Neujahrsempfang im Balver Pfarrheim

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Nicht nur die Reden der Vertreter von Kirchen und Politik machen den Neujahrsempfang aus. Vor allem nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich auszutauschen.

Balve - Noch liegen 360 Tage dieses Jahres als ein unbeschriebenes Buch vor, so der Vergleich von Pfarrer Andreas Schulte beim Neujahrsempfang am Montag im Balver Pfarrheim. Mit Gottes Segen soll dieses ein gutes, gesegnetes und fruchtbares Jahr werden, wünschte der katholische Geistliche allen Teilnehmern.

Der Pfarrer blickte auf das abgelaufene Jahr aus Sicht der katholischen Kirchengemeinde zurück, zu dem die Diakonweihe, die Sternwallfahrt, die Bildung des Gesamt-Pfarrgemeinderates und der Ausschüsse und auch der Abschied von Pastor Stefan Siebert gehörte. In seinem Ausblick stellte Pfarrer Schulte die bevorstehende Firmung von 203 Jugendlichen, einen Workshop für die Gestaltung des Zukunftsbildes der Gemeinde, und eine Sitzung des Preisgerichts, das über den besten eingegangenen Wettbewerbsentwurf für das neue Pfarrheim zu entscheiden hat, vor.

Bei diesem Neujahrsempfang, der von der Evangelischen Kirchengemeinde, der Katholischen Pfarrgemeinde und dem Kolpingforum entweder im Gemeindehaus oder Pfarrheim durchgeführt wird, steht immer auch der Austausch der Gäste im Mittelpunkt. In diesem Fall wurden sie von den drei Musikern von MK-2, Elo Badura, Jesus Garcia Fuentes und Helmut Mühl, zwischen den Redevorträgen unterhalten. Und zum Ende des offiziellen Teils erklang ein großer ökumenischer Chor, der „Von guten Mächten“ sang. Elo Badura sorgte dabei am Flügel für die Begleitung, Helmut Mühl spielte dazu Gitarre.

Kurzweilig war das bis dahin Gebotene. Engelbert Falke vom Kopingforum wies selbstkritisch auf zwei Veranstaltungen hin, die ausfallen mussten. Zu keiner der terminierten Begrüßungen für Neubürger seien Teilnehmer erschienen. Und wegen Erkrankung des Kabarettisten Torsten Sträter musste erstmals eine größere Veranstaltung abgesagt werden. Für 2015 gehören unter anderem der Faire Handel und ein Bewerbungsseminar zu den Schwerpunkten. „Licht sein und anderen Licht bringen“

Pfarrer Christian Weber blickte auf ein spannendes Jahr zurück, bei dem alle noch einmal glimpflich davon gekommen seien. Im „behaglichen Balve“ scheine die Welt noch in Ordnung, Ukraine, Syrien und Irak weit weg. Doch ob in der Hönnestadt auch genug getan würde für den Frieden, stellte der evangelische Geistliche in Frage. Eine Antwort sei das Ökumenische Friedensgebet am 11. September gewesen. „Die Welt braucht solche wie an diesem Tag entschlossene Lichterträger“, blickte Pfarrer Weber auf diese Aktion zurück, die kurz und eindringlich war mit für den Frieden angezündeten Kerzen bei stürmischem Wetter. Für die Zukunft betonte er, dass es sich lohne, gegen den Trend zu leben: „Selber Licht sein und anderen das Licht bringen.“

Fruchtbar sei 2014 gewesen, stellte Bürgermeister Hubertus Mühling schmunzelnd fest: 109 Geburten seien verzeichnet worden. Zum Vergleich führte er die bisher geburtenschwächsten Jahre 2011 (76) und 2012 (67) an, wies aber auch auf das geburtenstärkste Jahr 1965 mit 227 Kindern hin. Deutschlandweit seien 1964 insgesamt 1,4 Millionen Kinder geboren worden, 2014 waren es 600.000. Dafür seien eine Million Rollatoren verkauft worden.

Auch bei diesem Neujahrsempfang nutzte der Bürgermeister seine Redezeit, um auf die aktuelle Politik hinzuweisen. Diese sehe bis auf gestiegene Kosten für Wasser und Kanal keine Steuererhöhung vor. Investiert werde in Balve die Summe von 1,8 Millionen Euro – und dies, ohne weitere Neuschulden zu machen. Vielmehr werde auf Investitionsförderprogramme zurück gegriffen. So wird der bundestraßenbegleitende Radweg an der B 229 von der Innenstadt zur Höhle anvisiert, die Umgestaltung des Kibitz-Marktes, die Umsetzung des Dorfentwicklungskonzepts und der Straßenendausbau im Gewerbegebiet Braukessiepen und die im Stadtgebiet einheitliche Gestaltung der Bushaltestellen. Stolz kann Balve darauf sein, 25 Prozent seiner benötigten Energie aus regenerativen Energien zu gewinnen, und damit führend im Märkischen Kreis zu sein.

Ernst wurde Mühling, als er das von Pfarrer Weber angesprochene Thema aufgriff, wie Balve mit den weltweiten Krisen umgehe. Hier gelte es für alle, sich der Verantwortung zu stellen. Von der Bezirksregierung sei in den vergangenen Tagen Balve darauf hingewiesen worden, dass demnächst mit der Zuweisung von weiteren Flüchtlingen in die Hönnestadt zu rechnen sei. Bisher sind hier 70 Menschen untergekommen; die Flüchtlingsunterkünfte hätten ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Menschenwürdige Unterkünfte hierfür zu gewährleisten, sei eine der nächsten großen Aufgaben. Noch sei keine Entscheidung gefallen, eine neue Unterkunft entweder zu bauen oder zu kaufen (wir berichteten).

Landrat Thomas Gemke rief dazu auf, die Grundwerte unserer Gesellschaft nicht zu vergessen. Auch sollte nicht nur gefördert, sondern auch gefordert werden – Schulen ohne Noten als Leistungsrichtlinie, wie an einer Schule in Schalksmühle, seien schwer vorstellbar, sagte Gemke. Die Wünsche seiner Vorredner um Gesundheit und Glück ergänzte er um häuslichen Frieden. - Von Julius Kolossa

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