Leichtgläubig in die Kreditfalle

BALVE ▪ Ein leichtgläubiger Kunde auf der einen, ein skrupelloser Verkäufer auf der anderen Seite – nur selten führt seine solche Konstellation zu einer für beide Seiten erfreulichen Geschäftsbeziehung. So erging es auch einem heute 33-jährigen Balver, der sich von einem windigen Kreditvermittler über den Tisch gezogen fühlte. Am Freitag sahen sich beide vor dem Mendener Amtsgericht wieder.

Der Balver war Anfang 2009 auf der Suche nach liquiden Mitteln gewesen, als ihm ein Werbeprospekt eines Unternehmens ins Haus flatterte, das „Schufa-freie Kredite“ versprach. Offenbar ein verlockendes Angebot für den ledigen Arbeiter, der sich davon etwas mehr finanziellen Spielraum erhoffte. Wenig später saß er mit dem 32-jährige Finanzmakler aus Witten an einem Tisch und das Kreditgeschäft ging über die Bühne – nach Angaben des Balvers innerhalb von zehn Minuten. Der Balver unterschrieb mehrere Formulare, offenbar ohne genau zu wissen, welche Verträge er da eigentlich abschloss. „Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe. Aber er hat mir Geld versprochen, und da habe ich eben unterschrieben“, sagte der Balver vor Gericht.

Dass der angeblich fest zugesagte Kredit über 3500 Euro dann doch nicht gewährt wurde, war eine Sache, die das Ganze für den Balver zum Ärgernis machte. Dass er anstelle frischen Geldes dann aber auch noch von verschiedenen Vereinigungen und Versicherungen zur Kasse gebeten wurde, mit denen er – angeblich unwissentlich – Verträge abgeschlossen hatte, kam noch hinzu.

Das Gericht hatte am Freitag die Frage zu klären, ob der angeklagte Finanzberater seinen Kunden vorsätzlich betrogen hatte, indem er die ganze Tragweite des Geschäftes vor ihm verschleiert hatte. Angeblich sollte er wesentliche Teile der Vertragsunterlagen verdeckt haben, als der Balver seine Unterschrift leistete. Dieser Vorwurf, das wurde am Freitag recht schnell klar, war aber nicht aufrecht zu erhalten. Doch hatte er den Kunden auch wirklich über sämtliche Facetten des Kreditgeschäfts aufgeklärt? Oder hatte er seine Arglosigkeit ausgenutzt, um ihn in die Kreditfalle zu locken?

Das ließ sich nicht mit letzter Sicherheit aufklären. Letztlich stellte das Amtsgericht das Verfahren zu Lasten der Landeskasse ein. Nicht nur für Richter Jens-Christian Festersen, auch für Staatsanwalt Dr. Wolfgang Kowalzik blieb ein fader Beigeschmack. „Bei solchen Geschäften stehen sie immer mit einem Fuß vor dem Staatsanwalt“, gab Dr. Kowalzik dem Angeklagten zu verstehen, was er von Kreditvermittlungen dieser Art hält. ▪ vg

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