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Nach 30 Jahren: Evangelische Gemeinde will Kita loswerden

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Von: Julius Kolossa

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Ein Kind spielt auf dem Fußboden.
Für die Kita „Arche Noah“ in Balve soll die Diakonie die Trägerschaft übernehmen. © Symbolbild: Uwe Anspach/dpa

Nach 30 Jahren gibt die Evangelische Kirchengemeinde Balve die Trägerschaft der Kita „Arche Noah“ auf. Neuer Träger soll die Diakonie Mark-Ruhr werden, die bereits mehrere Einrichtungen im Evangelischen Kirchenkreis Iserlohn betreibt.

Die Politik muss dem Trägerwechsel zustimmen, denn die Stadt Balve müsste den jährlichen Trägeranteil zu 100 Prozent übernehmen. Bisher ist die Gemeinde in der Pflicht, mit knapp 40 000 Euro für das laufende Kindergartenjahr 2022/2023 aufzukommen.

Pfarrerin Antje Kastens sagt auf Nachfrage der Redaktion: „Stimmen die politischen Gremien zu, kann die Diakone Mark-Ruhr die Geschäftsführung mit evangelischer Prägung inklusive des nötigen Gebäudemanagements übernehmen, während die religionspädagogische Arbeit und die Anbindung an das Gemeindeleben bestehen bleiben könnten.

Ausschuss berät am 14. September

Zunächst wird sich der Ausschuss Ehrenamt, Schule, Digitalisierung, Soziales in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 14. September, 18 Uhr (Sitzungssaal im Rathaus) mit dem geplanten Trägerwechsel beschäftigen.

„Zurzeit“, erläutert Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) in der Ausschussvorlage, „zahlt die Stadt Balve einen freiwilligen Zuschuss in Höhe von drei Prozent vom kirchlichen Trägeranteil.“ Nun müsse über die Aufstockung auf 100 Prozent entschieden werden. „Damit bliebe die Kindertageseinrichtung in Balve evangelisch geprägt. Die Trägerschaft könnte auch durch den Märkischen Kreis ausgeschrieben werden. Dies hätte zur Konsequenz, dass es eventuell keine evangelisch geprägte Einrichtung mehr in Balve geben könnte, da sich an der Ausschreibung auch andere Träger beteiligen können“, so Mühling weiter.

„Der aktuelle Personalmangel im Erzieherbereich hat die Problematik für uns verschärft“, sagt Pfarrerin Antje Kastens. Nachdem mehr als ein Jahr nach pädagogischen Fachkräften gesucht und das Angebot von zwei auf eineinhalb Gruppen reduziert werden musste, konnten zuletzt zumindest zwei Kräfte eingestellt werden. „Wir suchen aber weiteres Personal, wissen aber natürlich auch, dass Balve aufgrund seiner Tallage und bei den aktuell hohen Spritpreisen bei auswärtigen Bewerbern nicht hoch im Kurs steht.“ Es würde inzwischen versucht, den Personalschlüssel mit Teilzeitmodellen zu erfüllen. „Noch aber können wir keine Zusagen vermelden“, so Kastens.

Hoher zeitlicher Aufwand

Den Schritt, die Trägerschaft nach drei Jahrzehnten aufzugeben, begründet Kastens unter anderem mit dem hohen zeitlichen Aufwand für das Presbyterium, um den Personalnotstand zu beheben. Andere wichtige Aufgaben müssten so zurückstehen. „Als kleiner Träger mit einer kleinen Einrichtung können wir nicht auf einen Personalpool zurückgreifen, um Krankheiten und andere Ausfallzeiten abdecken zu können“, sagt die Pfarrerin.

Zudem seien der Trägeranteil von knapp 40 000 Euro pro Kindergartenjahr und die Investitionen zum Erhalt des Gebäudes bei sinkenden Gemeindegliederzahlen zunehmend eine finanzielle Belastung für die Kirchengemeinde. „Ja, wir sind am Rand der Unterfinanzierung“, sagte Pfarrerin Antje Kastens. Momentan würden mit der „Arche Noah“ Verluste eingefahren. Wie hoch diese sind, dazu wollte sich Kastens auch auf Nachfrage nicht äußern.

Mit der Diakonie soll Neuanfang gelingen

Mit der Übernahme durch die Diakone Mark-Ruhr soll der Neuanfang gelingen. Ein Ausbau des Gebäudes stünde nach dem Wechsel der Trägerschaft momentan nicht zur Debatte.

Kita „Arche Noah“: Aktuell 36 Kinder

Seit 1992 ist die Evangelische Kirchengemeinde Balve Trägerin der Kindertageseinrichtung Arche Noah, die in einem Gebäude an der St.-Johannes-Straße 4 untergebracht ist. Aktuell werden in der eineinhalbgruppigen Einrichtung 36 Kinder (darunter sechs U3-Kinder) von fünf angestellten Mitarbeitern (vier Erzieher und eine Praktikantin) betreut. 30 Kinder bleiben über Mittag in der „Arche Noah“. 53 Kinder stehen auf der Warteliste. Findet die Kita weiteres Personal und könnte damit wieder auf zwei volle Gruppen aufstocken, dürften neun weitere Kinder die Einrichtung besuchen.

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