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Kriegsflüchtlinge ziehen in Hauptschule am Krumpaul

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Von: Julius Kolossa

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Das Gebäude der ehemaligen Hauptschule am Krumpaul steht größtenteils leer. Jetzt wird der Sonderklassentrakt umgebaut zu einer Flüchtlingsunterkunft.
Das Gebäude der ehemaligen Hauptschule am Krumpaul steht größtenteils leer. Jetzt wird der Sonderklassentrakt umgebaut zu einer Flüchtlingsunterkunft. © Kolossa, Julius

Schnell nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine wurde diese Option in Balve diskutiert, jetzt wird sie in die Tat umgesetzt: Kriegsflüchtlinge sollen im derzeit größtenteils leer stehenden Hauptschulgebäude untergebracht werden. Zuvor wird der Komplex aber umgebaut.

„Wir als Stadt haben uns nun zu diesem Schritt entschieden, weil die privaten Kapazitäten der Unterbringung ausgeschöpft sind. Die Balver sind zuletzt auch sehr zurückhaltend geworden, entsprechende Wohnungen zu melden. Deshalb werden wir aktiv und lassen den Sonderklassentrakt zur Flüchtlingsunterkunft umbauen“, bestätigte Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auf Nachfrage der Redaktion.

Die bisher hier bestehenden naturwissenschaftlichen Räume seien bereits leer gezogen, das Mobiliar, soweit Interesse bestand, an andere Schulen verteilt oder aber entsorgt worden. „So kann ein leer stehendes Gebäude wird genutzt werden. Und dies ab Ende August oder Anfang September von bis zu 50 Personen aus der Ukraine.“ Bislang sind 113 ukrainische Kriegsflüchtlinge in der Hönnestadt registriert, doch diese Zahl – das ist sich Michael Bathe sicher – wird weiter steigen. „Die nächsten Zuweisungen von der Bezirksregierung werden kommen.“

Stadt investiert hohen fünfstelligen Betrag

Weil die Flüchtlingsunterkünfte in der Helle und in Beckum bereits belegt seien, werde die Stadt nun am Krumpaul aktiv. „Die Küche im Sonderklassentrakt bleibt bestehen, während die Klassenräume zu den Unterkünften werden. Außerdem werde Sanitärräume installiert und ein Gemeinschaftsraum sowie ein Treffpunkt für die Bewohner eingerichtete. Insgesamt geben wir für die Arbeiten einen hohen fünfstelligen Betrag aus. Allein der Einbau einer Brandmeldeanlage kostet mehr als 20 000 Euro“, sagte Michael Bathe.

Der Deutschunterricht für Flüchtlinge soll demnächst in das alte Lehrerzimmer sowie das Rektorzimmer im Verwaltungstrakt verlegt werden. So stünden bessere Räume als im bisher dafür genutzten Obergeschoss des Klassentraktes zur Verfügung. Nicht betroffen von den Umbauarbeiten ist laut Michael Bathe das städtische Corona-Impf- und -Testzentrum im Hauptschulgebäude. „Es bleibt an selber Stelle erhalten“, so Bathe. Mit der geplanten Teilnutzung des Hauptschulgebäudes als Flüchtlingsunterkunft bleibe die Stadt bei weiteren Zuweisungen handlungsfähig. Insgesamt leben in Balve derzeit 351 Flüchtlinge, darunter neben den Ukrainern auch viele Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Die letzten Schüler haben die ausgelaufene Balver Hauptschule mit Beginn der Sommerferien verlassen. Mittelfristig soll das Gebäude abgerissen werden, um Platz für das neue „Quartier an der Hönne“ zu schaffen. Entstehen soll nach dem Entwurf des Siegener Architekturbüros Loth ein Bildungscampus mit Kindertagesstätte, Bürgerhaus mit Bühne, zweigeschossigem Saal, Mensa und Foyer sowie im oberen Bereich Räumen für die Volkshochschule. Die Detailplanungen laufen allerdings noch. Anträge für mögliche Fördergelder wurden bei der Bezirksregierung Arnsberg noch nicht eingereicht, so dass die Realisierung des Hönne-Quartiers durch die Unterbringung der Flüchtlinge in der Hauptschule zunächst nicht verzögert wird.

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