Mädchen wechseln Reifen, Jungen binden Blumensträuße

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Lukas Gefrerer lernte von Apotheker Franz Vohle, welche Produkte nur mit Rezept verkauft werden dürfen. ▪

BALVE ▪ Für den 14-jährigen Moritz Sauer von der Hauptschule Balve steht fest: „Ich möchte Metzger werden.“ Dennoch nutzte er gestern die Möglichkeit, den frauentypischen Beruf des Floristen auszuprobieren. Die Gelegenheit dazu bot der erste bundesweite Boys’ Day, der Jungen-Zukunftstag. Er soll Jungs Einblicke in interessante und chancenreiche Berufe bieten. Parallel dazu testeten die Mädchen der achten Klassen von Real- und Hauptschule wieder Männerberufe aus. Der Girls’ Day fand bereits zum elften Mal statt. Von Annabell Niemand

Im Blumenstübchen Collard bekam Moritz Sauer von Chefin Vincenza Collard und Mitarbeiterin Ulrike Aßhoff Tipps für seinen ersten selbstgebundenen Blumenstrauß. Rosafarbene Rosen mischte er mit Grün und Schleierkraut. Fest gebunden sollte er sein und die Stiele nach Möglichkeit spiralförmig angeordnet. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: „Das ist schon ganz in Ordnung – vor allem fürs erste Mal“, lobte Collard. Sie vermisst übrigens Männer in ihrem Beruf. „Ich habe noch nie auch nur eine Anfrage für einen männlichen Praktikanten bekommen“, berichtet sie. Ihre Erklärung: „Ich glaube, der Beruf wird oft verkannt.“ Deshalb findet sie einen Tag wie den Boys’ Day so wichtig.

Auch Apotheker Franz Vohle sagt, dass der Beruf des Pharmazeutisch-technischen Assistenten bis dato ein typischer Frauenberuf ist. Das kann Tagespraktikant Lukas Gefrerer (14) von der Realschule nicht verstehen. Er war gestern überrascht, wie abwechslungsreich der Beruf ist. Er durfte unter anderem Tee mischen und beim Befüllen von Pillen helfen. Ob der Beruf auch für ihn eine Option ist? „Ich bin mir noch nicht so sicher. Aber er ist schon sehr interessant.“ Franz Vohle hat ihm berichtet, dass die Fächer Biologie, Chemie, Mathematik und Physik sehr wichtig sind. „Wer eine wackelige Vier in Mathe und Chemie hat, sollte die Finger davon lassen“, rät er. Das ist bei Lukas nicht der Fall. Im Gegenteil: „Gerade Bio und Chemie sind Fächer, die mir gefallen.“

In der Werkstatt des Autohauses Levermann haben gestern zwei junge Frauen die Reifen gewechselt – wenn auch mit Unterstützung. Alina Schneider (14) und Mirjana Wittek (15) versuchten sich als Kfz-Mechatroniker. Die beiden Realschülerinnen gaben offen zu, dass sie so einen Beruf ohne den Girls’ Day nicht ausprobiert hätten. „Die beiden mussten schon feststellen, dass man sich ein bisschen dreckig macht“, erzählt Frank Springer. „Das ist nicht so schlimm“, meint Alina. Dennoch zieht sie weiterhin andere Berufe vor: „Ich könnte mir vorstellen im Reisebüro oder Krankenhaus zu arbeiten.“ Ihrer Freundin Mirjana geht es ähnlich: „Ich möchte doch lieber in die Pflege oder Physiotherapeutin werden.“

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