St. Blasius Balve

Pfarrheim-Bau verzögert sich erneut: Das ist der Grund

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Auf der Baufläche für das Pfarrheim tut sich seit Mitte Juni nichts mehr, als die Sanierungsarbeiten am Alten Küsterhaus abgeschlossen wurden. Daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern.

Balve - Der Neubau des Pfarrheims der Gemeinde St. Blasius in Balve verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Grund sind gestiegene Lohn- und Materialkosten, sodass das festgelegte Budget von zwei Millionen Euro nicht gehalten werden kann, wenn das Gebäude wie geplant realisiert wird.

Seit 2008 beschäftigte sich die Gemeinde St. Blasius immer wieder mit dem Projekt Pfarrheim. Zunächst sollte das Gebäude saniert werden, dann entschied man sich für einen Abriss mit anschließendem Ersatzneubau an selber Stelle. Das alte Pfarrheim wurde vor mittlerweile mehr als einem Jahr dem Erdboden gleich gemacht, bis der Neubau steht, dürfte aber mindestens noch ein weiteres Jahr vergehen. 

Denn der Kirchenvorstand der St.-Blasius-Gemeinde teilte am Dienstag, dass sich der Baustart einmal mehr verzögert. Ein neuer Termin lasse sich derzeit nicht genau festlegen. „Das ist das Ergebnis einer mehrstündigen Besprechung, die Mitglieder des Kirchenvorstandes mit Vertretern der Finanz- und Bauabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariates geführt haben“, heißt es wörtlich. 

Gestiegene Lohn- und Materialkosten

Der Baustopp aus Paderborn vom Erzbischöflichen Generalvikariat (EGV) wurde ausgesprochen, nachdem die Gemeinde alle Gewerke für den Neubau ausgeschrieben hatte und die Angebote mittlerweile vorliegen. Denn durch gestiegene Lohn- und Materialkosten lässt sich die vom EGV vorgegebene Grenze von zwei Millionen Euro nicht mehr halten. 

Vor diesem Hintergrund seien laut Gemeinde in Absprache zwischen dem Architekten und den Handwerkern bereits Einsparpotenziale identifiziert worden, sodass insgesamt eine Reduzierung der Kosten erreicht werden konnte. „Dennoch reichen diese Kostenreduzierungen nicht aus, um den vorgegebenen Kostenrahmen einzuhalten“, schreibt die Gemeinde, ohne Zahlen zu nennen. 

Gemeinde nennt die genaue Summe nicht

Wie Ludger Terbrüggen, Mitglied des Kirchenvorstandes, auf Anfrage erklärte, habe das Generalvikariat zwar bereits 2015 das Okay für den Neubau gegeben, die letzte erforderliche Genehmigung des Kreises sei aber erst im vergangenen Jahr erteilt worden. „In diesem Zeitraum sind die Handwerker teurer geworden, das Limit war nicht mehr zu halten“, sagte Terbrüggen. Um wie viel die zwei Millionen Euro nun überschritten wurden, wollte Terbrüggen nicht sagen. Bei dem Gespräch mit den EGV-Verantwortlichen ging es um die anteilige Übernahme der zusätzlichen Kosten zwischen dem Erzbischöflichen Generalvikariat und der Gemeinde. 

Grünes Licht dafür kann jedoch nicht das EGV selbst, sondern nur der Diözesanvermögensverwaltungsrat des Erzbistums geben. Unter anderem infolge des Skandals um den Limburger „Protz-Bischof“ Franz-Peter Tebartz-van Elst und den 31-Millionen-Euro-Neubau seiner Bischofsresidenz im Jahr 2014 wurde dieses Gremium neu geschaffen. Dieser Kontrollinstanz gehören fünf Personen an, die hauptamtlich nicht im kirchlichen Dienst stehen und die durch ihre berufliche Tätigkeit allesamt Finanz-Expertise mitbringen. Der Rat tagt jedoch nicht permanent, sondern in der Regel lediglich vier Mal im Jahr. Die nächste Sitzung ist deshalb erst für September geplant. 

Kirchenvorstand soll Papier erarbeiten

Dennoch wird der Kirchenvorstand in enger Abstimmung mit dem EGV nun schnellstmöglich ein Papier zusammenstellen, welches die neuen Entwicklungen zusammenfasst. Dieses Papier soll dem Diözesanvermögensverwaltungsrat zugeleitet werden, dessen Mitglieder auf dieser Basis dann entscheiden werden. 

„Und auf diese Entscheidung warten wir, damit wir wissen, wie hoch der zusätzliche Anteil unserer Gemeinde ist und welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen, diesen aufzubringen“, so Ludger Terbrüggen. 

Gemeindeleben leidet unter der Situation

Alle Beteiligten seien zuversichtlich, dass die zusätzlich benötigten Gelder in Paderborn bewilligt würden und die abschließende Genehmigung des EGV erfolge. „Dann könnte Anfang Oktober grünes Licht für die Auftragsvergabe an die Unternehmen gegeben werden“, teilt die Gemeinde mit. 

Der Kirchenvorstand bedauere diese „nicht enden wollende Geschichte“. Denn: „Allen Beteiligten ist klar, dass das Gemeindeleben sehr darunter leidet, wenn es keine Begegnungsstätten und Tagungsräume für die Vereine und christlichen Gruppen gibt.“

Ab 2008 steckte der Kirchenvorstand der St.-Blasius-Gemeinde zunächst viel Zeit und Arbeit in die Idee, das mittlerweile abgerissene Altgebäude (Baujahr: 1962) umfangreich energetisch sanieren und umbauen zu lassen. Vor sieben Jahren empfahl das Generalvikariat in Paderborn jedoch einen Abriss und Ersatzneubau an selber Stelle, um ein in sich stimmiges Gesamtensemble mit Kirche und Kirchplatz entstehen zu lassen. 2014 resultierte daraus ein Architektenwettbewerb, an dem sich neun Büros beteiligten. Im Mai 2015 ging „Banz + Riecks“ aus Bochum als Sieger daraus hervor. Ziele waren damals, den Kostenrahmen von einer Million Euro nicht zu überschreiten und die Einweihung 2017 vornehmen zu können. Weil aber der Siegerentwurf das Budget um mehr als eine Million Euro überschritt, mussten alle weiteren Überlegungen zurückgestellt werden. Denn die Balver hätten vom Erzbistum Paderborn nur 50 Prozent als Zuschuss für den Neubau bekommen. Der Kirchenvorstand machte sich in Absprache mit dem Generalvikariat als übergeordnete Stelle und vor allem als Geldgeber an die Planungen für einen kleineren Neubau. Weil aber auch dafür eine Million Euro nicht ausreichen würden, wurde beschlossen, die Summe zu verdoppeln. Weniger Platz wird benötigt, weil das Pastorale Zentralbüro inzwischen seine Räume am Kirchplatz 5 bezogen hat. Zudem hatte das Erzbistum Paderbon zugesagt, 75 Prozent der Kosten zu übernehmen. Durch die Corona-Pandemie hat es laut Gemeinde seit Februar erhebliche Abstimmungsprobleme gegeben. Nachdem die Ergebnisse der Ausschreibung nun vorliegen, ist klar, dass sich das Projekt einmal mehr deutlich verzögert. Die Sanierungsarbeiten am angrenzenden Alten Küsterhaus sind mittlerweile beendet.

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