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Naturhistorischer Verein kämpft gegen den Kalkabbau im Hönnetal

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Von: Julius Kolossa

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Für den Schutz des Hönnetals setzt sich Andreas Kolarik gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des Naturhistorischen Vereins ein.
Für den Schutz des Hönnetals setzt sich Andreas Kolarik gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des Naturhistorischen Vereins ein. © Kolossa, Julius

Auf ein Jahr, in dem trotz der Corona-Pandemie doch einiges erreicht und bewegt wurde, blickt der Naturhistorische Verein Hönnetal (NHV) zurück.

Andreas Kolarik, Vorsitzender des 2018 gegründeten Vereins, berichtete im Gespräch mit der Redaktion, dass die Mitgliederzahl inzwischen auf 50 angestiegen sei. „Sie kommen aus dem Hönnetal, aber auch aus Detmold und der Schweiz und Irland. Dass wir auch international aufgestellt sind, hängt mit familiären Beziehungen zur Region zusammen.“ Der Verein hat sich als Zweck in die Satzung den Schutz des Hönnetals geschrieben.

Der Kontakt unter den Mitgliedern wird online gehalten. Ein anderer Kontakt dagegen ist abgebrochen. „Das Unternehmen Lhoist hat nach unseren Einwendungen zum Regionalplanentwurf, bei dem wir uns im Juli deutlich gegen eine Erweiterung des Steinbruchs im Hönnetal und in Beckum ausgesprochen haben, jegliche Gespräche mit uns abgebrochen“, sagte Kolarik. Anfangs seien noch „betriebliche Gründe“ angeführt worden, als Lhoist eine Besichtigung der Ausgrabungen im Beckumer Steinbruch mit Dr. Achim Schwermann abgelehnt habe. „Einen Tag vor dem angesetzten Termin kam von diesem Unternehmen, dem der Steinbruch gehört, diese Absage.“

Schautafeln noch nicht aufgestellt

Lhoist hätte auch Anfang des Jahres zugesagt, in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturhistorischen Verein vor der Feldhofhöhle im Hönnetal über die Einzigartigkeit dieses Naturdenkmals mit Schautafeln informieren zu wollen. Text und Fotos sowie Grafiken hatte Kolarik bereits zusammengestellt. „Wir hätten diese Tafel nur noch aufzustellen brauchen – dann kam wieder aus betrieblichen Gründen kein Termin zustande.“

Seitdem herrsche Funkstille zwischen Verein und Unternehmen. Für Kolarik steht fest: „Dass kein Kontakt mehr mit uns gewünscht wird, ist ein deutliches Zeichen für uns, dass ein Kompromiss nicht gewünscht wird.“ Andreas Kolarik berichtete, dass die Reduzierung der Erweiterungspläne von 80 auf jetzt 16 Hektar zwar auf den ersten Blick positiv beeindruckend sei, aber nicht darüber hinwegtäuschen könne, dass Kalkproduzent Lhoist eine „Salami-Taktik“ beim Abbau fahren werde. „Die im Beil durchgeführten Bohrungen und die veröffentlichten Ergebnisse stellen dar, dass dieses anfangs bevorzugte Abbaugebiet zu viel minderwertiges Gestein enthält. Man muss sich nun in eine andere Richtung orientieren, um abzubauen.“

Kolarik fordert ein Ende des Kalkabbaus

Hierfür biete sich nun Asbeck an. „Danach geht es aber weiter“, prognostizierte Kolarik. Er geht nicht davon aus, dass Lhoist auf weitere Abbauressourcen in Richtung Deilinghofen und Oberrödinghausen verzichten wird. „Es wird danach immer wieder nach und nach etwas abgebaut.“ Und: „Irgendwann wird das Hönnetal der größte Krater Europas werden – allzu lange wird das nicht dauern, wenn man sich ansieht, wie der Lochfraß von Lhoist innerhalb von 30 Jahren vorangeschritten ist.“

Deshalb laute das Ziel des NHV nach wie vor, sich für den Erhalt des Hönnetals einzusetzen. „Der Kalkabbau an dieser Stelle muss endgültig ein Ende haben. Aber bislang ist hier noch lange kein Ende abzusehen.“ Es werde vereinsintern an Lösungen und Ideen gearbeitet, um das Hönnetal zu retten. Doch noch lägen keine auf der Hand. Darüber hinaus werde darauf gesetzt, Einfluss mit vielen Gleichgesinnten auf den Kreistag und Stadträte zu nehmen. Immerhin habe Balves Stadtrat sich gegen eine Erweiterung der Abbaufläche ausgesprochen – ein erster Erfolg.

Müllberge sollen reduziert werden

Nicht unterkriegen lasse sich der NHV von „Lhoists Taktik, keine Gespräche mehr mit den Vereinsmitgliedern zu führen“. „Dann gehen wir eben keine Kompromisse mehr ein“, stellte Kolarik fest. „Und wir stellen uns die Frage: Wie wichtig ist Lhoist der Naturschutz wirklich?“

All dies behält der Verein weiterhin im Blick. Außerdem geht es um die Reduzierung der Müllberge im Hönnetal. „Jedes Mitglied nimmt eine Mülltüte auf seinem Spaziergang mit – und bringt diese jedes Mal aufs Neue gefüllt wieder mit nach Hause.“ Viel Abfall lande in der Landschaft. Denn das Hönnetal habe in der Corona-Pandemie noch einmal an Beliebtheit bei Tagestouristen gewonnen. Diese entsorgten Papier und Flaschen sowie anderen Müll aber leider zu häufig einfach in der Natur. „Warum findet hier kein Umdenken statt?“, fragt Kolarik.

Auf der Suche nach einem Vereinsheim

Dass der NHV parallel zu diesen Bemühungen weiterhin auf der Suche nach einem Vereinsheim ist, sei Tatsache, aber nicht besorgniserregend. Seit der Gründung wechselten die Veranstaltungsorte. Und in der Corona-Pandemie ging die Zahl der Veranstaltungen ohnehin zurück, denn Treffen mit mehreren Personen waren teilweise nicht mehr möglich. Aktuell denkt Kolarik mit seinen Vorstandsmitgliedern darüber nach, im Rahmen der Realisierung des Projekts Geschichtspark Balve in der Hönnestadt ansässig zu werden.

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