Seit Jahrzehnten wird diskutiert

Neubau der Kreisstraße 11: Eine beinahe unendliche Geschichte

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Schön, aber reichlich eng: Die K11 führt von Balve nach Ihmert. Mit einem Aufwand von 7,8 Millionen Euro soll die rund 2,8 Kilometer lange Strecke mit einer auf 5,50 Meter verbreiterten Fahrbahn versehen werden.

Balve – K 11n – zwei Buchstaben und eine Zahl reichten vor 30 Jahren aus, manche Anwohner in Altena-Evingsen auf die Palme zu bringen. K 11 stand dabei für die Kreisstraße zwischen Balve und dem Abzweig ins Stephanopeler Tal, „n“ für neu.

Der Kreis plante damals, die Strecke auszubauen und bis nach Elfenfohren bei Ihmert zu verlängern. Dazu waren erhebliche Erdbewegungen geplant, und zwar auch in der Schutzzone der Springer-Quelle. Das hatte erhebliche Proteste zur Folge, schließlich verschwanden die Pläne in der Schublade. 

Ganz in Vergessenheit gerieten sie aber nie – vor allem wegen der Stadt Balve, die ihre unzureichende Anbindung in Richtung Iserlohn beklagte. Deshalb lud der Kreis bereits im Jahr 2001 die Bürgermeister der Städte Altena, Hemer und Neuenrade zu einem Gespräch darüber ein, wie die bis dahin nur das Balver Stadtgebiet berührende Kreisstraße in Richtung Ihmert weitergeführt werden könnte. „Es ist beabsichtigt, die neue Straße weitestgehend im vorhandenen Straßenzug zu führen“, wurde damals festgehalten und auch berichtet, dass eine Förderung der Baumaßnahme nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz bereits bewilligt sei. „Der Märkische Kreis wird den Landesbetrieb Straßenbau NRW, Niederlassung Hagen, mit der Planung der künftigen Kreisstraße beauftragen“, heißt es in einer Vorlage für den Bau- und Straßenausschuss des Kreises. 

Verfahren zieht sich bis heute hin

Damit begann ein Verfahren, das sich bis heute hinzieht, weil es Probleme mit dem Grunderwerb gab. „Trotz intensivster Gespräche mit den betroffenen Grundstückseigentümern und einer Trassenverschiebung mit Verbesserung verschiedener Grundstückssituationen ist der Erwerb aller Grundstücke leider nicht erreichbar“, teilte der Kreis im Jahr 2007 mit und stellte den Grunderwerb daraufhin ein. Stattdessen empfahl er die Durchführung eines Planfestellungsverfahrens: „Mit dem Abschluss eines Planfeststellungsverfahrens besteht dann die rechtliche Voraussetzung, dass einzelne Eigentümer auch enteignet werden könnten, wenn es nach erneuten Grunderwerbsverhandlungen zu keiner Einigung käme“, begründete er dieses Ansinnen und warnte gleichzeitig davor, dass das Zeit kosten werde: „Bei einem günstigen Verlauf des Verfahrens kann vor 2012 mit dem Bau nicht begonnen werden.“ 

2012 ist längst vorbei und auch weitere acht Jahre später ist nichts zu sehen von der neuen Straße. 2015 diskutierte die Kreispolitik das Thema wieder: „ Derzeit werden die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zusammengestellt. Diese gehen dann an die Bezirksregierung, die das Verfahren durchführt“, berichteten Vertreter von Straßen.NRW. Ein Jahr später fragte die FDP-Kreistagsfraktion nach dem Stand der Dinge. Antwort der Kreisverwaltung: Das Verfahren laufe noch. 

Pläne trudeln 2016 ein

Tatsächlich waren zu diesem Zeitpunkt – also im Jahr 2016 – die Pläne von Straßen.NRW bei der Bezirksregierung eingetrudelt – „dann beginnt die Kärrnerarbeit“ meint deren Pressesprecher Christoph Söbbeler. Im ersten Schritt des Planfeststellungsverfahrens werden die sogenannten Träger öffentlicher Belange (dazu zählt zum Beispiel die untere Wasserbehörde) angeschrieben und um deren Stellungnahmen gebeten. Die gehen dann wieder an Straßen.NRW, wo man untersucht, ob und wie diese Statements in die Planungen einfließen können. 

Die K 11 hatte beim Landesbetrieb offensichtlich nicht die höchste Priorität, was angesichts anderer Maßnahmen wie der Erneuerung der Brücken der Sauerlandlinie verständlich ist. Jedenfalls dauerte es wieder mehrere Jahre, bis der nächste Schritt anstand – der sogenannte Erörterungstermin, wo die Argumente sozusagen Aug’ in Aug’ ausgetauscht werden sollen. 

Erörterungstermin in Langenholthausen 

Dieser Termin fand mit allen Bürgern, die Einwendungen gegen den Neubau der Straße abgegeben hatten, wegen Corona jüngst in Einzelgesprächen in der Sokola.de in Langenholthausen statt und hatte das interessante Ergebnis, dass sich die Begeisterung aufseiten der Balver inzwischen in Grenzen hält. Um die 4000 Autos am Tag werden die K 11 nach dem Ausbau nutzen, lauten die Prognosen – Autos, die auch durch Garbeck und vor allem durch das enge Dörfchen Leveringhausen fahren müssen, was den dortigen Anwohnern nicht unbedingt gefällt. 

Die anfangs skeptischen Evingser hingegen haben inzwischen keine Bedenken mehr – auch, wenn die Straße nach wie vor durch die Schutzzone der Springer Quelle läuft. Die werde eher durch die massiven Fundamente der Windräder auf dem Kohlberg gefährdet, meint Ortsvorsteher Thomas Schmitz. Auch Hendrik Voss, der Geschäftsführer der Stadtwerke Altena, bleibt entspannt: Vor ihrer Zustimmung zu den Plänen sei die untere Wasserbehörde ganz bestimmt auch der Frage nachgegangen, ob das Vorhaben Altenas Trinkwasserversorgung beeinträchtige, meint er. 

Verbesserte Infrastruktur

Schmitz ist sogar ein regelrechter Befürworter der neuen Straße: Eine verbesserte Infrastruktur könne für Evingsen nur gut sein, meint er. Eine schnellere Anbindung an Balve, Neuenrade und den Hochsauerlandkreis mache das Dorf als Wohnort attraktiver – gerade jetzt, wo man mit dem flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes einen weiteren Pluspunkt aufzuweisen habe.

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