Landwirte-Sprecher Fabry: "Haben genügend Futterreserven"

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Thomas Fabry leitet einen landwirtschaftlichen Betrieb in Langenholthausen. Dazu ist der 25-Jährige Sprecher der heimischen Bauern.

Balve - Dieser Sommer hatte es in sich: Während sich Kinder und Familien über Sonnenschein und fast schon Dauertemperaturen jenseits der 30 Grad freuten, stöhnten die Landwirte unter der Hitze und der damit verbundenen Dürre.

Viel zu trocken war es dieses Jahr für Gras, Getreide und Kartoffeln. Jetzt stellt die Bundesregierung 340 Millionen Euro für besonders betroffene Landwirte bereit, die diese Gelder für Hilfsmaßnahmen abrufen können. Wie schlimm die Lage in der Hönnestadt ist, darüber sprach SV-Mitarbeiter Julius Kolossa mit Thomas Fabry (25). 

In der dritten Generation leitet er den heimischen Betrieb in Langenholthausen, wo Schweine gezüchtet werden. Im Landwirtschaftlichen Ortsverband Balve ist Fabry im Vorstand tätig und im Landwirtschaftlichen Kreisverband als Sprecher für die Landwirte im Märkischen Kreis aktiv. 

Was ist aus Sicht der Landwirte das größte Problem dieses Sommers? 

Thomas Fabry: Silage und Heuballen als Grundfutter für die Tiere werden knapp. Dieses Futter sollte aber vor Ort wachsen, denn aus Gewichts- und Platzgründen ist es nicht zu transportieren. 

340 Millionen Euro als Maßnahme der Bundesregierung für betroffene Landwirte – wie viel davon geht an die Betriebe in unserer Region? 

Fabry: Wir kriegen nichts davon ab, weil wir nicht in dieses Raster für dieses Hilfspaket fallen. Die 340 Millionen Euro hören sich erst einmal viel an, werden aber auf alle betroffenen Betriebe verteilt. Und für die, die in Not sind, ist diese Hilfe ein Aufatmen. Aber: Andere Regionen haben weitaus mehr Unterstützung nötig als wir. 

Wo sieht es denn am Schlimmsten aus? 

Fabry: In Norddeutschland. Dort hat die Trockenheit gravierendere Auswirkungen wegen des sandigen Bodens, der die Feuchtigkeit nicht speichern kann. Das Futter dort ist knapp. 

Und im Vergleich dazu bei uns?

Fabry: Das Grundfutter für die Milchviehhalter wird auch hier knapp. In den vergangenen drei Monaten fiel kaum Niederschlag. Als Folge davon ist der Weizen abgestorben und der Ertrag beim Mais lässt zu wünschen übrig. Wir rechnen mit extremen Ernteeinbußen, haben aber immer noch genügend Futterreserven. Mehrere Wochen reichen diese noch aus. 

Im direkten Vergleich mit anderen Sommern, wie ordnen sie 2018 dort ein? 

Fabry: Die Witterung wirkt sich nicht auf jede Pflanze gleich aus. So auf unserem Hof, wo Gerste, Weizen und Mais angebaut werden und das als Sommer- und Wintergetreide. Wer bei der Auswahl an Sorten und Kulturen darauf achtet, der reagiert nachhaltig. Für die Betriebe in unserer Region gilt: Wir müssen uns solide aufstellen, um solche Extreme überstehen zu können – und damit Jahre wie diese uns nicht das Genick brechen. Ich sehe deutlich die Abhängigkeit von der Natur auch in meiner Futterhalle, denn diese ist jetzt nur noch halb so voll wie vor einem Jahr. 

Inwieweit können Sie Aussagen für die nächsten Jahre machen? Wie wird sich alles entwickeln? 

Fabry: Dieser Ausblick ist nicht möglich. Denn es gab immer wieder heiße Sommer. Wie in diesem Jahr, so war es auch 1976. In den vergangenen Jahren hatten wir dafür besonders viel Regen. 2018 reicht nicht aus, um die Zukunft analysieren zu können, denn die nächsten Jahre können sich ganz anders entwickeln, als wir es jetzt vielleicht erwarten.

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