Ludger Terbrüggen berichtet von Afghanistan

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Heimwacht-Mitglied Ludger Terbrüggen wurde in Afghanistan mit schlimmen Ereignissen konfrontiert. ▪

BALVE ▪ Ziel der ISAF-Kräfte in Afghanistan ist es, Armee und Polizei dort bis 2014 so auszubilden, dass die Sicherheit und Ordnung ohne NATO-Hilfe gewährleistet ist. Was bis März 2011 erreicht wurde, schilderte Oberstleutnant Ludger Terbrüggen am Freitag den 26 Zuhörern im Lohgerberhaus. Von Julius Kolossa

Der Offizier im Presse- und Informationszentrum der Streitkräftebasis auf der Bonner Hardthöhe wurde 1959 in Balve geboren. Seit April 1979 ist er Soldat. Auslandseinsätze gehören zu seinen Dienstverpflichtungen. Auf sieben Einsätze in Afghanistan kann er inzwischen zurückblicken. Dort versorgte er 1 000 Agenturen und Journalisten mit Informationen. Seine Aufgabe war es da auch, über gefallene Soldaten zu berichten. 48 waren es allein auf deutscher Seite.

„Afghanistan ist mehr als Krieg“, will er den Journalisten vermitteln, die er vor Ort begleitet. Aber der Alltag werde eben oft von Gewalt bestimmt, über die dann berichtet wird. Terbrüggen erzählte engagiert über die Verhältnisse, mit denen alle, die sich am Aufbau des Landes beteiligen, leben müssen. Da seien zwölf Bevölkerungsgruppen mit eigener Kultur und Sprache, die Landschaft, die von brauner Steppe bis zu grünen Gärten reiche, da seien aber vor allem Berge und Täler, die es fast unmöglich machten, in dem 652 000 Quadratkilometer großen Land mit seinen 29 Millionen Einwohner die Taliban zu fassen. 132 000 ISAF-Soldaten sind am Hindukusch stationiert, 5 000 davon aus Deutschland.

Alle müssten, so Terbrüggen, wie die Bevölkerung, mit zerstörten Straßen oder Schlammwegen zurecht kommen. Dieses Problem sei zum Teil gelöst worden, indem 13 000 Kilometer Straßen neu angelegt wurden: „Das ist das beste Straßennetz, das Afghanistan bisher hatte.“ Auf der Erfolgsseite zu verbuchen sei außerdem, dass 85 Prozent der Afghanen medizinische Versorgung erhalten. 7,5 Millionen Schüler gab es 2010, davon waren 40 Prozent Mädchen. Ludger Terbrüggen: „2001 waren es eine Million Schüler, und zwar nur Jungen.“

Mit der Weitergabe des Wissens werde Afghanistan vielleicht als weltweiter Hauptproduzent von Opium aus den Schlagzeilen verschwinden, hofft Terbrüggen. Zurzeit werde den Bauern beigebracht, dass mit Rosenplantagen auch sehr gutes Geld verdient werden könne.

Wer an diesem Vortrag teilnahm, der bekam auch einen Film über einen Anschlag am Kabuler Flughafen vor zwei Jahren zu sehen. Zudem zeigten Bilder die Auswirkungen von Minen und Angriffen der Taliban. Zerfetzte Gliedmaßen und Gesichter – auch das sei Alltag. Bis 2010 seien 2 421 zivile Opfer verzeichnet worden, darunter 740 Kinder. 64 Prozent seien durch die Taliban ums Leben gekommen, der Rest durch unkoordinierte Schießeinsätze von Sicherheitskräften. Ludger Terbrüggen wurde auf solche Einsätze vorbereitet. Er funktioniere einfach, sagte er. Anders ist das bei den Journalisten, die er begleitet: Manche müssten sich übergeben oder nässten sich vor Angst ein.

Wiederaufbaumaßnahmen und Hilfe zur Selbsthilfe solle es durch die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF), die bisher 7,8 Millionen Minen geräumt habe, geben. Terbrüggen machte deutlich, dass die Helfer täglich auf viele Probleme treffen, aber auch auf ebenso viele freundliche Menschen mit einem enormen Wissensdurst.

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