Bürger sollen handeln

Krebserregendes Radon: In dieser Stadt im MK sind die Messwerte deutlich erhöht

Nach umfangreichen Messungen wurde in Teilen von Balve eine erhöhte Radonkonzentration festgestellt.
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Nach umfangreichen Messungen wurde in Teilen von Balve eine erhöhte Radonkonzentration festgestellt.

Man kann das Edelgas Radon weder sehen noch riechen oder schmecken. Das radioaktive Element steckt in vielen Böden. Durch Risse im Fundament kann es sich im ganzen Haus verteilen und bei dauerhaftem Einatmen zur Gefahr für die Gesundheit werden.

Es ist die zweithäufigste Ursache für die Entstehung von Lungenkrebs. Auch andere Tumore können die Folge sein.

Balve gehört mit Arnsberg und Sundern zu den drei Städten in Nordrhein-Westfalen, in denen die höchsten Radonmesswerte registriert wurden. Darüber informierten am Donnerstag Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU), das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) und die Zentralen Radonstelle NRW am Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw).

Das Gas tritt aus Tonschichten aus

„Radon tritt aus Tonschichten aus, und zwar aus Tonstein in den Ortsteilen Mellen und Langenholthausen – nicht aber aus dem Kalk in Eisborn“, sagte Bürgermeister Mühling. Auf Anfrage der Redaktion bestätigte auch das MAGS: „Ein Gestein, das verstärkt Radon freisetzt, kommt im äußersten Osten von Balve vor, bei Mellen, Dickenbruch, Kesberg.“ Das sage aber noch nichts über die Radonkonzentrationen in Häusern aus. „Es ist nicht möglich vom Radongehalt im Boden auf den Radongehalt im Haus zu schließen“, so das MAGS. Nach Auswertung der Messungen besteht aber die Möglichkeit, dass in mehr als zehn Prozent der Gebäude der Referenzwert überschritten wird.

Radon entsteht auf natürliche Weise im Boden

Radon ist ein radioaktives Edelgas, es entsteht auf natürliche Weise im Boden und kommt in der Umgebungsluft vor. Sammelt sich das Gas in Räumen an, kann das zu einem Gesundheitsrisiko werden. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat in einem sogenannten Radonmaßnahmenplan den Bundesländern die zu ergreifenden Maßnahmen zum Schutz vor Radon vorgeschrieben. In Nordrhein-Westfalen liegt die Federführung für die Umsetzung dieser Maßnahmen beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, welches durch die Zentrale Radonstelle NRW am Landesinstitut für Arbeitsgestaltung unterstützt wird. Die Ergebnisse zahlreicher Radonmessungen und geologischer Untersuchungen wurden durch das Bundesamt für Strahlenschutz in einem Rechenmodell zusammengefasst, der Radon-Prognose. Laut dieser Prognose besteht nur für die drei Nachbarstädte Arnsberg, Balve und Sundern die Möglichkeit einer Referenzwertüberschreitung in mehr als zehn Prozent der Gebäude. Denn in dieser Region sind die erhöhten Radonwerte auf das Vorkommen von Tonstein zurückzuführen. Das Gestein tritt aber nur stellenweise an der Erdoberfläche auf. Deshalb sind auch Balve, Sundern und Arnsberg offiziell keine Radonvorsorgegebiete. Zu einem solchen wird eine Kommune erst, wenn der gesetzliche Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft auf mindestens 75 Prozent der Gemeindefläche erreicht wird. Dieses Kriterium ist an keinem Ort im Land erfüllt.

Mühling verwies darauf, dass entsprechende Messungen in den vergangenen zwei Jahren im Stadtgebiet vorgenommen wurden. „Daraus kamen die jetzigen Werte zustande, die Anlass für weitere Prüfungen geben.“ Er rief dazu auf, nicht in Panik zu verfallen, sondern Ruhe zu bewahren: „Es besteht kein Anlass zur Sorge, weil Radon seit Jahr und Tag in der Natur vorkommt.“ Mühling verweist auf eine aktuell „dürftige Datenlage“, der auf den Grund zu gehen sei: „Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.“

Balver sollen sich an Messungen beteiligen

Der Bürgermeister rief deshalb die Einwohner Mellens und Langenholthausens, aber auch aus den anderen Ortsteilen und der Kernstadt dazu auf, sich an kostenlosen Radon-Messungen zu beteiligen. Denn um die Radon-Situation vor Ort präziser beurteilen zu können, werden Innenraummessungen benötigt. Hierzu bietet das MAGS unter www.radon.nrw.de/messprogramme die Möglichkeit, sich zwei kleine Messgeräte schicken zu lassen, die ein Jahr aufzustellen sind. Nach diesem Jahr werden die Geräte zurück an die Zentrale Radonstelle des Landes geschickt; einige Wochen später werden die Messergebnisse mitgeteilt. „Nehmen Sie dieses Angebot an“, appellierte Mühling an die Balver. Nur durch zahlreiche Messungen sei es möglich zu qualifizieren, wo genau Radon-Bereiche mit hoher Konzentration sind.

Die Lunge ist betroffen

Radon kann sich gesundheitsgefährdend auswirken, wenn es sich in schlecht belüfteten Räumen ansammelt und über Jahre oder Jahrzehnte hinweg eingeatmet wird. Während das Radon zum größten Teil wieder ausgeatmet wird, können seine Zerfallsprodukte – an kleine Staubteilchen angelagert – im Atemtrakt verbleiben und hier ihre schädliche Wirkung entfalten. Sie zerfallen mit der Zeit und setzen dabei energiereiche Strahlung frei. Wenn dieser Zerfallsprozess in der menschlichen Lunge stattfindet, können die sehr empfindlichen Zellen der Bronchien durch die Strahlung geschädigt werden. Damit erhöht sich das Risiko für die Entstehung einer Lungenkrebserkrankung. Insgesamt betrachtet wird das Vorkommen von Radon in Häusern heute nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Bevölkerung angesehen. Zudem gibt deutliche Hinweise, dass das Lungenkrebsrisiko von Rauchern bei gleichzeitiger Radonexposition besonders hoch ist.

Wird der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft in Räumen überschritten, sollten Maßnahmen ergriffen werden. Kurzfristig könne laut MAGS der Radongehalt in der Raumluft schon durch Lüften gesenkt werden. „Dauerhaft können auch weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel das Abdichten von Fugen im Keller sehr einfach aber effektiv das Eintreten von Radon in das Haus reduzieren“, hieß es auf Anfrage aus der Pressestelle des Ministeriums.

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