von der Leyen beim Optimum-Wirtschaftsgespräch

Zum Abschluss des Wirtschaftsgespräches nutzte Bürgermeister Hubertus Mühling die Gelegenheit, um die Arbeits- und Sozialministerin zu bitten, sich ins goldene Buch der Stadt einzutragen.

BALVE ▪ Engagiert, sympathisch und fachkundig präsentierte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen am Freitagnachmittag beim siebten Optimum-Wirtschaftsgespräch. Vor 90 Gästen trug sie sich im Beisein von Bürgermeister Hubertus Mühling auch ins goldene Buch der Stadt ein.

Von Michael Koll

Die Ministerin sprach zu den Themen Fachkräftemängel und demografischer Wandel. Zum Einstieg betonte sie, „die deutsche Wirtschaft steht unglaublich robust da“. Die Arbeitslosigkeit ginge „massiv zurück“. Ausbildungsplätze stünden „leer“.

In Bezug auf die europäische Krise apppellierte sie: „Vor 60 Jahren sind wir nicht vom europäischen Hof gejagt worden. Deshalb sind wir heute verpflichtet, Griechenland zu helfen.“ Deutschlands Zukunft liege in einem gesunden Europa, denn 60 Prozent des deutschen Exports ginge in Länder der Europäischen Union.

Allerdings forderte von der Leyen: „Wenn wir eine Währung haben, brauchen wir auch eine gemeinsame Finanz- und Haushaltspolitik.“ Dann sei sie zuversichtlich, dass die Schulden Europas reduziert werden könnten.

Im Inland drohe durch den demografischen Wandel in den kommenden 15 Jahren ein Rückgang der Arbeitnehmerzahl in Höhe von sechs Millionen Menschen. Dabei sei es wichtig, auch Ältere in Unternehmen zu beschäftigen: „Die gelebte Erfahrung dieser Menschen finden Sie bei Google nicht.“

Zudem sei es wichtig, die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere zu verbessern. „Es darf nicht die Frage sein, ob man einen Krippenplatz für sein Kind bekommt, sondern wie die Qualität der Einrichtung ist“, mahnte sie. So rief sie die deutsche Wirtschaft auf, betriebseigene Kindergärten anzubieten, die auch die Bindung an das Unternehmen für die Arbeitnehmer stärken würden.

Von der Leyen unterstützte auch die finanzielle Unterstützung von jungen Eltern: „Wer sich aufgrund seines Einkommens Nachwuchs leisten kann, bei dem ist aufgrund seines gesetzten Alters das Thema doch längst durch.“

„In Zukunft stellt sich aber auch die Frage nach Pflege und Karriere.“ Die Zeiten, in welchen lediglich drei Prozent der Vorstände deutscher Unternehmen weiblich seien, müssten vorbei sein, forderte die Ministerin.

Weiter betonte sie: „Wir brauchen Zuwanderung – aber hochqualifizierte.“ Bei Ingenieuren und Ärzten „müssen wir um die besten Köpfe dieser Welt werben“. Süffisant stellte die Ministerin zur inländischen Bildung fest: „Wer Kinder hat, weiß: Es gibt gute Lehrer und es gibt andere.“

Der prominente Gast des Wirtschaftsgesprächs nannte „die Bindung an Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände richtig. Durch die Abkehr von fairen Tarifen gerät momentan etwas aus den Fugen, was 60 Jahre gut funktioniert hat.“

Mehrfach widersprach von der Leyen energisch dem Moderator Thomas Selter, etwa als er sagte: „Wenn ein qualifizierter Einwanderer kommt, dann kommen doch gleich 17 mit, die hier Sozialhilfe beziehen.“ Die Forderung des Moderators, nur noch Menschen mit mindestens einem Hauptschulabschluss den Erwerb eines Führerscheins zu gestatten, bügelte die Ministerin energisch ab – ebenso wie Selters Behauptung, viele Arbeitslose hätten eine „Unlust“ und auf diese müsse „Druck“ ausgeübt werden. Irritiert reagierte ein Teil des Publikums schließlich auf Selters Bemerkung: „Einen Regierungswechsel wollen wir ja alle nicht.“

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