Polit-Mikado kurz vor dem Urnengang

Inge Blask (SPD) und Wolfgang Exler (CDU) in der von UWG-Fraktionschef Lorenz Schnadt (Mitte) geleiteten Podiumsdiskussion: Vieles wurde nur oberflächlich abgehandelt.

BALVE ▪ Für die beiden Landtagskandidaten schien sich schon so etwas wie Routine eingestellt zu haben: Am Donnerstagabend bezogen Inge Blask (SPD) und Wolfgang Exler (CDU) bei einer Podiumsdiskussion der UWG Stellung zu verschiedenen landespolitischen Themen.

Große Überraschungen waren nach dem seit Wochen andauernden Wahlkampf und Austausch der unterschiedlichen Positionen praktisch ausgeschlossen. Und weil das Auditorium fast durchweg aus aktiven oder zumindest ehemals aktiven Politikern bestand, blieben Fragen, die der „Otto-Normal-Wähler“ wahrscheinlich gestellt hätte, ungefragt. Obendrein saßen mit Blask und Exler nun auch noch zwei Kandidaten auf dem Podium, die sich noch keine landespolitischen Meriten verdient hatten und deshalb in vielen Fragen die Positionen ihrer Landespartei wiederkäuten. Eigenes Profil – Fehlanzeige.

Beispiel Schulpolitik: CDU-Mann Exler betonte wie auch die CDU-Oberen in Düsseldorf, dass sich das dreigliedrige Schulsystem seit langem bewährt habe und beibehalten werden müsse. Experimente zulasten der Kinder seien mit der CDU nicht zu machen. Die gegenteilige Meinung vertrat Inge Blask. Die Sozialdemokratin redete der Gemeinschaftsschule das Wort. Kinder müssten länger gemeinsam lernen, das sei international längst Standard. Immerhin brachte die Hemeranerin noch die Idee zustande, Balve könnte doch zusammen mit einer Nachbarstadt eine gymnasiale Oberstufe anbieten. Da zeigte sich, dass Blask vor einigen Wochen mit Balver Eltern die Problematik über genau dieses Thema diskutiert hatte.

Beispiel Energiepolitik: Inge Blask lehnte eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ab und forderte stattdessen effizientere Kohlekraftwerke sowie einen Ausbau regenerativer Energien. Gegen Wind- und Solarenergie hatte auch Exler nichts, konnte sich aber eine längere Nutzung der Kernenergie durchaus vorstellen. Das hatte man auch von den Spitzenpolitikern der jeweiligen Partei schon so gehört.

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Interessant hätte werden können, welche Ideen die beiden Kandidaten, die selbst seit vielen Jahren kommunalpolitisch tätig sind, gehabt hätten, um die Finanzsituation der Kommunen zu verbessern. Inge Blask sprach von einem „Rettungsschirm für die Kommunen“, Wolfgang Exler von einer Reform des Gemeindefinanzierungsgesetzes. Wirklich konkret wurde keiner von beiden.

Mit einer verbindlichen Antwort auf die Frage nach möglichen Koalitionen rechnete da schon niemand mehr. Und so kam es auch: Große Koalition oder Rot-Grün mit Duldung der Linkspartei? Eine konkrete Aussage blieb aus, aber dafür waren die beiden potenziellen Landtagsneulinge nun auch wirklich nicht die richtigen Ansprechpartner. Was sich bei dieser Podiumsdiskussion abspielte, erinnerte an Mikado: So kurz vor der Wahl schien keiner der beiden Kandidaten noch einen Fehler begehen zu wollen. Schließlich wird sich aller Voraussicht nach zwischen Blask und Exler entscheiden, welcher Partei der Wahlkreis 122 zufällt.

Von Volker Griese

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