„Kyrill mit Ansage“: Waldbesitzern drohen massive Schäden durch den Borkenkäfer

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Der Borkenkäfer setzt dem heimischen Wald schwer zu. 

Balve - Was im nächsten Jahr auf die Waldbesitzer zukommt, das ist „Kyrill mit Ansage“. So beschrieb Richard Nikodem jetzt bei einer Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Balve ein Horrorszenario für das kommende Frühjahr.

Der Revierförster meinte allerdings keinen heftigen Sturm, sondern den Borkenkäferbefall. 

„Wir haben schon jetzt vier Generationen von Borkenkäfern und erleben seit 1947 die größte Population, die wir je hatten“, sagte Nikodem. 32 Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft wurde dargelegt, dass die Borkenkäfer bis März 2019 in Nordrhein-Westfalen etwa drei Millionen Festmeter Fichtenholz auf einer Fläche von 8300 Hektar zerstören werden. 

„Das sind ein Drittel aller Fichten im Märkischen Kreis“, veranschaulichte Nikodem die Größenordnung. 

Ideale Bedingungen für den Schädling

Der Schädling Borkenkäfer findet derzeit für ihn ideale Bedingungen vor. Seit 1881, so der Waldexperte, hätte es noch nie einen so warmen Sommer mit so wenigen Regentagen gegeben. Deshalb könnten sich die Käfer auch so exorbitant vermehren. 

Revierförster Richard Nikodem

In diesem Jahr entwickelten sich nacheinander drei Käfergenerationen, die jeweils nach einigen Wochen geschlechtsreif werden. 

So entstand aus einem Borkenkäferpärchen eine Population von bis zu 250 000 neuen Käfern. „Dagegen kommen Ameisenbuntkäfer und Buntspecht als natürliche Fressfeinde nicht mehr an“, sagte Nikodem. 

Sägewerke sind komplett ausgelastet 

Auch die Sägewerke seien voll ausgelastet, hat doch der Borkenkäfer ganz Europa befallen. Nur bedingt möglich sei die Rettung der Fichtenbestände vor Totalausfall und die Rettung des befallenen Holzes in Zeiten besserer Holzpreise, teilte Julia Böning, Fachgebietsleitung Dienstleitung im Regionalforstamt Märkisches Sauerland, mit. 

Hier hakte der Förster wieder ein, der auf die ersten drei Monate des neuen Jahres hinwies, in denen die Käferpopulation in den Griff zu kriegen sei. 

Denn bei Temperaturen zwischen minus zwei und plus fünf Grad Celsius seien die Tiere am wenigsten aktiv. Dann müsse das Frischholz schnell geerntet und entrindet werden. Aber auch der Einsatz von Chemie sei möglich – die Baumschule Wiesemann hätte bereits Bereitschaft gezeigt, aktiv zu werden, wenn dies gewünscht sei, sagte Nikodem. 

"Blaue Lagune" als Nasslagerplatz?

Problematisch sei der Transport des Holzes zu Nass- oder Trockenlagerplätzen, weil die Kapazitäten in der Region begrenzt seien. Doch der Revierförster steht in Gesprächen mit der Rheinkalk, die „Blaue Lagune“, ein See im Eisborner Steinbruch, nutzen zu dürfen.

 Mit einer Größe von 1,5 Hektar und einer Tiefe von bis zu 60 Metern sei der See ideal als Nasslager. In einem solchen wird dem Borkenkäfer keine Möglichkeit zur weiteren Vermehrung gegeben. Auch der Bahnhof Binolen zur Holzverladung sei im Gespräch, aber, so Nikodem: „Das ist nur eine Option. Wann diese genutzt werden kann, ist fraglich.“ 

Pragmatisch sieht Norbert Tennhoff, Vorgänger von Nikodem und jetzt im Landesbetrieb Wald und Holz für Waldbau und Forstvermehrung zuständig, den Borkenkäferbefall: „Die Natur kennt keinen Schaden. Extremen finanziellen Schaden haben dagegen die Waldbesitzer.“ 

Für diese mache eventuell ein Baumartenwechsel einen Sinn, denn: „Stürme und solche heißen Temperaturen wie in diesem Sommer werden zu den Dauerphänomen der nächsten Jahre gehören.“

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