Tritt für die UWG an

Opernliebhaber mit ausgeglichener Lebensbilanz: Porträt des Bürgermeister-Kandidaten Lorenz Schnadt (UWG)

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Lorenz Schnadt hat viele Berge bestiegen – und liebt einen freien Ausblick. Den genießt er auch von der Terrasse seines Wohnhauses in Garbeck.

Balve - Minimalismus pur: Kein einziger Blumentopf sorgt mit seinem Inhalt für Farbtupfer auf der großen Terrasse, der angrenzende Rasen ist kurz gestutzt, weder Sommerblumen noch Stauden lockern das Bild vor dem Wohnhaus in Garbeck auf.

Nicht, dass UWG-Bürgermeister-Kandidat Lorenz Schnadt den Anblick üppiger Blütenpracht nicht zu schätzen wüsste – für den Bürgermeister-Kandidaten zählt nur eines: „Ich will in meinem Garten nichts, was gepflegt werden muss.“ Generell habe er natürlich keine Probleme mit der Gartenarbeit, erklärt der 61-Jährige. „Aber ich lege Wert darauf, jederzeit das Haus verlassen zu können – ohne langwierige Vorbereitungen treffen zu müssen.“

Lorenz Schnadt ist – noch – beruflich stark eingebunden. Außerdem verreist er gerne und treibt immer dann ausgiebig Sport, wenn das Wetter gerade mitspielt. Langeweile ist für den Leiter der Autobahnpolizei Dortmund ein Fremdwort. Dass sich der UWG-Fraktionsvorsitzende dennoch erneut um das Amt des Stadtoberhauptes in Balve bewirbt, ist für ihn Ehrensache.

„Wählen heißt, tatsächlich auch eine Wahl zu haben. Es sollte mindestens zwei Kandidaten geben. Das ist der Hauptgrund, warum ich antrete“, sagt Schnadt. Für ihn steht fest: „Wer politisch aktiv ist und das nicht berücksichtigt, der hat den demokratischen Auftrag einfach nicht verstanden.“

Der Begriff „Demokratie“ hatte im Leben des Bürgermeister-Kandidaten schon immer einen besonderen Stellenwert. „Wir waren eine sehr politische Generation und wollten die Welt verändern. Das Thema Gerechtigkeit war allgegenwärtig“, stellt er fest. Seinen Beitrag zu einer besseren Welt wollte der Garbecker auch beruflich leisten. „Mir war schon immer klar, dass ich Polizist werden will“, sagt er.

Den Wunsch, für mehr Gerechtigkeit sorgen zu wollen, hat er offenbar an seinen Nachwuchs weitergegeben. Zwei seiner drei Kinder haben eine Laufbahn bei der Polizei eingeschlagen. Das gilt auch für seine geschiedene Frau Susanne, die jetzt ebenfalls für die UWG kandidiert. „Sie war schon immer politisch interessiert und wollte in Balve mitmischen“, stellt Schnadt fest. Die Polizeioberkommissarin steht auf Platz drei der Reserveliste.

„Und sie ist damit auch relativ gut abgesichert“, erklärt der Bürgermeister-Kandidat. Apropos sicher: Lorenz Schnadt ist in Garbeck aufgewachsen. Weit weg von den Problemen, die in Großstädten zum Polizeialltag gehören und mit denen er sich im Laufe seines Berufslebens immer wieder beschäftigen musste.

Er macht keinen Hehl daraus, stolz auf seine Heimatverbundenheit zu sein: „Meine Familie ist eine der ältesten im Dorf.“ Nach den Jahren an der Grundschule Heilige-Drei-Könige in Garbeck besuchte er das Heilig-Geist-Gymnasium in Menden. Schnadt absolvierte seinen Wehrdienst und entschied sich dann für ein Jura-Studium in Bonn.

1982 trat er in den Polizeidienst ein, im Jahr 2000 in den höheren Dienst. „Von meiner Haustür bis zum Eingang der Dienststelle fahre ich genau 50 Kilometer“, erzählt der Berufspendler, der das nicht als belastend empfindet. „Wenn man ländlich wohnt, muss man sich damit eben arrangieren. Ich fahre immer gerne nach Dortmund.“

Lange wird Lorenz Schnadt aber nicht mehr pendeln müssen. „Noch acht Monate bis Ende März 2021, dann ist Schluss. Ich freue mich auch auf meinen Ruhestand.“ Dass er sich trotz der Aussicht auf deutlich mehr Freizeit – inzwischen zum dritten Mal – um das höchste Amt in der Hönnestadt beworben hat, ist für Lorenz Schnadt keineswegs ein Widerspruch.

„Sicher ist das Bürgermeisteramt mit viel Arbeit verbunden, aber wenn man hier lebt, hat man einen guten Grund sich für die Stadt Balve ins Zeug zu legen.“ Vermissen würde er nichts, wenn er täglich im Rathaus am Schreibtisch sitzen würde, unterstreicht der UWG-Politiker: „Ich habe das Glück gehabt, alles was ich machen wollte in meinem Leben schon umsetzen zu können.“

Dazu gehören auch Lebenserfahrungen, die bei Weitem nicht selbstverständlich und alltäglich sind. Lorenz Schnadt hat viele Länder bereist, aber nicht als Pauschalurlauber, sondern auf eigene Faust. Unter anderem hat sich der Garbecker vor Ort ein Bild von dem Leben im verstrahlten Tschernobyl gemacht. Außerdem ist er passionierter Bergsteiger, klettert seit seinem 18. Lebensjahr.

