Förster Nikodem im Interview

Nach der Borkenkäferplage: So läuft die Wiederaufforstung in den Balver Wäldern

Revierförster Richard Nikodem.
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Revierförster Richard Nikodem.

Überall im Stadtgebiet sind die Folgen des Borkenkäferbefalls deutlich zu sehen: große Kahlflächen sind dort, wo einst Fichten standen.

Im Interview mit Julius Kolossa erläutert Revierförster Richard Nikodem, wie mit diesen Herausforderungen, aber auch mit dem Klimawandel vor Ort umgegangen wird.

Herr Nikodem, was passiert gerade an Arbeiten in den Wäldern in Balve?
Wir räumen die Reste der Fichtenbestände ab, die den vergangenen Sommer überlebt hatten. Mindestens 300 Hektar Wald sind dem Borkenkäfer in den vergangenen drei Jahren in Balve zum Opfer gefallen und warten nun auf eine Wiederbewaldung.
Wie könnte dieser Wald von Morgen aussehen?
Grundsätzlich wird der Wald vielfältiger. Es wird deutlich mehr Baumarten geben, meist in Mischbeständen. Allerdings kann jeder Waldbesitzer selbst entscheiden, welche Baumarten er in seinem Wald haben möchte.
Was empfehlen Sie als Experte?
Wir Förster arbeiten grundsätzlich immer standortbezogen. Wir passen unsere waldbaulichen Empfehlungen also an die Situation vor Ort an. Wie nährstoffreich ist der Boden? Wie viel Wasser steht den Pflanzen zur Verfügung? Also Oberhang oder Unterhang? Welche Ausrichtung zur Sonne hat der Hang? Da jede Baumart sich nur dann optimal entwickeln kann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden, ist also auch nicht jede Baumart auf jedem Standort optimal. Unsere Aufgabe als Berater der Waldbesitzer ist es also, 100 Jahre in die Zukunft zu schauen. Denn wohin genau die Reise mit dem Klimawandel geht, weiß ja derzeit keiner so genau. Grundsätzlich streben wir Mischbestände aus heimischen Laub- und Nadelbaumarten an.
Der Borkenkäfer hat auch dem Fichtenbestand in Balve schwer zugesetzt.
Welche Bäume wird es künftig in den heimischen Wäldern geben?
Die Eiche als trockenheitsresistentere Baumart wird sicher deutlich häufiger werden. Aber auch Nadelhölzer werden für bestimmte Verwendungsbereiche gebraucht und können hier gut wachsen. Es werden sicher auch Baumarten aus anderen Teilen Deutschlands wie die Esskastanie oder die Walnuss beigemischt. Auch Bäume aus weiter entfernten Ländern wie die pazifische Edeltanne, die Libanonzeder oder die Hemlocktanne werden auf kleineren Flächen gepflanzt. Optimal ist ein „Bauchladen“ mit mindestens vier verschiedenen Arten auf jeder Fläche. Große Reinbestände sollte es zukünftig nicht mehr geben. Das Risiko ist einfach zu hoch. Das erleben wir aktuell bei der Fichte und den Borkenkäfern.
Was hat die Fichte überhaupt noch für eine Zukunft?
Die Fichte kann sicher auch zukünftig im Sauerland wachsen. Allerdings haben sich viele ehemalige Fichtenstandorte jetzt zu nicht mehr für die Fichte geeigneten Standorten entwickelt.
Was für ein Wald wächst demnächst auf einem ehemaligen Fichtenstandort?
Eine Kombination aus natürlicher Verjüngung der vor Ort vorkommenden Baumarten und kleineren Pflanzflächen kann eine Möglichkeit sein, die Wiederbewaldung zu ermöglichen. Wo Fichte gestanden hat, kommt aber fast nur Fichten-Naturverjüngung. Wenn der Standort jetzt nicht mehr für diese Baumart geeignet ist, kann diese Verjüngung also nur für ein paar Jahre als Mischbaumart dienen.
Neu gepflanzte Bäumchen sind ein gefundenes Fressen für die Rehe. Wie gehen Sie damit um?
Wichtig wird sein, dass die vielen neu gepflanzten Bäumchen nicht vom Rehwild verbissen werden. Da Zäune sehr teuer sind und den Lebensraum des Wildes ja weiter einengen, muss man andere Wege des Verbissschutzes finden. Am effektivsten ist natürlich eine zeitweise Absenkung des Rehwildbestandes auf den gefährdeten Flächen. Waldbesitzer, Jäger und Förster müssen also gemeinsam dafür sorgen, dass Balves neue Wälder wachsen.

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