1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

Pfarrer Andreas Schulte: „Die Zeit der Volkskirche ist vorbei“

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Pfarrer Andreas Schulte leitet nicht nur den Pastoralverbund Balve-Hönnetal und übergangsweise die Pfarrei St. Vitus in Hemer. Er ist auch Dechant des Dekanats Märkisches Sauerland.
Pfarrer Andreas Schulte leitet nicht nur den Pastoralverbund Balve-Hönnetal und übergangsweise die Pfarrei St. Vitus in Hemer. Er ist auch Dechant des Dekanats Märkisches Sauerland. © Kolossa, Julius

Das erste Jahr in neuer Funktion liegt hinter Pfarrer Andreas Schulte aus Balve. Am 19. Mai 2021 wurde er zum Dechanten des Dekanats Märkisches Sauerland gewählt.

Damit ist er nun für zunächst fünf Jahre der Ansprechpartner für etwa 80 000 Katholiken und 60 pastorale Mitarbeiter. Das Dekanat umfasst die katholischen Kirchengemeinden in den Kommunen Balve, Hemer, Iserlohn, Letmathe, Menden und Teile von Neuenrade. Es ist aufgeteilt in fünf Pastoralräume mit 38 Kirchengemeinden. Im Interview mit Julius Kolossa spricht Schulte über seinen Dechanten-Job.

Herr Schulte, wie war das erste Jahr?

Die erste Zeit war geprägt davon, dass ich mich in die neuen Aufgaben einarbeiten musste. Dazu gehörten die regelmäßigen Teambesprechungen mit dem Dekanatsteam und zwei Teamklausuren, bei denen wir Rückschau gehalten und das neue Jahr geplant haben. Ich war bei Treffen im Kooperationsraum West in Dortmund, wo sich die Dechanten aus Dortmund, Hagen, Herne, Unna und Balve treffen. Außerdem waren zwei Dechantentreffen in Paderborn. Als Dekanat haben wir uns zudem an der Umfrage von Papst Franziskus zum weltweiten synodalen Prozess beteiligt. Hierzu gab es mehrere Videokonferenzen.

Wie fällt ein erstes Fazit also aus?

Ich bin zufrieden, wenn ich auf das vergangene Jahr zurückschaue. Es sind vielfältige und interessante Aufgaben, die es mir ermöglichen „über den Tellerrand“ des eigenen Pastoralverbundes zu schauen.

Wie viel von dem, was Sie sich mit Amtsantritt vorgenommen hatten, konnten Sie schon umsetzen?

Die Zeit war und ist immer noch von Corona geprägt. Von daher waren einige geplante Termine in Präsenz nicht möglich, sondern wurden digital durchgeführt oder sogar abgesagt. Notwendige und wichtige Begegnungen fanden leider nicht statt. Persönliche Kontaktaufnahmen waren nur eingeschränkt möglich.

Wie kommen Sie mit der Doppelbelastung als Dechant und Pfarrer im Pastoralverbund Balve-Hönnetal zurecht?

Derzeit habe ich neben der Leitungsstelle im Pastoralverbund und dem Dechantenamt auch noch die Leitung der Pfarrei St. Vitus in Hemer. Das bedeutete, dass ich meinen gewohnten Tagesablauf neu strukturieren musste. Dabei bleiben zwangsläufig Dinge auf der Strecke, die vorher möglich waren. Einige Aufgaben fangen derzeit die weiteren pastoralen Mitarbeiter in Balve und Hemer auf. Im Bereich der Verwaltung ist mir dabei Markus Hablowetz eine wichtige Stütze. Zusätzlich gibt es zahlreiche Ehrenamtliche, die mit dafür sorgen, dass der Glaube vor Ort gelebt und gefeiert werden kann. Im Bereich der Liturgie haben wir neue Formen wiederentdeckt, um das Gebetsleben in den einzelnen Kirchen weiter zu pflegen: Wort- Gottes- Feiern, Andachten und die alternativen Gottesdienste unter dem Motto „Zeit für mich – Zeit für Dich – Zeit für Gott“.