„Ich bin durch das Skifahren zum Bergsteigen gekommen“, erzählt er. Und nachdem es ihn einmal gepackt hatte, war er kaum noch zu bremsen. Schnadt hat unter anderem fünf 7000er-Gipfel bezwungen.

Auch mit Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner war er unterwegs. Nicht nur alleine zog es ihn nach ganz oben: „Mit meiner Familie habe ich viele Gipfelwanderungen unternommen.“ Seine beeindruckende Leidenschaft kommentiert Schnadt mit einer schlichten Feststellung: „Bewegung finde ich schon gut.“ Und die verschafft er sich seit einiger Zeit auch auf dem Wasser: Lorenz Schnadt hat das Segeln für sich entdeckt.

Auf dem Sorpesee will er seinen Sportbootführerschein für die Schifffahrt auf Binnen- und Seeschifffahrtstraßen erwerben; jetzt steht die Segelpraxis-Prüfung bevor. „Ein eigenes Boot habe ich aber noch nicht“, sagt Schnadt – wobei man die Betonung auf dem Wörtchen „noch“ heraushören könnte, denn Schnadts Begeisterung spricht Bände: „Segeln ist einfach mal was Neues, packt der Wind in die Segel, dann ist das etwas anderes, als wenn ein Motor läuft.“

Wohl fühlt sich der 61-Jährige auch auf dem Fahrradsattel – selbstverständlich aber nicht auf dem eines E-Bikes. Die Sauerländer Berge gehören zu seinem bevorzugten Mountainbike-Revier. Und erst kürzlich ist er mit dem Rad die deutsche Nordseeküste entlang gefahren, von Wilhelmshaven bis Norddeich. Von dieser Reise hat er sich einige maritime Mitbringsel – Leuchtturm und Co. – mitgebracht, um die heimische Fensterbank zu dekorieren.

Letztere ist dank der Reiseandenken und dem Engagement des Hausherren zu einem echten Hingucker mutiert – ganz im Gegensatz zum eingangs erwähnten Garten. Die nächste Fahrradreise hat der UWG-Politiker schon im Blick: „Nach der Wahl will ich von Garmisch nach Venedig über die Berge fahren, in sieben bis neun Tagen.“

Auch für den Fall, dass ihn die Balver zum Bürgermeister wählen sollten, hält Schnadt an diesem Plan fest: „Ich habe genug Zeit, bevor sich der neue Rat konstituiert.“ Auf die Frage, welche Chancen er sich denn für den 13. September ausrechne, antwortet der Bürgermeister-Kandidat eher zurückhaltend.

„Das ist meine dritte Wahl in Balve und wir konnten unser Ergebnis bisher jedes mal steigern“, stellt er fest, und sagt: „Wir hoffen auf mehr.“ Schließlich habe die UWG während der vergangenen Kommunalwahl ihr Ergebnis um zwei Prozent steigern können und einen Sitz im Rat dazugewonnen.

„Und die Mehrheitspartei hat viele Probleme nicht angepackt.“ Schnadt spricht unter anderem über Gewerbeflächen, die nach seiner Ansicht dringend in Balve gebraucht würden. Er ärgert sich über den „Mangel an Baugebieten in den Ortsteilen“ und führt „Probleme durch Personalmangel“ im Rathaus an. Für ihn stehe deshalb fest: „Auch wenn ich nicht Bürgermeister werde, in der Politik werde ich in der kommenden Periode auf jeden Fall bleiben.“

Was danach komme, müsse man auf sich zukommen lassen, sagt Schnadt. Er unterstreicht: „Ich hänge nicht an meinen Ämtern.“ Aktuell sehe er in der UWG zwar noch niemanden, der bereit sei seine Nachfolge anzutreten. „Aber ich kenne da doch gute Leute. Bei uns gibt es Nachwuchs.“

Bis der im Rat und in den Ausschüssen für die UWG übernehmen kann, findet Schnadt nicht nur beim Sport einen Ausgleich zu seinem kommunalpolitischen Engagement. Auch die Musik hat es ihm angetan. „Musik war mein Abifach“, erzählt der Bürgermeister-Kandidat, der im Musikverein Amicitia Garbeck Tenorhorn gespielt hat und mit der Gitarre umgehen kann.

Seine bevorzugte Musikrichtung ist allerdings die Oper: „Ich habe 27 Mal die Zauberflöte gesehen. Oper ist für mich das Größte.“ Auf Opernbesuche möchte er auch zukünftig nicht verzichten – egal, ob sein weiterer Weg nun in den Ruhestand oder ins Rathaus führt.

Ansonsten gebe es aber kein größeres Projekt, das er aufschieben müsste, falls er zum Bürgermeister gewählt würde: „Nicht bei jeder Bergbesteigung hat man die Gewissheit, das man zurückkommt. Deshalb habe ich schon häufiger für mich Bilanz gezogen – und die war immer ausgeglichen.

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