Lehrer und Eltern werben für Erhalt der Grundschule Langenholthausen

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Über den Zustand des Gebäudes machten sich die Politiker während einer Schulführung ein Bild. ▪

LANGENHOLTHAUSEN ▪ Über die Zukunft der Grundschule Langenholthausen wird in der Ratssitzung Ende Juni entschieden. Bis dahin bleibt den Politiker noch etwas Zeit, ihre Eindrücke aus der Informationsveranstaltung am Mittwochabend in der Aula der Schule in ihren Fraktionen zu besprechen.

Mitglieder aller im Rat vertretenen Parteien waren sich einig, dass an der Schule gute pädagogische Arbeit geleistet werde. Über den Zustand des Gebäudes machten sie sich bei einer Führung ein Bild. Die Gäste bescheinigten der Schule übereinstimmend eine gute bauliche Substanz. Beide Faktoren würden also für den Erhalt der Grundschule sprechen – wenn da nicht die Diskussion über die Schülerzahlprognose wäre.

Lehrerin Gudrun Fabry berichtete: „Die Schülerzahlprognose sagte im Februar 2009 13 Kinder für das jetzige erste Schuljahr voraus, im September 2010 waren es dann 20 Kinder. Jetzt kommen 22. Das sind 70 Prozent mehr als ursprünglich gedacht. In das jetzige zweite Schuljahr gehen neun Prozent mehr Kinder als die Prognose im Februar 2009 vorhergesagt hatte.“ Weiter führte sie aus, dass im Schuljahr 10/11 18 Prozent mehr Kinder die Schule besuchen würden, als im Februar 2009, und fünf Prozent mehr, als im September 2010 prognostiziert: „Im Schuljahr 11/12 werden es nach der letzten vorliegenden Schülerzahlprognose 14 Prozent mehr sein. Diese Tendenz kann man für die weiteren Schuljahre hochrechnen: Dann wären zum Beispiel im Schuljahr 12/13 nicht 85 Kinder an unserer Schule, sondern 97.“

Der gute Ruf der Schule reiche auch in andere Schulbezirke: 22 Mädchen und Jungen, die nicht in Langenholthausen wohnen, seien es zurzeit, so Fabry. Zum Vergleich: 93 Kinder gehen in die vier Klassen. Für die Schüler sind fünf Lehrer, zwei Förderschullehrerinnen, zwei Betreuungskräfte für die Schule von acht bis eins, die Hausmeisterin und die Sekretärin verantwortlich.

Für das nächste Schuljahr seien bisher 23 ABC-Schützen angemeldet worden. Drei oder vier davon sind für den Gemeinsamen Unterricht avisiert. Zurzeit wird dieser von neun Mädchen und Jungen besucht. Förderschullehrerin Antje Schulte wies auf das 1998 eingeführte Konzept hin, mit dem Kinder mit Behinderung oder Förderschwerpunkten gemeinsam mit anderen lernen. Es sei ein Alleinstellungsmerkmal der Schule.

Schulleiter Engelbert Falke zeigte sich immer noch betroffen über die Empfehlung des Schulamts an die Stadtverwaltung, die Schule im Jahr 2012 zu schließen oder sie mit der Grundschule Balve zu verbinden. Er erinnerte, dass seine Schule 2009 zu den besten 50 in NRW gehörte, dass das Kollegium durch Fortbildungen unter anderem in Englisch, ADHS (Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Störung) und Projekten wie der Mini-Phänomenta stets engagiert sei. Falke: „In den Sommerferien hatte ich noch ein Gespräch mit Schulamtsdirektorin Annette Heinz, in dem sie mir versicherte, die Schule sei bis 2015 gesichert.“ Er ist der Meinung, dass die Schulleiterstelle, die nach seiner Pensionierung 2012 neu zu besetzen ist, sofort ausgeschrieben werden muss. „Damit herrscht endlich Klarheit über den Fortbestand.“

Viel Applaus gab es auch für diese Darstellung von den 50 Teilnehmern, die am runden Tisch zusammensaßen, zu dem Förderverein und Schulpflegschaft die Ratsmitglieder eingeladen hatten.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Cay Schmidt hatte sich vom Schulträger, der Stadt, Antworten auf die Schülerzahlprognose erhofft. Die war aber nicht eingeladen – das war aus Sicht der Schulleitung nicht erforderlich. Zudem hätte Schmidt gerne gewusst, was durch die Schließung der Grundschule gespart werden könnte – eine entsprechende Anfrage ging bereits an den Kämmerer, seine Antwort werde bis Mitte Mai erwartet. Etwas Licht ins Dunkel brachte Guido Grote, Vorsitzender der Ortsunion Langenholthausen, der vorrechnete, dass sich die jährlichen Kosten auf etwa 68 860 Euro belaufen würden. Seine Sorge: Wenn die Schließung erst einmal vollzogen sei, dann wäre der Schritt endgültig.

Auch Gabi Rapp, Vorsitzende des Fördervereins, übte Kritik an den Schülerzahlprognosen: „Die Sache ist aber noch nicht akut, sondern eventuell erst 2014. Was hier geschieht, ist nicht nachvollziehbar.“ Auch Alexander Schulte (CDU) stimmte zu, dass eine Entscheidung nicht zu diesem Zeitpunkt erforderlich sei. „Wir müssen gegensteuern, damit hier nicht die Lichter ausgehen“, so Lorenz Schnadt von der UWG. „Langenholthausen hat eine gute Schule, für die die Eltern mit den Füßen abstimmen müssen.“

Die Gastgeber machten deutlich, dass in der Grundschule viele Sponsoren im Laufe der Jahre viel Zeit und Geld investiert haben. Es sei viel bewegt worden und das solle auch so weitergehen. Seitens der Eltern, des Fördervereins, der Schulpflegschaft und der Lehrer wurde bei dem runden Tisch noch einmal alles in die Waagschale geworfen, was für den Erhalt der Schule spricht. Andreas Giesen, Vorsitzender der Schulpflegschaft, sagte nach der Sitzung, dass er hofft, den Entscheidungsträgern den Standpunkt gut vermittelt zu haben.

Die Diskussion geht nun in den Parteien weiter. Beraten wird am 15. Juni in der Schulausschusssitzung, entschieden Ende Juni im Rat der Stadt. ▪ JK

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