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Dorf im MK will unabhängig werden: Photovoltaikanlage soll Strom für alle Haushalte produzieren

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Von: Julius Kolossa

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Auf der Wiese hinter dem Acker könnte eine Photovoltaikanlage bald Strom für die Mellener Haushalte produzieren.
Auf der Wiese hinter dem Acker könnte eine Photovoltaikanlage bald Strom für die Mellener Haushalte produzieren. © Kolossa, Julius

In Zeiten der Energiekrise wollen die Mellener zumindest in den Sommermonaten unabhängiger von anderen Stromanbietern werden und mit einer eigenen Photovoltaikanlage Strom für das Dorf erzeugen, der dann ins Netz der Balver Stadtwerke eingespeist wird.

Den möglichen Weg zu einer solchen Anlage stellte Johanna Rüth, Sprecherin und Mitglieder der Mellener Gruppe, die sich für nachhaltige Energie einsetzt, am Donnerstag während der Dorfversammlung vor. „Wir haben eine zwei Hektar große Freifläche im Fokus, bei der sich in den nächsten Monaten entscheidet, ob wir diese für den Bau einer Photovoltaikanlage nutzen dürfen“, erzählte sie.

Damit ist das Dorf schon einen Schritt weiter als im März beim „Talk im Landmarkt“, als dem Thema Energiewende ein ganzer Abend eingeräumt wurde. Marketing-Managerin Johanna Rüth (25) interessiert sich für diesen Themenkomplex. Im Gespräch mit der Redaktion sagte sie: „Wir müssen uns wandeln für den Klimaschutz und auch für Mellen. Wir sollten die Wertschöpfung im Ort halten.“

Kosten von rund zwei Millionen Euro

Rüth und ihr Team, dem 20 Mitglieder angehören, stieß bei der Nachbereitung des März-Talks auf verschiedene Lösungsansätze. „Eine Photovoltaikanlage scheint dabei am einfachsten realisierbar“, sagte sie jetzt. Während der Dorfversammlung wies sie aber auch auf eine Summe hin, die erst einmal zu stemmen sei: „Von etwa zwei Millionen Euro an Gesamtkosten müssen wir ausgehen.“ Dann aber stünde eine Anlage zur Verfügung, die 1,7 Megawatt an Strom erzeuge. Lukas Vedder-Stute, ebenfalls ein Mitglied dieser Energie-Gruppe, hatte ausgerechnet: „Damit können 340 Haushalte mit jeweils vier Personen ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.“ In Mellen gibt es etwa 200 Haushalte.

Johanna Rüth informierte über das Photovoltaik-Projekt im Mellen.
Johanna Rüth informierte über das Photovoltaik-Projekt im Mellen. © Kolossa, Julius

Allerdings, so Johanna Rüth, gebe es bei der Sonnenenergie eine „Haupt- und Nebensaison.“ Denn im Herbst und Winter sowie an wolkigen Tagen nehme die Stromproduktion deutlich ab. Die Mellener sollen sich am Photovoltaikprojekt über das Geschäftsmodell der so genannten Genossenschaftsanteile beteiligen können. Interessierte kaufen einen oder mehrere Anteile für eine bestimmte Summe, erwerben damit ein Stimmrecht und werden auch am Gewinn der Stromproduktion beteiligt. Über den Verkauf der Anteile soll die Photovoltaikanlage finanziert. Konkret werden soll dieses Finanzierungsmodell jedoch erst, wenn die genaue Höhe der Projektkosten feststeht.

Vorhaben wird Politik und Verwaltung vorgestellt

Zunächst aber soll das Vorhaben Photovoltaikanlage dem Rat und der Verwaltung der Stadt Balve im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am 15. September vorgestellt werden. Mellens Ortsvorsteher Daniel Schulze Tertilt (CDU) erläuterte, wie es danach weitergehen soll: „In einer Informationsveranstaltung am 27. Oktober wird dann das Dorf über alle Details auf dem Laufenden gehalten.“

Der Ortsvorsteher leitete diese Dorfversammlung, bei der in jedem Quartal eines Jahres über Neuerungen im Dorf diskutiert wird. Dieses Mal ging es auch um die Unterhaltung der kleinen, etwa 100 Meter langen Gasse zwischen Balver Straße und „Zum Stücke“, die ab sofort von der Stadt gepflegt werde. Bislang waren die Mellener für die Unterhaltung selbst verantwortlich. Schulze Tertilt kam mit der Stadt überein, dass diese auf Wunsch der Mellener neu zu gestaltende Wegeparzelle nun ganz und gar dem Bauhof überlassen werde.

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