Stelle muss neu besetzt werden

Nach fünf Jahren in Balve: Der Integrationshelfer geht

Im Dezember räumt Sozialpädagoge Jörg Esser seinen Schreibtisch in Balve. Den Ruhestand möchte er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in Polen verbringen.
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Im Dezember räumt Sozialpädagoge Jörg Esser seinen Schreibtisch in Balve. Den Ruhestand möchte er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in Polen verbringen.

Im Dezember verliert Volkringhausen mit dem Umzug von Jörg Esser nach Polen einen weiteren Einwohner, und die Stadt Balve damit ihren Sozialarbeiter.

„Ich freue mich darauf, meinen Lebensmittelpunkt mit meiner Lebensgefährtin in deren polnische Heimat verlegen zu dürfen“, erzählt der 65-Jährige im Gespräch mit der Redaktion.

Er blickt zurück auf fünf ereignisreiche Jahre in Balve – zugleich auch sein letzter Arbeitsplatz vor der Pensionierung. Begonnen hat Jörg Esser seine berufliche Laufbahn als Diplom-Sozialpädagoge zunächst in Altena, dann in Lüdenscheid. Weitere Stationen waren die Kreishandwerkerschaft Iserlohn, die Stadt Werdohl und das Evangelische Pertheswerk.

Zufrieden mit seiner beruflichen Laufbahn

Der Sozialpädagoge sagt zufrieden mit seiner beruflichen Laufbahn: „Gerne habe ich die Stelle in Balve angenommen, denn es bot sich vor meiner Pensionierung noch einmal die Chance, einen neuen Aufgabenbereich anzunehmen.“ Seit 2015 war dieser so umschrieben: Integration von geflüchteten Menschen. „Wir hatten keine Vorgaben und keine Vorerfahrungen, sodass die Anfänge spannend waren.“

Das bedeutete, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die in der Murmke-Sporthalle untergebracht waren, aber auch an der Sauerlandstraße, am Pickhammer, dem Langenloh, in der Kapellenstraße und in der Helle. „Die Reaktion der Balver vor fünf Jahren auf die Flüchtlingswelle war fantastisch: sie gründeten das Bündnis für Flüchtlinge, das seitdem unglaubliche Arbeit leistet“, sagt Esser rückblickend.

Ich durfte einen Job machen, der mich ausfüllte, erfüllte und zufrieden machte.

Jörg Esser, Sozialpädagoge in Balve

Mit den regelmäßigen Angeboten in der Realschul-Aula und der Dreifachsporthalle, den Hauspaten, vor allem aber den Deutschkursen seien wertvolle Beiträge zur Integration geleistet worden, die auch dem Sozialarbeiter seine Arbeit erleichterten: „Das Bündnis für Flüchtlinge hat meine Arbeit ermöglicht.“

Esser verdeutlicht dies an dem sozialen Frieden, der in Balve in der Stadt und in den Einrichtungen herrsche: „Ich habe in Balve gegenüber Flüchtlingen keine offene Ablehnung erlebt.“ Und Jörg Esser führte viele Gespräche in seinem Büro, war aber auch häufig unterwegs zu den Einrichtungen, um die Geflüchteten auf dem Weg in Schule, Ausbildung, Arbeit oder in die erste eigene Wohnung zu begleiten. „In den Wohnungen ist vom Lüften bis zur Mülltrennung sowie dem Bedienen der Nachtspeicherheizung zunächst einmal alles völlig neu für die Geflüchteten“, erzählt er, der in fünf Jahren immer Teil eines Teams aus Leistungssachbearbeitern und Hausmeistern gewesen sei.

Viel Hilfsbereitschaft erlebt

Jeder sei wichtig gewesen: „Ich kümmere mich dabei verstärkt um die Seele der Menschen.“ Viel Hilfsbereitschaft habe er erlebt, so als die Bürgerstiftung vor mittlerweile fünf Jahren den ersten Deutschkurs für Geflüchtete in der Realschule ermöglichte. Zur Zeit laufen in der Hauptschule zwei Kurse mit der Integrativen Sozialarbeit Iserlohn, die in der Alten Winterschule zugleich ein Betreuungsangebot anbietet (wir berichteten).

Die Bilanz von Jörg Esser über das, was in fünf Jahren erreicht wurde, fällt positiv aus: „Ich durfte einen Job machen, der mich ausfüllte, erfüllte und zufrieden machte. Damit einher gehen greifbare Ergebnisse, wie Familien, die autonom werden, und bei denen das Wohnen funktioniert.“ Dabei denkt er auch an die Flüchtlingsunterkünfte, die auf verschiedene Weise aufgewertet wurden; durch einen Fußballplatz in der Helle sowie durch Sitzmöglichkeiten am Langenloh und am Pickhammer. „Ich halte den Standort Pickhammer nach wie vor für notwendig“, fasst er seine Meinung über die Garbecker Unterkunft zusammen. Er weiß um die schlechte bauliche Substanz: „Aber sie ist die Quarantänestation in Balve.“

Vorfreude auf die neue Heimat

Langsam nimmt Esser Abschied von der Hönnestadt, und freut sich auf seine neue Heimat in der Nähe von Danzig. Dafür lernt er Polnisch. Seine freie Zeit will er mit Tischtennis, Gitarre, Ukulele und Singen verbringen.

Wenn Jörg Esser im nächsten Monat in den Ruhestand geht, wird seine Stelle als Sozialarbeiter für Integration bei der Stadt Balve frei. Sie ist bis zum 15. Dezember 2021 befristet.

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