Ensemble-Mitgliedern um Regisseur Tobias Brömme gelang es erneut, ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Vor perfekter Kulisse präsentierten die Darsteller eine Aufführung, die bis ins Detail einstudiert war: angefangen bei den Kostümen und der Räuberburg mit der Steinhalle, bis hin zur Höhlen- und Waldkulisse mit Pilzen und Weißmoos. Letzteres konnte, wie die Zuschauer lernten, Blutungen stillen. Sowohl Birk Borkasohns Wunde am Fuß, als auch einem kleinen verletzten Fuchs konnte Ronja mit diesem Naturheilmittel helfen.

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Ronja Räubertochter feiert Premiere in der Balver Höhle

Die Geschichte der Räubertochter und der bis aufs Blut verfeindeten Räuberbanden von Mattis und Borka – mit großem Happyend – scheint auch in der zweiten Auflage wieder ein voller Erfolg zu werden. Tänze und kurze Erzählpassagen geben dem Märchenspiel Abwechslung. Ebenso wie kleine Überraschungseffekte – gruselige wie lustige. Mit einem kräftigen Szenenapplaus belohnte das Premierenpublikum den mutigen Flug einer bösen, jaulenden Wilddrude auf der Jagd nach Ronja quer über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Die knuffigen, kleinen, grünen Rumpelwichte mit ihren langen, spitzen Ohren und ihrer verdrehten Sprache wirkten im Vergleich dazu wie das pure Gegenteil – entzückend süß. Überraschend schnell erholte sich auch der kleine, verletzte Fuchs, der ebenso überraschend schnell die Flucht ergriff.

Dass die polternden Räuber Eindruck hinterlassen, ist gewiss. In erster Linie sei hier Hauptmann Mattis genannt, der sowohl seine Trauer als auch seinen Groll und seine Wut nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten lautstark in Szene setzte. Teller und Humpen flogen bei diversen Gelegenheiten ebenso durch die Steinhalle, wie Essen, das aus Wut gegen die Wand geschmissen wurde. Die unterschiedlichen Stimmungslagen bekamen, wie bei Räubern üblich, mit den Schimpfwörtern „Hosenschisser“, „zum Donnerdrummel“ oder „Potz Pestilenz“ den nötige Nachdruck verliehen. Dem stand auch die Borka-Sippe in Nichts nach. Lautstarke Wortgefechte und Beleidigungen hoch oben auf der Mattisburg, direkt vor dem tief aufklaffenden Höllenschlund, schufen eine wahrhaft mittelalterliche Atmosphäre. Die Spielfreude war den Darstellen – nicht nur in dieser Szene – deutlich anzusehen.

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