Krombacher droht mit 250.000 Euro Geldbuße

Den Balver Schützen schmeckt das Bier nicht mehr. Seit über 100 Jahren wird in Balve Iserlohner getrunken. - Foto: Kolossa

BALVE -  Den Balver Schützen schmeckt das Bier nicht mehr, die Krombacher Brauerei als Eigentümer der Iserlohner Gastro GmbH pocht aber auf Einhaltung des bestehenden Bierliefervertrags bis Ende nächsten Jahres. Sie hat der Schützenbruderschaft St. Sebastian daher jetzt mit einer Geldbuße in Höhe von 250 000 Euro gedroht, sollte von den Schützen bei den Festivitäten in der Balver Höhle ein anderes Bier als Iserlohner ausgeschenkt werden.

Von Simone Benninghaus

Seit über 100 Jahren wird in Balve Iserlohner getrunken. Im vergangenen Jahr gab es dann aber Kritik am Geschmack des Gebräus aus Iserlohn. „Je nach Fass schmeckte das Bier unterschiedlich. Manchmal war es fad, manchmal schmeckte es nach Weizen“, beanstandete Martin Terbrüggen, Geschäftsführer der mehr als 1600 Mitglieder zählenden Schützenbruderschaft. Am 1. Oktober erteilten die Schützen dem Lieferanten eine Mängelrüge. Zum Ende des vergangenen Jahres wurde der Vertrag dann von den St. Sebastian-Schützen gekündigt. Während der Jahreshauptversammlung im Januar entschieden die Schützen dann in geheimer Wahl mehrheitlich, dass künftig Veltins beim Balver Fest ausgeschenkt werden soll und entfachten damit das Gefecht um das Gebräu. Aus Sicht der Krombacher Brauerei ist das unmöglich – jedenfalls solange der Vertrag zwischen den Schützen und der Iserlohner Gastro GmbH & Co. KG noch läuft. Auf den Vorschlag der Schützen, bis dahin auf Krombacher umzusteigen, habe man sich in Kreuztal nicht eingelassen, berichtete Martin Terbrüggen gegenüber unserer Zeitung.

Der Bierlieferant erwirkte jetzt beim Landgericht Arnsberg eine Einstweilige Verfügung. Lässt die Bruderschaft eine andere Biermarke ausschenken, droht nun die Zahlung einer Konventionalstrafe in Höhe von 250 000 Euro. Darüber hinaus erhielten die Schützen aus Balve eine Klageschrift.

„Man will mit uns ein Exempel statuieren“, sagte Martin Terbrüggen zu den Auseinandersetzungen und kündigte an, dass die Schützen Zeugen benennen werden, die Aussagen zur Qualität des Biers machen sollen.

In Kreuztal sorgt die Kritik der Balver Schützen dagegen für Unverständnis. Man bedauere es außerordentlich, dass die vertragliche Vereinbarung nicht eingehalten werde, nachdem die Iserlohner Brauerei über Jahrzehnte ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zur Balver Schützenbruderschaft gepflegt habe, bezog der Pressesprecher der Brauerei Dr. Franz Weihrauch gegenüber unserer Zeitung Stellung. Die mangelnde Produktqualität könne die Iserlohner Brauerei nicht nachvollziehen. „Das renommierte Fresenius-Institut wurde mit Untersuchungen der beanstandeten Produktcharge beauftragt, die nachweisen, dass die Produkte der Iserlohner Brauerei einwandfrei sind und die Kritik der Balver Schützen keinerlei Grundlage hat“, sagte Weihrauch. Die Iserlohner Gastro wolle die Belieferung der Balver Schützen bis zum fristgemäßen Auslaufen des Vetrages erfüllen. „Da es bisher keinen einzigen Verein gegeben hat, der rechtsgültige Verträge auf diese Weise brechen will, kann sich die Iserlohner Gastro GmbH leider nur auf dem gerichtlichen Wege wehren,“ heißt es aus Kreuztal. Natürlich, so betonte Weihrauch, stehe man jederzeit für Gespräche zur Verfügung, um einen guten Ablauf der Schützenveranstaltungen in Balve über 2014 hinaus sicherzustellen. Die Entscheidung, dass die Schützen den Vertrag nicht verlängern wollen, werde akzeptiert, dabei handele es sich um einen normalen Vorgang in einer Marktwirtschaft. „Bis dahin besteht aber ein gemeinsamer Vertrag.“

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