„Ich war definitiv nicht persönlich da“

Zweifel an der Schuld des Angeklagten

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„Ich war definitiv nicht persönlich da“, beteuerte der Angeklagte

Balve/Menden - In der Nacht auf den 23. Juni 2015 machten sich zwei Männer mit einem Akku-Trennschleifer und diversen anderen Werkzeugen daran, den Fahrkartenautomaten an der Bahn-Haltestelle Sanssouci in Balve aufzubrechen. Ein Mann fand sich gestern dafür im Amtsgericht Menden wieder.

Warum ausgerechnet er auf der Anklagebank saß, konnte der 40-Jährige nicht verstehen. „Ich war definitiv nicht persönlich da“, erklärte der Neuenrader. Er kenne die Haltestelle gar nicht. Er sei bislang nur durch Balve durchgefahren, auf der Hauptstraße. 

Täter flohen

Ins Visier der Ermittler war der Mann durch DNA-Spuren an den Werkzeugen geraten. In der Tatnacht war der Meldealarm des Fahrkartenautomaten ausgelöst worden. Umgehend begaben sich Polizeibeamte zur Haltestelle. Die beiden Täter flohen beim Anblick des Streifenwagens: „Einer durch die Hönne und der andere über das Gleisbett“, berichtete ein als Zeuge geladener Polizeibeamter gestern. 

Fassen konnten die Einsatzkräfte die Flüchtigen nicht. Dafür aber Spuren an den Aufbruchwerkzeugen sichern. Gebracht hatte die Aktion den Tätern nichts. Das Erscheinen der Polizisten verhinderte die Vollendung der Tat. 

Für die Tatsache, dass seine DNA-Spuren auf den Tatwerkzeugen gefunden worden waren, hatte der Angeklagte gestern eine einfache Erklärung: Gemeinsam mit seinem Bruder betreibe er eine Baufirma. Immer wieder sei das Duo auf verschiedenen Baustellen unterwegs, treffe auf andere Unternehmen. Dabei komme es öfter vor, das Werkzeuge plötzlich verschwänden. 

Außerdem nutzten seine Söhne zu Hause das Werkzeug, um ihre Fahrräder zu reparieren. Der Angeklagte gab an, sich zudem an einen Vorfall zu erinnern, bei dem er seinen Wagen an einer Tankstelle in Plettenberg gewaschen hatte. Um den Innenraum aussaugen zu können, habe er einen großen Koffer mit allerhand Werkzeug ausgeladen und diesen hinterher vergessen. Als er zur Waschanlage zurückgekehrt sei, habe das Werkzeug nicht mehr dort gelegen und sei nicht abgegeben worden. 

"Den kenne ich nicht"

Neben den DNA-Spuren des 40-Jährigen entdeckten die Ermittler auf dem Werkzeug auch Abdrücke eines weiteren Mannes. Der Richter nannte dem Angeklagten den Namen des zweiten Verdächtigen. „Den kenne ich nicht“, erklärte der Neuenrader. 

Nach der gestrigen Beweisaufnahme war sich das Gericht nicht sicher, ob es sich bei dem Mann auf der Anklagebank tatsächlich um einen der Täter handelte. Statt eines Urteils gab es daher eine Aussetzung des Verfahrens. 

Das Verfahren des zweiten Mannes ist bei der Staatsanwaltschaft Siegen anhängig, da der andere Verdächtige Heranwachsender ist. Damit richtet sich die Zuständigkeit des Gerichts nicht wie bei Erwachsenen üblich nach dem Tat- sondern nach dem Wohnort. 

Bislang liegen dem Richter keine Informationen darüber vor, ob und wenn, dann wie sich der zweite Verdächtige zu dem Vorfall vom 23. Juni geäußert hat. Und so setzte der Vorsitzende das Verfahren gegen den 40-Jährigen aus. 

In der nächsten Zeit soll die Akte aus Siegen hinzugezogen werden. Sollten sich daraus gegen den angeklagten Neuenrader belastende Punkte ergeben, gibt es ein Wiedersehen im Gericht. Gibt es hingegen keine Anhaltspunkt, die für den 40-Jährigen als Täter sprechen, könnte das Verfahren auf schriftlichem Wege eingestellt werden.

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