Mittelständler sollen antizyklisch handeln

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Dr. Carsten Krauß (l.) von der Volksbank und Anton Lübke (r.) von der Sparkasse befassten sich am Donnerstag im Team Wirtschaft des Stadtmarketings mit der Wirtschaftskrise und ihren Folgen. ▪

BALVE ▪ Die Weltwirtschaft ist aus dem Gleichgewicht geraten. Belege dafür gab es reichlich in den letzten Wochen und Monaten: Bankenkrise, Konjunkturflaute und nicht zuletzt Griechenlands Beinahe-Bankrott haben für Turbulenzen gesorgt. Wie geht es nun weiter und vor allem: Was können Unternehmen jetzt tun? Antworten auf diese Fragen gab es bei der Sitzung des Teams Wirtschaft im Balver Stadtmarketing.

Dr. Carsten Krauß, Direktor Firmenkunden bei der Volksbank im Märkischen Kreis, und Anton Lübke, Regionaldirektor der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, stellten am Donnerstagabend eine Reihe von Thesen auf, in denen sie ihre Erwartungen skizzierten. Die Welt werde sich noch schneller drehen, Ruhe werde deshalb auch in den nächsten Jahren nicht eintreten, prognostizierten sie und rieten den Unternehmern, mit kühlem Kopf zu entscheiden. Griechenland zu unterstützen, sei aus volkswirtschaftlicher Sicht vielleicht ein Fehler gewesen. Als Kernproblem bezeichneten die Finanzexperten allerdings die seit langem schwächelnden großen Volkswirtschaften, insbesondere der USA. Krauß und Lübke rechnen deshalb damit, dass dies „perspektivisch zu weiteren Verwerfungen führen dürfte“. Überdies sei der „Frieden an den Märkten teuer erkauft“ worden. Die Zeche dafür müsse noch lange bezahlt werden.

Die Experten malten aber nicht nur schwarz und sahen auch eine aktuelle Tendenz zur Erholung der Wirtschaft. Trotzdem warnten sie: „Wir sind noch nicht aus der Krise.“ Rückschläge seien noch nicht ausgeschlossen, der Aufschwung müsse seine Nachhaltigkeit erst noch unter Beweis stellen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei nach ihrer Auffassung dem Mittelstand zu. Der müsse jetzt seine Chancen und das niedrige Zinsniveau nutzen und „antizyklisch handeln“. Gleichzeitig müsse der Mittelstand aufpassen, seine Wertschöpfung nicht an das Ausland zu verlieren. Eine Chance im Wettbewerb habe nur, wer sich ständig weiterentwickle, auf Qualität und die richtigen Technologien setze.

Ein gutes Zeugnis stellten Krauß und Lübke der Wirtschaft im Raum Balve aus. „Die Balver Betriebe sind in der Mehrzahl kerngesund und haben sich in der Krise bisher deutlich besser behauptet als andere“, sagte Krauß. Wie Lübke warnte er allerdings auch davor, dies als einen Freibrief für die Zukunft zu betrachten. Probleme wie der demografische Wandel oder der Fachkräftemangel könnten die Balver Wirtschaft natürlich auch treffen. Da gelte es, „der Region durch die Region zu helfen“: Geld, Ideen, Aufträge und Kaufkraft müssten vor Ort bleiben, es müsse in gute Bildungseinrichtungen investiert werden.

Für die beiden Finanzexperten steht fest, dass der Mittelstand noch intensiver als bisher gefördert werden muss, weil nur so gesundes Wachstum möglich ist. Unternehmern raten sie, mit seriösen Partnern aus der Region künftig noch intensiver zusammenzuarbeiten. Und auch für den Otto-Normal-Verbraucher hatten sie einen Tipp: deutlich mehr Eigenvorsorge betreiben. „Das Leben im Alter wird erheblich teurer“, prognostizierten sie und rieten deshalb dazu, ein Vermögen gut gemischt in Geld- und Sachwerten anzulegen. Anton Lübke bemühte in diesem Zusammenhang eine alte Bauernweisheit: „Man sollte nicht alle Eier in einen Korb legen!“ ▪ vg

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