„Wer soll das überleben?“

Läden ab Montag wieder dicht: Balver Händler verärgert

Nur noch in dieser Woche darf Helena Hauerhof im Bekleidungsgeschäft Needful Things Kunden empfangen. Ab Montag darf sich ausschließlich nach Bestellung per Telefon oder über das Internet Ware verkaufen.
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Nur noch in dieser Woche darf Helena Hauerhof im Bekleidungsgeschäft Needful Things Kunden empfangen. Ab Montag darf sich ausschließlich nach Bestellung per Telefon oder über das Internet Ware verkaufen.

Die Balver Einzelhändler müssen ab der nächsten Woche wieder einen Schritt zurück gehen. In der dritten Woche ist es nun möglich, nach den gelockerten Corona-Schutzmaßnahmen nach dem „Click an Meet“-Prinzip wieder in den Länden einzukaufen.

Ab Montag, 29. März, ist damit wegen der landesweit zuletzt rasant steigenden Inzidenzwerte wieder Schluss.

Statt mit Termin einzukaufen, müssen die Kunden wieder draußen bleiben, dürfen vor den Ladentüren lediglich noch abholen, was sie zuvor telefonisch oder per Internet bestellt haben.

Ärger ist groß: Regelung „ohne Sinn und Verstand“

„Das ist ohne Sinn und Verstand“, empörte sich am Dienstag Anke Hülsmeyer, Inhaberin des Modenecks an der Hauptstraße, über die neuerlichen Verschärfungen, die schon in wenigen Tagen in Kraft treten. „Ich hatte nie mehr als drei Kunden in meinem Laden, desinfiziere und sorge für die Einhaltung der Abstände – warum muss ich schließen?“

Auch bei Anke Hülsmeyer im Modeneck bleiben die Türen ab 29. März erneut geschlossen.

So sehen es auch Anna Falke vom Geschäft b+b fashion and living an der Hauptstraße, und Helena Hauerhof, die an der Hauptstraße das Bekleidungsgeschäft Needful Things betreibt. Auf Verständnis stoßen die ab der nächsten Woche geltenden Regelung nicht bei den Geschäftsfrauen. „Es ist überhaupt nicht absehbar, wie lange unsere Kunden uns noch die Treue halten“, sagte Anna Falke verärgert. Sie hält die bisherige Regelung mit Shoppen nach Terminvereinbarung trotz der hohen Corona-Inzidenzwerte im Märkischen Kreis für weiterhin durchführbar. „Denn wir sorgen für die Hygiene und Kontaktreduzierung beim Einkauf, während deutlich mehr Kontakte entstehen, wenn wir wieder die Einkäufe vor die Tür stellen – meiner Chefin Sandra Brand und mir fehlt jegliches Verständnis für die neue Maßnahme.

Die kommenden Wochen dürften schwierig werden

Helena Hauerhof gibt sich kämpferisch: „Wir müssen da durch, werden auch durch diese Phase der Pandemie kommen.“ Sie hofft, dass die verschärften Vorschriften ihre Wirkung zeigen, weiß aber auch, dass es in den kommenden Wochen schwierig werden wird, durchzuhalten. „Aber“, betont sie. „Needful Things soll noch lange in Balve bleiben.“

Anna Falke vom Geschäft b+b fashion and living ist verärgert über die neuerliche Schließung.

Anke Hülsmeyer wird sich derweil wieder auf ein Modeneck einstellen, in dem sie am Telefon und über die sozialen Medien mit ihren Kunden im Kontakt steht und so Ware anbietet. „Corona wird hart – ich habe bisher schon meine Rente in mein Geschäft gesteckt.“ Dabei stellt sie sich die Frage: „Wer soll und kann am Ende als Einzelhändler überleben?“

Vorsitzender der Werbegemeinschaft kritisiert die Politik

Auch Daniel Pütz, Vorsitzender der Balver Werbegemeinschaft, reagierte verärgert auf die neuerliche bevorstehende Schließung. „Es drängt sich die Frage auf, ob die Beschlüsse vom 2. März eigentlich jemals eine Öffnung zum Ziel hatten“, schimpfte Pütz. Denn es setze das ein, was befürchtet wurde: zunächst unkoordinierte Öffnungen ohne Teststrategie, die die dritte Welle befeuerten und die geplanten Öffnungen jetzt wieder in weite Ferne rücken ließen. „Wieder leiden die, die eigentlich viel für den Infektionsschutz getan haben.“ Pütz erinnerte dabei auch an die Gastronomen.

Auch bei seinen weiteren Äußerungen hielt er sich mit Kritik nicht zurück. Es sei schwierig nachzuvollziehen, wie eine Schließung des Einzelhandels helfen könne, die Zahl der Corona-Infizierten zu drücken. „Dass es zu Kundenanstürmen und Hamsterkäufen kommen wird, sollte eigentlich seit dem Lockdown im letzten Jahr bekannt sein“, stellte Daniel Pütz fest. „Eigentlich müsste man entzerren, das heißt breitere Öffnungszeiten anbieten, um die Kontakte zu reduzieren, und nicht zu verdichten.“

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