Majestätische Ostereier erinnern an Fabergé

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An Ostern holt Reinhard Holewa die Porzellaneier aus ihrer Kiste. ▪

BALVE ▪ Diese Kunststücke behandelt Reinhard Holewa wie rohe Eier. Und das zurecht: Denn das, was in dem hölzernen Kasten in blauen Samt gehüllt liegt, sind auch Eier. Allerdings sind es Porzellaneier, die mit den Porträts russischer Majestäten bemalt wurden. Der passionierte Kunstsammler aus Balve hat sie in den 1980er Jahren gekauft und seiner Frau Elisabeth zum Osterfest geschenkt. Von Annabell Niemand

Jedes der 18 Eier steht auf einem Messingständer und ist 14 Zentimeter hoch. Gekrönt wird jedes von einem kleinen Zwiebelturm. Zu sehen sind Portraits aller Zaren der Romanow-Dynastie von Michail Fjodorowitsch, der von 1613 bis 1645 regierte, bis hin zum letzten russischen Zaren Nikolaus II., der von 1894 bis 1917 herrschte, dann abdankte und 1918 mit seinen fünf Kindern und seiner Frau im russischen Bürgerkrieg von den Bolschewiki ermordet wurde. Auf der Rückseite zeigen die Eier Verduten von den Residenzen der Majestäten.

Einmal im Jahr, nämlich an Ostern, werden sie ausgepackt: „Entweder im Atelier oder im Kaminraum werden sie dann aufgebaut. Dazu gibt es ein Glas Sekt. Dann haben wir unsere Ostereier gefunden.“ Immer, wenn Reinhard Holewa die schmucke Holzschatulle, die Wappen der Romanows zieren, aus dem Regal holt, fühlt er sich an seine Kindheit in Schlesien erinnern. „An Ostern war es üblich, dass die Jungen die Mädchen mit einer Wasserspritze nass machten. Dafür bekam man dann von den Müttern und Großmüttern der Mädchen selbstbemalte Eier.“

Außerdem werden Erinnerungen an einem Besuch in der Eremitage in St. Petersburg wach. In den 1960er Jahren besuchte er das Museum, das zu den größten der Welt gehört, und war beeindruckt – unter anderem von den berühmten Fabergé-Eiern. Schon damals war er Kunstsammler. Durch Kontakte aus dieser Zeit, erfuhr er auch, dass eine Kiste mit Ostereiern in Köln versteigert werden sollte. „Angeblich sollen sie von Diplomaten rüber gebracht worden sein“, erinnert sich Holewa an eine spannende Geschichte hinter den Kunstwerken. Das war seine Chance. Er  schlug zu. Über Geld spricht man nicht: Weder den Preis, den er einst dafür bezahlte, noch den heutigen Wert der Sammlung verrät der Sachverständige für Alte Kunst.

Womöglich stammen auch die bunt bemalten Ostereier des 82-jährigen Balvers aus der Fabrik des berühmten russischen Juweliers Peter Carl Fabergé. „Das ist wie mit dem Himmel – mache glauben dran, andere nicht“, sagt Holewa. Klar sei nur, dass die Kunststücke nach der Jahrhundertwende entstanden sind – immerhin endete die Regentschaft von Nikolaus des II. 1917. Und genau deshalb sagen Fabergé-Experten, dass die Eier nicht aus der Werkstatt des russischen Juweliers stammen können, weil auch das Unternehmen in dem Jahr aufgrund der russischen Revolution aufgegeben werden musste.

Aber Holewa sagt: „Immerhin hatte das Unternehmen 600 Mitarbeiter in der ganzen Welt, die alle Fabergés Handschrift beherrschten. Außerdem gibt es keinen Beleg, dass solche Eier nachgemacht wurden.“ Gleichwohl sagt der pensionierte Kriminalbeamte: „Erst, wenn ich weiß, wo die Eier herkommen, werde ich zufrieden sein. Es kann natürlich auch sein, dass ich es nie erfahre.“ Hoffnung macht seine Arbeit als Kunstsachverständiger. Denn darüber hat er Kontakt zu vielen Kunstkennern, die Augen und Ohren für ihn nach einer Antwort offen halten.

Dadurch könnte auch der 2008 verstorbene Sänger Ivan Rebroff auf Reinhard Holewa und seine Schatztruhe aufmerksam geworden sein. „Irgendwann rief eine Frau im Auftrag von Rebroff an, um die Ostereier zu kaufen. Aber über die Verhandlungen starb der Sänger“, berichtet der 82-Jährige von einer netten Anekdote rund um die Eier. Heute sagt er: „Ich werde sie nicht verkaufen.“ Dann müsste schon jemand eine horrende Summe auf den Tisch legen wollen.

Das Haus der Holewas gleicht einem Museum. Überall hängen Gemälde, stehen antike Möbel, Uhren und Skulpturen. „Kunst sammle ich schon seit ich den ersten Pfennig übrig hatte“, sagt Holewa. Den höchsten Stellenwert in seiner großen Sammlung haben die 18 majestätischen Ostereier nicht. „Meine Heiligenfiguren stehen weiter vorne“, verrät er.

Fabergé-Eier: 1885 gab Zar Alexander III. das erste Prunkei bei dem russischen Hofjuwelier Carl Peter Fabergé in Auftrag. Das berühmte Hennen-Ei schenkte er seiner Frau Maria Fjodorowna zum Osterfest. Ihre Begeisterung für das Präsent war so groß, dass der Zar fortan jedes Jahr ein Ei bei Fabergé in Auftrag gab und verschenkte. Sein Sohn Zar Nikolaus II. führte die Familientradition nach dem Tod des Vaters 1895 fort. Noch heute gelten die Ostereier als Inbegriff höchster Goldschmiedekunst. Das Winter-Ei erzielte bei einer Auktion bei Sotheby's 9,6 Millionen US-Dollar. Das Rothschild-Ei wurde 2007 bei Christie's für 17,7 Millionen Dollar versteigert.

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