"Mammut" in Balve

Aus ehemaliger Disco im MK könnte ein Museum werden

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Matthias Sauer vor der ehemaligen Disco "Mammut". Das Gebäude steht derzeit leer.

Balve – Matthias Sauer hält Geschichte zum Anfassen in seinen Händen: den Schädel eines Höhlenbären, der vor etwa 13.000 Jahren in der Balver Höhle lebte, ein Stück vom Rückgrat einer Höhlenhyäne, die etwa zur gleichen Zeit dort Unterschlupf suchte, und ein Backenzahn von einem Mammut.

All dies ist seit mehr als 100 Jahren im Besitz der Familie Sauer, die 1913 mit dem Bau des Hauses und jetzigen Restaurants Zur Höhle dort sesshaft wurde. 

„Mein Urgroßvater Franz-Josef Sauer legte damals den Grundstein dafür“, erzählt Matthias Sauer im Gespräch mit der Redaktion. Der 39-jährige Diplom-Kaufmann aus Ense weißt darauf hin, dass auf dem Grundbesitz seiner Familie seinerzeit diese Funde gemacht wurden. „Viele Artefakte sind während der NS-Zeit von Nationalsozialisten geklaut worden und seitdem verschwunden.“ 

Exponate sollen öffentlich zugänglich werden

Aber es gebe noch einige Funde, die seine Familie, der ein großer Teil der Fläche rund um die Balver Höhle gehört, bis heute verwahrt habe. „Wir möchten unsere Fundstücke öffentlich zugänglich machen und deshalb der Stadt Balve als Dauerleihgaben zur Verfügung stellen“, berichtet Sauer von seinen Plänen. In einem Gespräch mit Michael Bathe als Allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters seien schon erste Ideen entstanden, wo die Exponate künftig ausgestellt werden könnten. 

Der Beckenknochen eines Höhlenbären und ein Mammut-Backenzahn. Funde wie diese lagern im privaten Archiv der Familie Sauer.

So eventuell im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Wocklum, möglich sei aber auch, aus der leer stehenden Diskothek „Mammut“ in unmittelbarer Höhlennähe, die Sauer ebenfalls gehört, ein Museum zu machen. „Dort wurde 1972 die Gastronomie mit zwei Kegelbahnen erweitert, woraus sich im Laufe der Jahre ein Kino, ein Ausflugslokal und zuletzt eine Disco entwickelte“, sagt Sauer.“ 

Festspielverein zieht ins obere Geschoss

Jetzt stehe die Immobilie leer, das Mobiliar sei vom letzten Pächter ausgeräumt worden. „Momentan sind wir noch nicht schlüssig, wie das Mammut weiter genutzt werden soll: Ein Museum wäre möglich, aber auch eine gänzlich andere Nutzung beispielsweise als Kanzlei. Eine weitere Nutzung als Gastronomie aber lehnen wir ab, weil der Aufwand für uns zu groß wäre.“ Der Festspielverein Balver Höhle möchte einen Teil der oberen Etage in einen Backstage-Bereich umbauen. Für dieses Projekt gibt es finanzielle Unterstützung aus dem Förderprogramm Leader. Die Planungen laufen allerdings noch, denn die Arbeiten müssen erst bis Ende 2021 abgeschlossen sein, weil dann der Förderzeitraum endet. 

Matthias Sauer ist derweil dabei, die zuletzt ungenutzte Fläche oberhalb des Restaurants Zur Höhle in sechs Wohnungen umzugestalten. Ab Januar sollen diese vermietet werden. So viel wie möglich an Eigenleistungen steckt er in dieses Projekt, wobei er während seiner Arbeit immer wieder einen Blick auf die Höhle werfen kann. Was hier seinerzeit gefunden wurde, soll nun öffentlich gezeigt werden. 

Gemeinsam mit der Stadt

„Unter anderem ein Rückgrat eines Höhlenbären gehört dazu“, berichtet Sauer, was noch alles im familieneigenen Archiv lagert. All dies sei von Michael Bathe schon als eine Bereicherung für das stadteigene Museum befunden worden. Demnächst sollen diese Ideen konkret umgesetzt werden. Hierbei möchte die Familie Sauer der Stadt gerne hilfreich zur Seite stehen: „Uns liegt eine partnerschaftliche Gemeinschaft auch mit der Schützenbruderschaft als Nutzerin der Höhle am Herzen“, betonte Michael Sauer.

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