Widerstand der A46-Gegner

Lückenschluss: Naturschützer kritisiert Bürgermeister Mühling

Richard Müller kämpft gegen den Weiterbau der A 46, möchte dabei nicht nur einen möglichen Trassenverlauf in der Nähe seines Dorfes verhindern.
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Richard Müller kämpft gegen den Weiterbau der A 46, möchte dabei nicht nur einen möglichen Trassenverlauf in der Nähe seines Dorfes verhindern.

Der geplante Lückenschluss der Autobahn 46 sorgt seit mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnten für Gesprächsstoff – in diesem Zeitraum wurden immer wieder neue Trassenführungen von Hemer nach Menden vorgestellt, ohne dass deswegen auch nur ein Stein bewegt wurde.

Nun unternehmen die Autobahn GmbH und der Landesbetrieb Straßen.NRW einen weiteren Versuch, das umstrittene Großprojekt zu realisieren.

Dafür wurde unter anderem der Planungsraum für einen Verlauf der Trasse erweitert. Der Bau des fehlenden Autobahnteilstücks von Hemer nach Menden mit anschließender Weiterführung auf die Bundesstraße 7 von Menden zur Autobahn nach Arnsberg-Neheim könnte nun entlang der Eisborner Dorfgrenze nach Asbeck führen.

Stadtoberhaupt für den Lückenschluss

Balves Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) hatte sich Mitte Februar im Gespräch mit der Redaktion für den Lückenschluss ausgesprochen. „Der Weiterbau der Autobahn 46 täte uns gut“, positionierte er sich. „Es ist für das Obere Hönnetal mit seinen Gewerbebetrieben ein besserer Autobahnanschluss als jetzt mit den weiten Fahrten bis zu den Auffahrten nach Lüdenscheid, Hemer und Arnsberg erforderlich.“

Dem widerspricht Richard Müller aus Eisborn. Der Biologielehrer im Ruhestand und Mitbegründer der Ökologischen Station an der Jugendherberge Sorpesee ist als Schatzmeister im Naturschutzzentrum des Märkisches Kreises tätig und engagiert sich in der „Gruppeninitiative gegen den Bau der A 46 – Für eine Region ohne Autobahn“ (GigA46).

Müller passt keiner der möglichen Trassenverläufe

Müller ist einer der Initiatoren der Online-Petition gegen das Ausbauprojekt. Ihm passt keiner der möglichen Trassenverläufe innerhalb des Planungsraumes, „weil jeweils immense naturschutzrelevante Bereich zerstört werden“. Nachdem Müller Ende März schon einmal öffentlich Kritik an dem Projekt geäußert hatte, legt der Eisborner jetzt nach: „Bürgermeister Hubertus Mühling hat sich in den letzten Wochen mehrfach für den Bau der A 46 ausgesprochen, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Dabei verschweigt er entweder einige wichtige Sachverhalte oder er kennt sie nicht.“ So habe die Zahl der Arbeitslosen in den Jahren vor Corona in der gesamten Region und auch in Balve teilweise unter fünf Prozent gelegen. „Gleichzeitig sind die Gewinne vieler Unternehmen gestiegen. Eine Autobahn wurde dafür nicht benötigt. Das größte Unternehmen in Menden, OBO Bettermann, hat schon vor vielen Jahren seine Unternehmensteile in Hüingsen zusammengezogen und angekündigt, dort weiter zu investieren. Auch das ohne eine A 46.“

Richard Müller geht auch auf den Tourismus ein: „Glaubt der Bürgermeister, dass zum Beispiel in Eisborn eine neue Straße in unmittelbarer Umgebung mit fast 20 000 Fahrzeugen täglich den dort ansässigen Hotels einen wirtschaftlichen Vorteil bringt?“ Die aktuelle Verkehrsuntersuchung von Straßen.NRW zeige, dass der Verkehr auf der B 515 zwischen Balve und einer Autobahnauffahrt in Menden um 1 000 bis 4 000 Fahrzeuge täglich steigen würde. „Für die Stadt und vor allem für das Hönnetal bedeutet dies eine bis zu 40-prozentige Mehrbelastung. Inwiefern dies in Bezug auf den geplanten Hönnetalradweg wünschenswert ist, kann sicherlich der amtierende Bürgermeister beantworten.“

Lärm: Einige Balver schon jetzt stark belastet

Aus dem aktuellen Lärmaktionsplan der Stadt sei bereits jetzt zu ersehen, dass schon einige Bürger in Volkringhausen und Balve über die Grenzwerte hinaus mit Verkehrslärm belastet würden. Und der Bau der A 46 hätte aus Müllers Sicht noch weitere Auswirkungen: So würden laut Bundesverkehrsministerium durch die Autobahn jährlich zusätzlich 10 000 Tonnen Kohlendioxid entstehen. Eine neue Autobahn heize also den Klimawandel weiter an. Dazu komme die Zerstörung wertvoller Umwelt- und Naherholungsgebiete auch rings um Balve.

Wanderung durch den Planungsraum im Bereich Eisborn und Asbeck

Eine Strecke für eine Wanderung durch einige Bereiche von Asbeck und Eisborn, durch die nach der Erweiterung des Planungsraumes nun möglicherweise die Trasse für den Lückenschluss führen könnte, bietet die „Gruppeninitiative gegen den Bau der A 46 – Für eine Region ohne Autobahn“ (GigA46) an. Auf der Internetseite www.giga46.info ist der Streckenverlauf zu finden. Die GigA-Sprecher Stefan Neuhaus und Lothar Kemmerzell, teilen mit: „Die Rundtour startet in der Asbeck, ist etwa neun Kilometer lang und dauert circa drei Stunden. Dabei läuft man meist über befestigte landwirtschaftliche oder Forstwege, an einigen Stellen auch auf schmalen Wald- oder Ackerpfaden. Landschaftlich geht es dabei vorbei an Buchenbeständen und markanten alten Einzelbäumen, an für die Region typischen, unverbauten Waldbächen und Biotopen, die zum Kulturlandschaftkomplex Asbeck-Eisborn gehören. Belohnt wird man mit schönen Blicken unter anderem vom Aussichtsturm Ebberg bis zum Münsterland und weit in das Sauerland hinein.“ Eigentlich war für den 1. Mai eine große gemeinsame Wanderung geplant, die aber coronabedingt nun nicht möglich ist. „Deshalb haben wir eine Tour ausgearbeitet, die man coronakonform allein oder mit der Familie machen und auf der GigA-Homepage abrufen kann.“ Neuhaus und Kemmerzell weiter: „Wir wollen unsere Region zwischen Hemer, Fröndenberg, Wickede und Hüsten ohne Autobahn erhalten. Die Wanderung zeigt einen Teilbereich dieser Landschaft, die in Teilen europäisches Schutzgebiet ist.“

Richard Müller: „Alle, die das im Gegensatz zum Bürgermeister nicht wollen, rufen wir dazu auf, die Petition „Gemeinsam und überall – Für eine Region ohne Autobahn“ auf der Seite der Gruppeninitiative gegen den Bau der A 46 unter www.giga46.info zu unterzeichnen.“ Dies hatten am Montag bis Redaktionsschluss knapp 3200 Personen getan. Als Sammelziel hat sich die Initiative 5000 Unterstützer gesetzt. Die Petition richtet sich an die Räte der vom Lückenschluss betroffenen Kommunen (also unter anderem Balve, Menden, Hemer, Wickede, Fröndenberg und Arnsberg), an die NRW-Landesregierung und auch an die Bundesregierung.

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