Neue Lehrstelle durch Praktikum

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Steven Klenner, dahinter Sabine Stähler, Johannes Wortmann, Claudia Germowitz und Gudrun Schmitz-Raphael.

Balve - Ein Lebenslauf, der nicht direkt von der Schule in einen Betrieb führt, muss nicht schlecht sein. Ein gutes Beispiel dafür ist der 23-jährige Steven Klenner aus Hemer, der bei der Firma Wortmann-Massivholztreppen eine Ausbildung absolvieren wird.

Der junge Mann hatte nach seinem Realschul-Abschluss am Berufskolleg Menden zunächst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Letmathe begonnen, und nach zwei von drei Jahren abgebrochen. Jetzt hat er nach einem sechsmonatigen Praktikum im Handwerksbetrieb von Johannes Wortmann einen Ausbildungsvertrag als Tischler ab dem 1. August in der Tasche.

Mit Nebenjobs finanzierte Steven Klenner seine erste Ausbildung in Letmathe selbst. Dann aber kam neben dem Zeitaufwand dafür und das Lernen auch noch hinzu, dass Erfolge in diesem Beruf erst spät sichtbar werden. Er brach dann ab, und meldete sich im Juni 2013 bei der Berufsberatung an.

Dass er sich nach dem ersten Kontakt eine ganze Zeit lang nicht wieder meldete, dafür hatte er auf Anfrage von Berufsberaterin Sabine Stähler auch diesmal noch keine Erklärung. Doch sei dies kein Einzelfall, wie sie wusste. Es käme vor, dass manche Jugendliche den Kontakt abbrechen und von sich aus einen neuen Anlauf starten müssen.

Auf Einladung der Agentur für Arbeit mit Arbeitsvermittlerin Gudrun Schmitz-Rapahel, Claudia Germowitz, BBZ der Kreishandwerkerschaft, und Sabine Stähler wurde Steven Klenner gestern als ein positives Beispiel für eine nach ersten Anfangsschwierigkeiten doch noch gelungene berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme vorgestellt.

Der Obermeister der Tischlerinnung des Märkischen Kreises beschäftigt 20 Fachkräfte, darunter drei Meister und 14 Gesellen. Zur Zeit hat er drei Lehrlinge – erstmals vom ersten bis dritten Ausbildungsjahr. Dass aus dem Praktikum des Neuen nun eine Lehrstelle wurde, hatte für ihn viele Gründe: „Steven war von Anfang an hoch motiviert, umgänglich und aufmerksam.“

Heute ist der junge Mann froh, diesen Schritt gegangen zu sein, der als berufsbegleitende Maßnahme mit einer Eignungsanalyse in den Bereichen Holz, Metall und Farbe begann. Weil sich seine Berufswünsche Forstwirt oder Garten- und Landschaftsbauer in dieser Region nicht verwirklichen ließen, hat sich Steven für das Gewerk Holz entschieden. Von September 2013 bis Juni dieses Jahres erlernte er bei Wortmann die „Grundlagen des Tischlerhandwerks.“ Das Zeugnis, das „guten Erfolg“ bescheinigt, führt auf, dass er Erfahrungen im Lesen einfacher Fertigungszeichnungen, in den Grundfertigkeiten Sägen, Hobel und auch Stemmen, Messen, Anreißen und der Oberflächenbehandlung vorweisen kann.

Für Johannes Wortmann ist die weitere Zusammenarbeit ein Glücksfall in Zeiten des sich auch in Balve abzeichnenden Fachkräftemangels. Und Steven Klenner ist auch zufrieden: „Als Tischler sehe ich am Ende eines Tages sofort, was ich gemacht habe.“ Nicht immer ist es so einfach; Claudia Germowitz wies darauf hin, wie bei vielen Jugendlichen die Probleme ähnlich einer Zwiebel Schicht für Schicht abgeschält werden müssen. Ziel ist es dann, sie neu zu orientieren, zu stabilisieren und in eine Ausbildung zu bringen, wo sie pünktlich und zuverlässig sein müssen.

250 berufsvorbereitende Maßnahmen gibt es jährlich in Menden, Iserlohn und Lüdenscheid. Die Erfolgsquote, gemessen an den Teilnehmern, die nach zwölf Monaten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln, betrage 40 Prozent.  - Von Julius Kolossa

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