Lichter gehen aus im Schuhhaus Linne

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Michael, Waltraud und Hermann-Josef Linne beenden nach mehr als 150 Jahren eine Familientradition.

Garbeck -  Das Schuhhaus Linne schließt zum 30. Dezember und beendet damit eine 153-jährige Familientradition in Garbeck. „Es ist der Punkt gekommen, was anderes zu machen“, sagte Michael Linne, der das Geschäft an der Straße Im Brauke 3 zum 1. August 2008 von seinen Eltern Hermann-Josef und Waltraud übernommen hat.

Seine Zukunftspläne sieht der gelernte Einzelhandelskaufmann nicht darin, weitere 30 Jahre lang Schuhe zu verkaufen und die im Schuhgeschäft integrierte Poststelle weiter zu betreiben. Weiter meint er: „Ich bleibe nicht selbständig.“

Ab 1. Januar will Linne sich beruflich neu orientieren. Sein Vater Hermann-Josef werde sich dann bemühen, das Ladenlokal weiter zu vermieten. Vieles sei möglich und vorstellbar für eine neue Nutzung, will er sich potenziellen Interessenten offen zeigen.

Jetzt aber gelte es zunächst, den Laden leer zu bekommen. „Totaler Räumungsverkauf: 40 Prozent“ wird auf einem Schild am Schaufenster verkündet. Sämtliche Waren sollen an den Mann, die Frau und das Kind gebracht werden.

„Kinderschuhe waren unsere Spezialität“, erzählt der gelernte Schuhmacher, der 25 Jahre als Zivilangestellter bei der Bundeswehr tätig war. Im Schuhhaus Linne wurden ganze Generationen an den Füßen eingekleidet. Dabei sei die Kundschaft aus dem Dorf, aber auch aus dem Umland wie Werdohl und Altena gekommen. Geboten wurden Schuhwaren und -reparaturen.

Seit dem 1. Juli 2004 wurde in diesem Geschäft als weiterer Service die Poststelle von Garbeck (vorher bei „Trio“) integriert. Sämtliche Postgeschäfte können noch bis zum Schluss dort abgewickelt werden. Dazu gehört auch das Aufgeben und Annehmen von Paketen. Diese Poststelle werde, so Michael Linne, ab Januar in den Garbecker Markt verlegt.

Die Geschichte der Schuhe der Familie Linne begann 1861, als der Ururgroßvater von Hermann-Josef Linne an der Kirchstraße eine Schuhmacherwerkstatt, in der auch Maßschuhe angefertigt wurden, gegründet hat. 1906 übernahm dessen Sohn Hermann das Geschäft. 1908 kaufte dieser ein Haus an der Karrenstraße, wo das Schuhgeschäft dann bis 1993 bleiben sollte. Nach dem Tod von Hermann jun. führte der Sohn Josef den Familienbetrieb weiter.

1963 verstarb Josef Linne. Seine Ehefrau Joesefine und seine Tochter Marianne führten den Betrieb weiter. Als 1975 Mariannes Bruder Hermann-Josef die Ausbildung zum Schuhmacher beendete, übernahmen er und seine Frau Waltraud das Ruder.

Mit der steigenden Einwohnerzahl von Garbeck stiegen auch die Zahlen der verkauften Schuhe. Das alte Haus wurde allmählich zu klein und Anfang der 90er-Jahre fiel dann die Entscheidung zu einem Neubau an der Straße Im Brauke 3. Im März 1993 erfolgte dann der Umzug von der Karrenstraße 5 in das neue Domizil.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 arbeitete Marianne Schneider, geborene Linne, im Schuhgeschäft. Seit dem 1. August 2008 hat Hermann-Josef Linne die Zukunft des Garbecker Schuhgeschäfts an seinen Sohn Michael übergeben.

Von Julius Kolossa

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