Unzureichende Schutzmaßnahmen?

Nach Brand in Geflügelzuchtbetrieb: Peta erstattet Strafanzeige

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Die Brüterei des Geflügelzuchtbetriebs an der Arnsberger Straße brannte bis auf die Grundmauern nieder. 

Beckum - Nach dem Großbrand in der Brüterei des Geflügelzuchtbetriebs Brinkmann in Beckum am 8. September, bei dem rund 1000 Küken ums Leben gekommen sind und Sachschaden von mehr als einer Million Euro entstanden ist, hat die Tierrechtsorganisation Peta am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg Strafanzeige gegen den Betreiber gestellt.

Der Vorwurf: Durch unzureichende Brandschutzmaßnahmen sei möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Küken bei einem Feuer qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen

„Jedes Tier, das bei einem Brand im Stall stirbt, wurde grob fahrlässig getötet“, sagt Lisa Kainz, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei Peta. „Der Brandschutz wird bei vielen Tier-ställen nicht ernst genommen. Außerdem: Wenn hunderte Tiere in einem Stall eingesperrt sind, ist es schlicht unmöglich, Soforthilfe zu leisten – dieses Risiko ist den Betreibern bewusst.“ 

Peta kritisierte in der Vergangenheit wiederholt die bestehenden Brandschutzverordnungen, da ein Schutz der Tiere so gut wie nicht geregelt sei. Zudem würden selbst diese unzureichenden Schutzmaßnahmen in der Praxis meist nicht umgesetzt. „Durch eine kritische Lage der Löschwasserversorgung kommt es bei derartigen Bränden häufiger zu Zeitverzögerungen, die eine Rettung der Tiere verhindern. Es ist noch zu ermitteln, ob dies beim aktuellen Einsatz auch der Fall war“, heißt es in der Peta-Mitteilung wörtlich. 

Sachverständiger stellt Kurzschluss fest 

In Beckum hatte ein Brandsachverständiger das Gebäude untersucht und einen Kurzschluss im Bereich der Stromverteileranlage der Vorbruthalle als Brandursache festgestellt. Weil es ansonsten keinerlei Auffälligkeiten gegeben hatte, stellte die Polizei die Ermittlungen anschließend ein. 

Großbrand in Geflügelbetrieb in Balve

Für die Tierrechtsorganisation steht die polizeiliche Feststellung jedoch nicht in einem Widerspruch zu der Strafanzeige. „Kommt es zu einem Brand in einer Massentierhaltung durch einen technischen Defekt, wird dieser so gut wie immer durch ein nicht ordnungsgemäßes Betreiben der Anlage hervorgerufen“, sagte ein Peta-Anwalt auf Anfrage. Deshalb erstatte Peta in solchen Fällen grundsätzlich Strafanzeige. Einen konkreten Verdacht gebe es für den Brand in Beckum jedoch nicht. 

Die Anzeige ist für Peta eine Maßnahme, die „Problematik der Massentierhaltung in die Öffentlichkeit zu bringen“, sagte der Anwalt weiterhin. 

Ein Großteil der Verfahren wurden von den zuständigen Staatsanwaltschaften eingestellt. Auch im Beckumer Fall schätzt Peta die Erfolgsaussichten als eher gering ein. „Wir rechnen damit, dass auch dieses Verfahren eingestellt wird“, sagte der Anwalt. 

Verstoß gegen Tierschutzgesetz? 

Oberstaatsanwalt Thomas Poggel, Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Arnsberg, konnte am Montag den Eingang der Strafanzeige auf Anfrage noch nicht bestätigen. „Sollte eine solche Anzeige bei uns eingehen, müssen wir prüfen, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt“, sagte Poggel. Diese Prüfung könne durchaus einige Tage in Anspruch nehmen.

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