BM-Kandidat Lorenz Schnadt im Gespräch

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Der begeisterte Bergsteiger Lorenz Schnadt liebt Herausforderungen – auch auf kommunalpolitischer Ebene.

Balve -  „Ich kann Balve mit meiner Erfahrung nach vorne bringen“, ist Lorenz Schnadt überzeugt. Bereits vor fünf Jahren ist der UWG-Fraktionsvorsitzende als Bürgermeisterkandidat in der Hönnestadt angetreten. „Mit dem Ergebnis, einem Viertel der Stimmen, war ich angesichts der Mehrheitsverhälnisse in Balve zufrieden“, stellt der 55-Jährige fest. Dem 25. Mai blickt er selbstbewusst entgegen und erklärt: „Da ist noch ordentlich Luft nach oben.“

Von Carla Witt

Lorenz Schnadt ist Polizeioberrat. Nachdem er in einigen Städten Nordrhein-Westfalens mit unterschiedlichen Aufgaben im höheren Dienst betraut war, ist der Garbec-ker jetzt Stabsleiter der Einsatzdirektion in Dortmund. „Ich komme also aus der Verwaltung und glaube, dass ich einen Gegenpol setzen kann zur starken CDU.“

Eines der Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers sind die städtischen Finanzen. „Es gibt kaum eine Kommune, die schuldenfrei ist. Der Staat ist chronisch unterfinanziert“, kritisiert er das System. Schnadt ist dennoch überzeugt, dass das Balver Stadtsäckel besser gefüllt sein könnte – vorausgesetzt, die Gewerbesteuer würde erhöht. „Das ist die Haupteinnahmequelle. Und während die Grundsteuer B deutlich angehoben wurde, hat sich die CDU bei der Gewerbesteuer mehr als zurückgehalten.“ Das sei zum einen ungerecht, zum anderen könne die Stadt eine höhere Gewebesteuereinnahme natürlich mehr als nur gut gebrauchen.

Ganz genau möchte Lorenz Schnadt auch die Haushalts-Ausgabenseite – und ganz speziell die Personalkosten – unter die Lupe nehmen. „Ich denke, dass man bei der Stadt Balve bestimmt acht Stellen einsparen könnte.“ Die demographische Entwicklung mache sich auch in Balve bemerkbar. „Aber wir verwalten weniger Einwohner noch immer mit dem gleichen Personal“, stellt der Bürgermeisterkandidat fest. Darüber hinaus würden viele städtische Dienste mittlerweile elektronisch angeboten. Auch hier sieht er weiteres Einsparpotential.

Ganz aktuell werde für die Bereitschaftsdienste in Balve quasi Geld zum Fenster rausgeworfen. „35 000 Euro geben wir dafür aus. In Neuenrade ist das anders, dort teilen sich die Fachbereichsleiter oder Dezernenten die Bereitschaftsdienste.“

Schnadt würde dieses Geld lieber an anderer Stelle investieren – zum Beispiel in die Verbesserung der Infrastruktur, die aber keineswegs schlecht sei. Das würde er auch jungen Menschen sagen, um sie davon zu überzeugen sich in der Hönnestadt niederzulassen. „Und wir haben Arbeitsplätze. Hier gibt es gesunde, inhabergeführte Firmen“, betont das UWG-Mitglied. Er ergänzt: „Außerdem leben wir da, wo andere Urlaub machen.“ Günstiges Bauland sei reichlich vorhanden und wer keine Angst vor Nachbarn habe, der sei in Balve und den Ortschaften bestens aufgehoben. Er selbst sei im Alter von 38 Jahren und mit drei Kindern im Schlepptau nach Balve zurückgekehrt. „Ich hatte mir zuvor die Frage gestellt, wo Kinder am besten aufwachsen. Die Antwort ist einfach: Hier in Balve.“

Mit Blick auf den demographischen Wandel sei es sehr wichtig, dass leer stehende Häuser wieder vermittelt und bewohnt werden. „Sie dürfen nicht verfallen und zu Bauruinen werden“, betont der Bürgermeisterkandidat. Er ist der Überzeugung, dass man die demographische Entwicklung nicht isoliert betrachten kann. „Es muss immer auch darum gehen, junge Menschen zu uns locken.“ Auch deshalb sei es enorm wichtig, das Straßennetz in Ordnung zu bringen, Schulen sowie Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten zu erhalten und weitere zu schaffen.

