Offener Brief an Minister Laumann

Naturhistorischer Verein fordert Ende des Kalkabbaus im Hönnetal

Das Hönnetal, hier die Felsformation Sieben Jungfrauen, ist vor allem bei Wanderern beliebt. Der Naturhistorische Verein fürchtet, dass der Tourismus unter einer Steinbrucherweiterung leiden würde.
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Das Hönnetal, hier die Felsformation Sieben Jungfrauen, ist vor allem bei Wanderern beliebt. Der Naturhistorische Verein fürchtet, dass der Tourismus unter einer Steinbrucherweiterung leiden würde.

Das Maß ist voll, findet der Naturhistorische Verein Hönnetal. In einem offenen Brief wendet sich Vorsitzender Andreas Kolarik im Rahmen des Beteiligungsverfahrens bei der Aufstellung des neuen Regionalplans Märkischer Kreis für den Landesentwicklungsplan an Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und fordert ein Ende des Kalkabbaus im Hönnetal.

In einem offenen Brief wendet sich Vorsitzender Andreas Kolarik im Rahmen des sogenannten Beteiligungsverfahrens bei der Aufstellung des neuen Regionalplans Märkischer Kreis für den Landesentwicklungsplan an Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Kolarik fordert – anders als es der jüngste Planentwurf vorsieht – nach „mehr als 100-jähriger Ausbeutung der Kalkaufkommen des Hönnetals“ eine Schließung dieses Abbaugebietes.

Minister Laumann hatte im vergangenen September die Lehrwerkstatt des Lhoist-Kalkwerkes Hönnetal besucht und im Gespräch mit unserer Redaktion die geplante Steinbrucherweiterung des Unternehmens befürwortet. „Die Landesregierung steht der Steinbrucherweiterung optimistisch gegenüber“, hatte Laumann diese Haltung unter anderem mit den Worten begründet, dass der im Hönnetal gewonnene Rohstoff als Düngekalk und für den Häuserbau benötigt werde.

Millionen Jahre alte Kulturlandschaft

Dies sieht der Hönnetal-Verein anders und prangert an, dass die Landschaftseingriffe durch Steinbrüche endgültig seien: „Die Landschaftszerstörung bleibt sichtbar, für immer.“ Im Hönnetal würde eine Millionen Jahre alte Kulturlandschaft zerstört. Zudem ließen sich die Folgen des Tagebaus im Karst des Hönnetals nicht abschätzen. „Für den Grundwasserspiegel und den Trinkwasserhaushalt sind gravierende Auswirkungen zu erwarten“, heißt es in dem offenen Brief.

Kolarik beklagt darüber hinaus, die mit dem Tourismus in der Region verbundenen Arbeitsplätze beispielsweise in Eisborn würden schon jetzt durch die laufenden Eingriffe gefährdet. „Mit fortschreitender Zerstörung der Landschaft wird die Stahlkraft des mittleren Hönnetals für die touristischen Zwecke massiv beeinträchtigt“, befürchtet Kolarik. Das Landschaftsbild des Hönnetals habe bereits extrem gelitten. In Kombination mit der Verkehrsbelastung durch die Bundesstraße „ist die Belastungsgrenze längst überschritten“.

Droht ein ähnliches Schicksal wie im Neandertal?

Kolarik möchte mit seinem Brief verhindern, dass das Hönnetal ein ähnliches Schicksal wie das Neandertal bei Düsseldorf erleidet, „das vollständig durch industriellen Kalkabbau vernichtet wurde“. Noch sei das Hönnetal als eines der paläontologisch bedeutendsten Täler Deutschlands weitgehend intakt und auf den Hochflächen weitere Funde von Neantertalern und Homo Sapiens zu erwarten. „Diese gilt es zu schützen und der Nachwelt zu bewahren. Nur im großen Zusammenhang sind die Funde wirklich etwas wert und liefern uns wertvolle Informationen zu unserer Geschichte“, so Kolarik.

Regionalplan: Einwendungen bis Ende Juni möglich

Der Regionalrat Arnsberg beschloss am 10. Dezember, das Erarbeitungsverfahren für die Neuaufstellung des Regionalplans Südwestfalen (umfasst den Märkischen Kreis sowie die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein) einzuleiten. Mittlerweile liegt der Regionalplan, der die mögliche Erweiterung der Kalksteinbrüche im Hönnetal durch das Unternehmen Lhoist beinhaltet, aus. Bis Ende Juni können nun Einwendungen gegen den Entwurf vorgebracht werden. Bekanntlich plant Kalkerzeuger Lhoist seine Steinbruchflächen um rund 80 Hektar zu vergrößern, um den Standort Hönnetal zu sichern. Massiver Widerstand gegen das Vorhaben kommt nicht nur vom Hönnetal-Verein, sondern auch von der Eisborner Bürgerinitiative gegen den Steinbruch-Ausbau.

Der Hönnetal-Vereinsvorsitzende kategorisiert das Hönnetal deshalb als einen „landesbedeutsamen Kulturlandschaftsbereich“. Sollte es als solches im neuen Landesentwicklungsplan eingestuft und behandelt werden, würde dies eine Sicherung der schutzwürdigen Kulturgüter und ihrer Umgebung bedeuten. Neben der reichen Fundlandschaft und einer geschützten Flora und Fauna verweist Kolarik auch auf die „Fülle der historischen Bezüge von der Eisen- bis zur NS-Zeit“. Als Beispiele nennt er die Höhle und die Luisenhütte, die zu einem der Ankerpunkte des Geschichtsparks Balve werden soll. Die Umsetzung dieses Tourismusprojekts fördert das Land mit knapp einer Million Euro.

Hönnetal bietet „touristische Highlights der Superlative“

Letztlich kommt Kolarik zu dem Schluss, das Karstgebiet des Hönnetals biete „touristische Highlights der Superlative“ und biete ein großes Potenzial für den Tagestourismus, das neu erschlossen werden könne. Denn die „aufregende Geschichte des Hönnetals ist erst in Anfängen erzählt“.

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