Hochwasser

Hönne fließt fünf Stunden durch das Haus

Die Schäden, welche die Hönne auch in diesem Balver Haus anrichtete sind enorm. Berthold Camminady schätzt, dass die Räume in drei Monaten wieder bewohnbar sind.
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Die Schäden, welche die Hönne auch in diesem Balver Haus anrichtete sind enorm. Berthold Camminady schätzt, dass die Räume in drei Monaten wieder bewohnbar sind.

Balve – „Nach zweieinhalb Tagen“ habe er Zeit, ein wenig aufzuatmen. Berthold Camminady steckt das Hochwasserunglück noch in den Knochen, bei dem er in seinem Haus „Im Winkel“ nicht nur viel von seinem Hab und Gut verloren hatte, sondern auch um sein Leben kämpfte.

Todesangst

„Der Wasserdruck war so groß, dass ein von meinem Sohn in letzter Sekunde geholter Stuhl verhinderte, dass ich eingeschlossen wurde.“ Camminady ist einer von vielen Balvern, die am Mittwoch und Donnerstag von den Naturgewalten heimgesucht wurde. Er erinnert sich, wie sich am Mittwoch das Wasser einen Meter vor seiner Terrassentür gestaut, und dann einen Weg durch diese Tür gebahnt hat. „Über fünf Stunden lang floss das Wasser von der Garbecker Straße durch mein Wohnzimmer und von dort durch mein ganzes Haus.“ Ein Helferkreis aus Familien und Freunden half, auszuräumen.

95 Kubikmeter Sperrmüll

Am Ende kamen etwa 95 Kubikmeter an Sperrmüll zusammen. „Darunter eine Wohnlandschaft, die mir erst im April geliefert wurde.“ Er erinnert sich, dass die Familie Bathe als direkte Nachbarn bedeutend glimpflicher davon kam, aber dafür im Haus Scheele die erst vor Kurzem installierte Stromverteilung dem Wasser zum Opfer fiel.

Kritik an Krisenmanagement der Stadt

Zurzeit kommen Camminady und Anwohner bei anderen Familien unter. Sei Samstag ist er dabei, die Räume wieder bewohnbar machen. „In etwa drei Monaten wird es soweit sein“, schätzt er, der von Anfang an auf Eigeninitiative gesetzt hat. „Die Feuerwehr habe ich nicht gerufen – die Kameraden hatten genug an anderen Stellen zu tun.“ Von der Stadt allerdings hätte es seiner Ansicht nach zu wenig Rücksprache gegeben beziehungsweise es hätte Präsenz gezeigt werden sollen. „Hilfe bot am Samstag Engelbert Prinz von Croy von der Bürgerstiftung an, die dieses Angebot allen Betroffenen machte.“ Camminady wird hiervon keinen Gebrauch machen, sieht dieses aber hervorragende Geste zur Hilfe. Für ihn, der seit 61 Jahren im „Winkel“ wohnt, gibt es noch mehr als genug zu tun. Dabei bleibt ihm immer in Erinnerung: „Die Hönne lief durch mein Haus.“

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