Mona Uerpmann im Interview

Lehrerausbildung in Pandemie-Zeiten: „Ich erlebe das Referendariat anders“

Unterricht vor der Klasse hat Mona Uerpmann seit Beginn ihres Referendariats nur selten erlebt. Coronabedingt läuft fast alles online ab.
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Unterricht vor der Klasse hat Mona Uerpmann seit Beginn ihres Referendariats nur selten erlebt. Coronabedingt läuft fast alles online ab.

Schüler und Lehrer an der Realschule in Balve sehen sich seit Monaten immer weniger in voller Klassenstärke zum Unterricht in der Schule. Der Grund dafür ist natürlich die Corona-Pandemie.

So werden derzeit nur die Schüler des Abschlussjahrgangs zehn in Präsenzform unterrichtet, während die jüngeren Schuljahrgänge auf Distanz zu Hause beschult werden. Für die rund 420 Schüler und 30 Lehrer ist dies eine Herausforderung. Ganz besonders gilt dies für Mona Uerpmann (27), die als Referendarin in Balve ihre Ausbildung zur Lehrerin macht. Im Interview mit Julius Kolossa spricht sie über ihren Start in den Lehrerberuf in Pandemie-Zeiten.

Frau Uerpmann, warum wollten Sie Lehrerin werden?
Ich hatte als Übungsleiterin beim TuS Neuenrade gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern liegt. Nach meinem Abitur habe ich mich deshalb für das Lehramtsstudium entschlossen, zu dem ein Eignungspraktikum vor dem Studium, aber auch ein Orientierungspraktikum und ein Praxissemester gehören. All dies hat mir sehr gut gefallen, denn ich konnte mit den Kindern über fachliche Inhalte diskutieren.
Warum wollten Sie nach Balve?
Die Realschule Balve war meine Wunschschule. Sie hat einen guten Ruf.
Welche Klassen unterrichten Sie?
Eine 5. und eine 8. Klasse in Biologie sowie eine 7. Klasse in Mathematik. Anfangs wurde ich von Lehrern beim Unterricht begleitet, jetzt unterrichte ich selbstständig. Ich habe aber eine feste Ansprechpartnerin, mit der ich mich über meine Ausbildung austausche, aber auch das gesamte Kollegium steht mir offen gegenüber, sodass ich mich auch bei Videokonferenzen mit anderen Klassen mit einklinken kann.
Wie kommen Sie mit dem Unterricht auf Distanz zurecht?
Es ist spannend. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, keine Planungssicherheit zu haben, wenn ich eine Unterrichtsreihe vorbereite. Bisher hatte ich seit November nur neuneinhalb Wochen Unterricht in der Schule, sonst unterrichtete ich auf Distanz. Diese Art und Weise ist aber nicht schlecht für den Start in den Lehrerberuf, denn man lernt, flexibel zu sein und sich ständig auf neue Situationen einzulassen. An unserer Schule haben wir gute Medienplattformen, auf denen wir unseren Unterricht präsentieren.
Was läuft gut in Ihrem Referendariat?
Ich lernte sehr schnell, digitale Kompetenzen für den Online-Unterricht auszubauen. Das musste ich, als ich im November ins kalte Wasser mitten in die Corona-Pandemie geworfen wurde. Aber daran habe ich mich sehr zügig gewöhnt – diese Pandemie hat nicht nur Nachteile. Ja, ich fühle mich gut aufgehoben in der Realschule.

Zur Person

Mona Uerpmann (27) kommt aus Neuenrade. Sie hat an der Universität Siegen die Fächer Mathematik und Biologie auf Lehramt studiert. Seit dem 1. November absolviert sie an der Städtischen Realschule in Balve ihr Referendariat. Ihre Abschlussprüfung findet im März 2022 statt.

Was läuft nicht so gut?
Die Internetverbindung in den einzelnen Ortsteilen, in denen die Schüler wohnen, ist teilweise sehr schlecht. Außerdem habe ich nur sehr wenige soziale Kontakte während meiner Ausbildung zu den weiteren Lehramtsanwärtern aus meinem Jahrgang, denn die anderen Referendare, die zeitgleich mit mir an anderen Schulen ausgebildet werden, sehe ich auch nur in Videokonferenzen.
Wie ist die Stimmung innerhalb dieser Gruppe?
Alle sind sehr schnell sehr sicher im Umgang mit der jetzigen Situation geworden.
Wie erleben Sie Ihre Schüler?
Auch die haben sich inzwischen an die Situation gewöhnt, sind pünktlich bei den Videokonferenzen dabei und arbeiten auch sonst gut mit bei den Aufgaben, die ich ihnen beispielsweise als Quiz, in Diagrammen und in Textform stelle. Interessant ist, dass ich alle im November in der Schule nur mit Masken kennengelernt habe.
Wie läuft Ihre Ausbildung ab?
Ich hatte bisher vier Unterrichtsbesuche in meinen Fächern, die von meinen Fachleitern am Studienseminar Lüdenscheid bewertet werden. Insgesamt zehn Besuche dieser Art sind vorgesehen. Weil inzwischen aber immer mehr Online-Unterricht stattfindet, muss ich sogenannte digitale Stunden vorbereiten, die ich meinem jeweiligen Fachleiter in einer Videokonferenz präsentiere. Dabei stelle ich auch dar, wie ich diese Unterrichtsstunde für den Präsenzunterricht modifizieren werde. Sonst sind meine Fachleiter bei den Videokonferenzen mit dabei, die ich mit meinen Klassen halte. Insgesamt muss ich sagen: Ich erlebe das Referendariat anders. Eigentlich bevorzuge ich den Präsenzunterricht, in dem ich sofort handeln und reagieren kann. Jetzt muss ich mich weiter von den Corona-Auswirkungen überraschen lassen. Das bedeutet, dass nicht alles planbar ist, ich sehr flexibel sein muss. Mein Fazit: Es ist spannend.
Wie geht es nach dem Referendariat weiter? Eventuell als Lehrerin in Balve?
Über meine weitere berufliche Zukunft habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

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