Einstmals gebrautes Bier

Markenrechte erworben: Das Balver Lüll kehrt zurück

Das Haus Krüdewagen in Balve: Hier wurde vor mittlerweile mehr als 120 Jahren das letzte Balver Bier gebraut. Ein Rezept des Balver Lüll genannten Getränks existiert wohl nicht mehr.
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Das Haus Krüdewagen in Balve: Hier wurde vor mittlerweile mehr als 120 Jahren das letzte Balver Bier gebraut. Ein Rezept des Balver Lüll genannten Getränks existiert wohl nicht mehr.

Das Bier Balver Lüll kehrt nach Balve zurück – zumindest dem Namen nach...

Balve – „Der Verkehrsverein Balve hat für etwa 250 Euro die Markenrechte erworben“, sagte Verkehrsvereins-Geschäftsführer Adalbert Allhoff-Cramer im Gespräch mit der Redaktion. Diese lagen bislang bei der Luxus Bier GmbH in Iserlohn, die mit der Abwicklung der ehemaligen Iserlohner Brauerei beauftragt war.

„Wir haben auf einen guten Tipp reagiert“, so Allhoff-Cramer, der zufrieden ist, die Marke Balver Lüll für die Hönnestadt gesichert zu haben. „Und das ist entscheidend: Das Balver Lüll kann nicht mehr in fremde Hände geraten.“

Adalbert Allhoff-Cramer hat nachgeforscht, und im Buch „Sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit” des Heimatforschers Josef Pütter herausgefunden, dass das Balver Bier schon um 1600 einen guten Ruf hatte: Jährlich wurden 1000 bis 1300 „Tonnen“ gebraut, wobei eine Tonne nach damaligem Maß etwa 125 Litern entsprach. Geliefert wurde auch in Adelskreise bis nach Köln.

Bereits der mittelalterliche Geschichtsschreiber Stangefol (1575 bis 1655) habe in seinen vierbändigen „Annales Circuli Westphalici“ das Balver Lüll erwähnt: „Hierselbst wird ein ziemliches Bier gebraut, so Lüll genannt, und im ganzen Lande bekannt ist.“ Um 1615 erreichte der Bierexport nach Pütter seinen Höhepunkt.

Für die Zeit um 1800 wird von vier Bierbrauereien sowie acht Schnapsbrennereien in Balve berichtet. Eine alte Balver Chronik beschreibt das Wirtegewerbe als „Lieblingsgewerbe“ der Balver“: 1830 werden drei Wein-, 13 Branntwein-, drei Bierschenken und zehn Wirtshäuser in der Stadt gezählt. Dabei zählt die Stadt damals gerade 1000 Einwohner.

Das Bierbrauergewerbe hat sich nach Pütter bis 1910 in Balve erhalten, zuletzt in der Brauerei Krüdewagen. Pütter fasst zusammen: „Rückschauend lässt sich sagen, dass das Balver Lüll zu den bekanntesten Exportbieren des Sauerlandes gezählt hat.“

Soweit der Blick in die Geschichte. Wie es aber jetzt mit dem „Balver Lüll“ weitergeht, steht dagegen noch in den Sternen. „Denn uns liegt kein Rezept vor“, sagte Adalbert Allhoff-Cramer auf Nachfrage. „Und niemand weiß, wie es einst geschmeckt hat. Immerhin wurde das letzte Lüll vor 121 Jahren gebraut.“

Doch vielleicht finden sich bierbrauerfahrene Balver, die die Herausforderung annehmen möchten, ein Balver Lüll herzustellen. „Wir vom Verkehrsverein sind für alle Anregungen und Initiativen offen, würden dieses Engagement auch unterstützen“, ermuntert Allhoff-Cramer.

Kontakt

Interessierte, die Kontakt zum Verkehrsverein aufnehmen möchten, können dies über Adalbert Allhoff-Cramer (Tel.: 0 23 75 / 2 05 52 73, E-Mail: info@verkehrsverein-balve.de, Website: www.balverland.de) tun.

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