Kirchengemeinde trennt sich von Klinikverbund und rettet Altenheim

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Auch nach der Trennung vom katholischen Klinikverbund soll es im Altenheim St. Johannes auf jeden Fall weitergehen.

Die Kirchengemeinde rettet ein Altenpflegeheim - dafür geht sie einen großen Schritt.

Balve -  Gekündigt hat die Katholische Kirchengemeinde St. Blasius-Balve den Vertrag mit der St. Marien-Gesellschaft zum 31. Dezember, um die in diesem Verbund geleitete St. Johannes-Seniorenwohnanlage neu aufzustellen. „Es gab Spannungsfelder zwischen der Balver Kirchengemeinde als zweitgrößte Gesellschafterin mit 47 Prozent und der Eigentümerin von Grund und Boden mit 51 Prozent, den Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis “, stellte der geschäftsführende Vorsitzende vom Kirchenvorstand, Jürgen Känzler, am Donnerstag die Hintergründe vor.

Die seit 2005 vorgeschriebene Einzelzimmerquote sei bis heute von der Mehrheitsgesellschafterin trotz Vereinbarungen nicht umgesetzt worden, außerdem wurden die zugesagten zehn neuen Plätze nach der Schließung vom Haus Annabell nicht geschaffen. „Es ist nichts passiert“, so Jürgen Känzler.

Es liegt bisher kein Bauantrag und keine Baugenehmigung vor.“ Sechseinhalb Millionen Euro sollten insgesamt investiert worden, für die die Rücklagen der St. Marien gGmbH herangezogen werden sollen. 1,8 Millionen Euro stünden hierfür zur Verfügung, sagte Känzler. „Bilanztechnisch“, fügte er hinzu. Wie hoch die bereinigte Summe letztlich sei, dazu wollte er auf Anfrage keine Angaben machen. 

Noch 2018 sei den katholischen Kliniken „noch einmal die Hand gereicht“ worden, als ein Erbaurechtsbestellungsvertrag abgeschlossen wurde. Passiert sei danach nichts – jetzt sei es zum Investitionsstau gekommen, den Jürgen Känzler zusammen mit den nicht durchgeführten Baumaßnahmen für die Einzelzimmer auf 6,5 Millionen Euro bezifferte. „Außerdem durften als angeordnete Zwangsmaßnahme für die Nicht-Erreichung der Einzelzimmer-Quote vier Pflegeplätze nicht belegt werden. Dies ist eine wirtschaftliche Schädigung für dieses Haus.“

Der Kirchenvorstand St. Blasius beim Pressegespräch (von links): Pfarrer Andreas Schulte, Hermann Krekeler, Jürgen Känzler, Dr. Paul Stüeken, Heiner Tillmann und Markus Hablowitz.

Und weil keinerlei Maßnahmen umgesetzt wurden, wurde die Kirchengemeinde aktiv, und beschloss, als Grundstückseigentümerin und Erbbaurechtsgeberin den Erbbaurechtsbestellungsvertrag mit Wirkung zum 31. Dezember 2020 zu kündigen. Mit Zustimmung vom Generalvikariat des Erzbistums Paderborn sei dieser Schritt erfolgt, denn „wir wollen das Altenpflegeheim nicht schließen, sondern über den 1. Januar 2021 hinaus zukunftsträchtig neu aufstellen zum Wohle der Mitarbeiter und der Bewohner.“ All dies sei lange vorbereitet und bedacht worden. Die Kirchengemeinde sei, so Jürgen Känzler, nicht blauäugig an dieses Thema herangegangen.

Aber: die in den 1990er-Jahren geschlossene Kooperation mit dem katholischen Klinikverbund mit den angeschlossenen Häusern in Iserlohn und Menden zur St. Marien-GmbH sollte die Kosten für das Altenpflegeheim minimieren. Dritter Partner ist seitdem die zum Generalvikariat in Paderborn gehörende Cura Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft für soziale Einrichtungen mit zwei Prozent.

Inzwischen sei die Kirchengemeinde bei der Suche nach einem neuen Mehrheitsgesellschafter fündig geworden. Eine Vielzahl von Partnern hätten ihr Interesse bekundet, dieses Altenpflegeheim fortzuführen. „In Absprache mit dem Erzbistum Paderborn wurden drei namhafte Partner aus dem kirchlichen Sektor ausgewählt, mit denen jetzt weitere Gespräche geführt werden“, stellte Jürgen Känzler den Sachstand dar. Über die Namen der drei Partner wurde auch auf mehrfache Nachfrage keine Angaben gemacht. 

An dieser Stelle soll der Anbau errichtet werden, von dem bis heute noch nichts zu sehen ist.

Einer werde auf jeden Fall die Zukunft gestalten und zeitnah vorgestellt. Wichtig sei, dass dieses Haus am Brucknerweg weiterhin katholisch geführt werde. Die Kirchengemeinde bleibe weiterhin Grundstückseigentümerin; der 47-prozentige Anteil an der Gesellschaft werde nicht verkauft.

Für die Zukunft sieht Jürgen Känzler zwei Szenarien. In einem treten die katholischen Kliniken aus der St. Marien-Gesellschaft aus und übergeben ihre 51 Prozent an den neuen Gesellschafter. Dieser werde die Investitionen übernehmen, aber auch das gesamte Personal mitsamt Heimleitung. Dies treffe aber nicht für Geschäftsführer Thomas Wülle von den katholischen Klinken zu. „Unsere Kirchengemeinde wird keinen Geschäftsführer stellen“, sagte dazu Jürgen Känzler. Auch diese Position werde vom neuen Mehrheitsgesellschafter gestellt werden.

Szenario zwei sieht die Schaffung einer neuen rechtlichen Konstellation zwischen der Balver Kirchengemeinde und zum Beispiel einer neu zu gründenden Gesellschaft, bestehend aus neuem Gesellschafter, Katholischer Kirchengemeinde St. Blasius und Cura vor.

„Unsere Kernbotschaft ist, dass es weiter geht“, stellte Jürgen Känzler fest. „Denn wenn wir weiter so wie bisher gemacht hätten, hätte dies in naher Zukunft das Aus bedeutet.“ Nach dem schwerwiegenden Verlust durch die Schließung des St. Marien-Hospitals in 2013 sollte ein ähnlicher Kahlschlag in der Altenpflege unbedingt verhindert werden.

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