Pfarrer Andreas Schulte.
Pfarrer Andreas Schulte. © Kolossa, Julius

Es gab Kritik an der Katholischen Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen. Wie gehen Sie als Dechant mit dem Thema um und sind Ihnen Fälle aus dem heimischen Dekanat bekannt?

Die Pastoralverbünde haben die Aufgabe gestellt bekommen, ein institutionelles Schutzkonzept zu entwickeln und zu veröffentlichen. Auch die Präventionsschulungen der in unseren Gemeinden Engagierten sollen mithelfen, für dieses Thema aufmerksam zu sein. Das Erzbistum Paderborn hat eine wissenschaftliche Untersuchung bei der Uni Paderborn in Auftrag gegeben und den Aufruf veröffentlicht, dass sich Betroffene melden sollen. So werden die Opfer gehört und in den Blick genommen. Aufgrund der noch nicht veröffentlichten Ergebnisse kann ich momentan keine Zahlen nennen. Nach aktuellen Wissenstand sind mir derzeit keine Fälle aus unserem Dekanat bekannt.

Blicken wir nach vorne: Wo sehen Sie die Kirche in vier Jahren?

Laut einiger Berichte und im eigenen Erleben ist festzustellen, dass die Zeit der Volkskirche vorbei ist. Viele Menschen entscheiden sich schon jetzt aus unterschiedlichsten Gründen bewusst entweder aus unserer Kirche auszutreten oder in unserer Gemeinschaft zu bleiben. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren sicherlich weiter fortsetzen. Auch wenn jemand „nur“ passives Mitglied ist, unterstützt er oder sie dadurch die vielfältigen Aufgaben, die Kirche in unserer Gesellschaft übernimmt. Für jede, die „bleibt“ und jeden der „bleibt“, bin ich dankbar.

Und wie hat sich dann der Pastoralverbund Balve-Hönnetal mit Priestern aufgestellt? Welche Aufgaben werden dann auf die Gemeindemitglieder zukommen?

Unsere Kirche steht auf den drei Säulen Feier der Gottesdienste, Nächstenliebe und Verkündigung der Botschaft Jesu. In Zukunft werden wir (wieder) verstärkt auf die Säule der Nächstenliebe schauen, um möglichst nahe bei den Menschen zu sein. Dies gilt nicht nur für unseren Pastoralverbund Balve-Hönnetal, sondern für unsere ganze Kirche. Wer werden zukünftig zwar weniger Priester und Hauptamtliche in unseren Gemeinden haben, dennoch kann unsere Kirche eine Zukunft haben, wenn jede und jeder aufmerksam wird für die Not und Anliegen der Mitmenschen. Es werden sich sicher auch dann Wege eröffnen, den Glauben zeitgemäß zu feiern.

Werden Sie sich als Dechant für eine weitere Amtsperiode zur Wahl stellen?

Ich bin 2021 für fünf Jahre gewählt worden und damit noch bis 2026 im Amt. Daher kommt für mich diese Frage momentan noch verfrüht. Die Kandidatur erfolgt aufgrund der Vorschläge des hauptamtlichen Personals im Dekanat.

Zur Person: Das ist Andreas Schulte

Pfarrer Andreas Schulte, gebürtiger Neheimer, wurde 1992 zum Priester geweiht. Seine erste Vikarstelle trat er im selben Jahr an in St. Heinrich und Kunigunde in Schloss Neuhaus. 1997 wurde er Pfarrverwalter in Affeln, Altenaffeln und Blintrop. Und im Jahr 2000 kam noch Küntrop dazu. 2005 wurde er Pfarrer in Garbeck, und Pfarrverwalter in Langenholthausen. Seit 2013 ist Andreas Schulte der Leiter des Pastoralbundes Balve-Hönnetal. Seit 2019 ist er außerdem Schützenkönig der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft in Balve.

Auch interessant

Kommentare