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Schützenfest-Kater in Balve: Hohe Corona-Inzidenz nach Feiern

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Von: Julius Kolossa

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Vor allem in Langenholthausen gab es nach dem Schützenfest viele Corona-Fälle. Aber auch alle anderen Bruderschaften aus dem Stadtgebiet berichten von Infizierten.
Vor allem in Langenholthausen gab es nach dem Schützenfest viele Corona-Fälle. Aber auch alle anderen Bruderschaften aus dem Stadtgebiet berichten von Infizierten. © Kolossa, Julius

Die Corona-Zahlen sind in Balve zuletzt förmlich explodiert. Die Sieben-Tage-Inzidenz für die Hönnestadt lag am Freitag bei 2326,83. Damit ist Balve mit ganz weitem Abstand trauriger Inzidenzspitzenreiter im Märkischen Kreis.

Balve - Die Betreiber der Corona-Testzentren im Stadtgebiet berichteten, dass die positiven Testergebnisse seit Beginn der Schützenfestsaison und mit den weiteren Großereignissen in der Höhle oder wie der Eisborner Scheunenparty deutlich ansteigen.

In welchem Umfang haben die vielen Veranstaltungen zum sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen beigetragen? Unbestritten ist, dass es nach den Schützenfesten in Volkringhausen, Langenholthausen und Eisborn neue Corona-Fälle gegeben hat. Das hat eine Umfrage der Redaktion bei den Schützenbruderschaften ergeben.

„Eine Woche nach unserem Fest gab es, soweit mir bekannt ist, im Dorf vier Corona-Erkrankungen“, teilte Stephan Neuhaus, Vorsitzender der Volkringhausener Schützen, mit. Hier wurde am Pfingstwochenende das erste Schützenfest in Balve gefeiert. „Also nicht mal ein Prozent der Dorfbewohner. Ob diejenigen sich allerdings auch bei uns auf dem Schützenfest oder anderswo infiziert haben, kann ich nicht sagen. Ebenso kann ich nichts zu den Besuchern von auswärts sagen, die nach unserem Fest Symptome zeigten.“

Berthold König aus Langenholthausen, hier wurde vom 11. bis 13. Juni gefeiert, sagte: „Mich selber und über 50 Prozent meiner Vorstandskollegen plus Familienangehörige hat es erwischt. Ich habe auch von zahlreichen anderen Infektionen gehört.“ Aus Eisborn, hier fand das Festwochenende vom 18. bis 20. Juni statt, berichtete der Vorsitzende Gisbert Sprenger: „Zwei Fälle hat es bisher bei uns im Vorstand gegeben. Am Montag und Dienstag gab es bereits die ersten Fälle im Dorf. Diese kamen meiner Meinung nach aber von der Scheunenparty am Mittwoch zuvor. Man hört immer wieder von infizierten Menschen im Dorf. Wie und wo es zu den Infektionen gekommen ist, kann ich nicht genau sagen, sicherlich auch im Rahmen des Schützenfest-Wochenendes.“

An diesem Wochenende ist Schützenfest-Pause in der Hönnestadt, aber vom 2. bis 4. Juli wird dann wieder gefeiert in Beckum. Markus Baumeister, Vorsitzender der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft, sagte, dass trotz der Infektionswelle eine Absage des Festwochenendes nie ein Thema gewesen sei. „Wir freuen uns trotzdem auf unser Fest, auch wenn vielleicht einige Personen wegen Corona ausfallen oder aus Sorge vor einer Infektion nicht kommen sollten.“ Ihn selbst und einige weitere Beckumer Schützen hatte es zuletzt auch getroffen: „Wo ich mich letztendlich angesteckt habe, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.“

Nach Beckum wird vom 9. bis 11. Juli bei der Bruderschaft Heilige Drei Könige in Garbeck gefeiert. Vorsitzender Martin Vielhaber sagte: „Bisher haben sich im Vorstand und bei den Offizieren über 30 Prozent infiziert.“ Dem eigenen Fest sieht er dennoch optimistisch entgegen: „Wir planen nach wie vor ein ganz normales Schützenfest. Allerdings treffen wir einige Vorsichtsmaßnahmen: zum Beispiel wird an jeder Theke eine Gläserspülmaschine stehen, außerdem haben wir einen zweiten großen Bierwagen. Wir hoffen, dass sich die Lage bis dahin etwas normalisiert.“

Das größte Schützenfest im Stadtgebiet feiert am dritten Juli-Wochenende die Bruderschaft St. Sebastian Balve in und um die Höhle. Brudermeister Christoph Rapp sagte: „Bei uns ist es krankheitsbedingt noch ruhig. Deshalb sehen wir unserem Schützenfest auch noch gelassen entgegen, beobachten aber genau die Entwicklung. Eine Absage sehen wir zurzeit nicht.“

Zum Hygienekonzept gehörten Spülboys für die Gläser in den Bierwagen und an den Theken, aber auch Handreinigungsmittel. Christoph Rapp: „Natürlich ist aber auch jeder für sich selbst verantwortlich.“

Der Ausklang der Schützenfestsaison ist dann am ersten August-Wochenende in Mellen. Markus Blöink, Vorsitzender der St.-Hubertus-Bruderschaft, sagte: „Soweit ich das beurteilen kann, hat es bei uns bisher einen Corona-Fall nach dem Besuch des Festes in Langholthausen und einen nach dem Besuch in Volkringhausen gegeben. Also noch alles im Rahmen.“ In der Vorstandssitzung an diesem Wochenende werde über eigene das Schützenfest gesprochen.

Für die Stadt Balve steht derweil fest: „Wir haben kein Regelwerk und keine gesetzliche Handhabe, um bei weiter steigenden Corona-Zahlen die Reißleine zu ziehen.“ Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, fasste die Situation zusammen: „Mehr als zur Kenntnis nehmen können wir hier im Rathaus nicht – wir appellieren an die Eigenverantwortlichkeit.“

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