In diesem Zusammenhang sieht Lorenz Schnadt auch das Dorfentwicklungskonzept positiv. Seine Kritik bezüglich der Entstehung des Konzeptes widerruft er aber nicht. Die Firma Pesch und Partner habe ihre Sache sehr gut gemacht. „Aber es hätte dieser Firma nicht bedurft. Wir hätten das auch anders gestalten können.“ Grundsätzlich sei für jeden Ortsteil eine gute Idee dabei, beispielsweise die Renaturierung des Garbaches oder der Radweg längs der Hönne bis zur Höhle. „Aber die Frage ist doch, wer das bezahlen soll“, bezweifelt Schnadt, dass demnächst Mittel zur Verfügung stehen, um entsprechende Baumaßnahmen umsetzen zu können.

Apropos Baumaßnahmen: Für unverzichtbar hält er den Weiterbau der A 46. „Die Autobahnen enden im Umkreis von 20 Kilometern um uns herum. Das ist zu weit weg“, stellt Schnadt fest. Allerdings gibt er sich auch keiner Illusion hin: „Im Zweifelsfall wird diesbezüglich keiner auf uns hören.“ Grundsätzlich sieht der UWG-Politiker die touristische Zukunft der Stadt dennoch positiv: „Wir liegen am Rand eines Landschaftsschutzgebietes mit relativ intakter Natur. Das ist unser Pfund.“ Dementsprechend sei auch die Radwegeverbindung von Balve zur Sorpe und nach Menden sehr wichtig.

Wichtig ist dem 55-jährigen auch der Erhalt der Balver Schullandschaft, allerdings glaubt er nicht daran, dass die Hauptschule längerfristig bestehen kann. „Hier muss ich die Schulleiterin Frau Scholder zitieren. Sie hat gesagt: ,Wille der Eltern ist, dass auf dem Entlasszeugnis nicht Hauptschule steht.’ Das ändert aber nichts daran, dass unsere Hauptschule wirklich gut ist“, sagt Schnadt.

Das gelte auch für die Realschule, die jetzt massiv beworben werden müsse. Er kann sich einen Seitenhieb in Richtung CDU nicht verkneifen: „Die Schule ist eineinhalb Jahre tot geredet worden, es dauert jetzt natürlich eine Weile, bis das Vertrauen wieder hergestellt ist.“ Für den Erhalt der Schule spreche auch die gute Bausubstanz des Gebäudes. „Etliche Milliönchen sind da reingeflossen“, stellt der Kommunalpolitiker fest.

Schnadt macht nach wie vor aber keinen Hehl daraus, dass ihm die Entwicklung der Balver Schullandschaft keineswegs gefällt. Der Königsweg für die Hönnestadt wäre aus seiner Sicht eine Gesamtschule Oberes Hönnetal für die Städte Neuenrade und Balve gewesen. „Diese Pläne sind aber von der CDU torpediert worden“, beklagt er.

Im Stich gelassen fühlt er sich von der Kreispolitik, wenn das Thema „Gesundheitscampus“ auf den Tisch kommt: „Wenn der Kreis gewollt hätte, hätte man das Balver Krankenhaus retten können.“ Der Gesundheitscampus ist für Schnadt eine Art Rettungsanker: „Wenn der Campus wegbricht, dann haben wir bald keine Ärzte mehr hier in der Stadt.“ Die Entwicklung des Campus hänge aber eng mit dem Thema Stadtentwicklung zusammen. Die Achse Krankenhaus/Innenstadt müsse verbessert werden. „Wir brauchen Geschäfte, altengerechtes Wohnen und wir dürfen den Bürgerbus bei diesen Überlegungen nicht vergessen.“ Es gelte, Entwicklungsmöglichkeiten rund ums Krankenhaus zu nutzen. „Interessant ist auch die Frage, was mit dem alten Schwesternwohnheim passiert.“

Wie würde Lorenz Schnadt fünf Millionen für die Stadt Balve investieren? Auf Anhieb fällt dem Kommunalpolitiker eine lange Wunschliste ein: „Ich würde erst mal Straßen flicken, in die Vereinsarbeit investieren und Radwege bauen“, sagt er. Augenzwinkernd fügt er dann mit Blick auf den von den Schützen ersehnten gläsernen Höhleneingang hinzu: „Und wenn die Balver lieb sind, bekommen sie auch ihren gläsernen Vorhang.“

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