Reaktion auf Rücktritt: „Der Papst kennt seine Grenzen“

Pfarrer Andreas Schulte betont: „Dem Papst gebührt Hochachtung und Anerkennung.“

BALVE -  „Zuerst habe ich geglaubt, dass es sich um einen schlechten Scherz handelt“, berichtet Pfarrer Andreas Schulte im Gespräch mit unserer Zeitung. Als ihm dann aber klar wurde, dass die Nachricht vom Rücktritt Papst Benedikt XVI. den Tatsachen entspricht, habe es ihn fast umgehauen: „Ich bin platt“, gestand der Seelsorger am Montagmittag.

Er habe sofort recherchiert, berichtete Schulte – und konnte folglich berichten, dass ein Papstrücktritt in der Neuzeit noch nicht vorgekommen sei. „In der Kirchengeschichte gab es das aber schon“, erklärte Schulte und verwies auf den freiwilligen Rückzug des Kirchenoberhauptes im Jahr 1294: Papst Coelestin V. gab damals nach nur fünf Monaten freiwillig sein Amt auf. Kirchenhistoriker bezeichnen diesen Pontifex als „überforderten Sonderling, der kaum Latein konnte“.

Der noch bis zum Ende des Monats amtierende Papst Benedikt XVI. soll nach Angaben italienischer Zeitungen gesagt haben, er spüre die Belastung des Amtes: „Ich gehe zum Wohl der Kirche.“ Für Pfarrer Andreas Schulte ist eines deshalb ganz klar: „Dem Papst gebührt Hochachtung und Anerkennung.“ Der Pontifex stelle das Amt höher als die eigene Person. „Er kennt seine Grenzen und spürt wohl, dass er den Anforderungen nicht mehr gerecht werden kann“, betont der Balver Seelsorger.

Schulte ist sicher, dass der Papstrücktritt und die ab dem 1. März eintretende Sedisvakanz im Rahmen der folgenden Gottesdienste thematisiert wird. Auf die Frage, wann den Katholiken wieder ein Kirchenoberhaupt vorsteht, konnte Schulte keine Einschätzung abgeben. „Es gibt keinen Fall, an dem wir uns diesbezüglich orientieren könnten. Wir müssen abwarten.“ Nach dem Kirchenrecht müssen die Kardinäle allerdings frühestens am 15., spätestens aber am 20. Tag nach dem Tod eines Papstes zur Wahl eines Nachfolgers zusammentreten. Nach diesem Prozedere müsste auch nach dem Abend des 28. Februar verfahren werden, wenn der Rücktritt von Benedikt XVI. gültig wird. - cwi

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