Kräuterwissen für die nächste Generation

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Die katholischen Frauen aus Eisborn waren jetzt mit Kindern des Dorfes unterwegs, um ihnen ihre Kräuterkenntnisse zu vermitteln. ▪

EISBORN ▪ Bei kleineren Erkrankungen wählt der moderne Mensch oft den Weg in die Apotheke, um sich den Tee gegen die Erkältung zu holen oder die Salbe gegen den blauen Fleck zu holen – dabei hält auch die Natur vor der Haustür Mittel gegen viele Krankheiten bereit. Doch wer weiß schon um die zahlreichen Heilkräuter an den Wegrändern und deren Anwendung?

Das Wissen um die Wirksamkeit von Kräutern und Gräsern gerät immer mehr in Vergessenheit. Das hat auch die Katholische Frauengemeinschaft in Eisborn gemerkt und bietet bereits seit ein paar Jahren eine Kräuterwanderung für Familien an.

Jetzt zogen Frauen und Kinder – Männer waren nicht dabei – wieder in den Wald, um die heilsamen Gewächse zu sammeln. „Wir möchten unser Wissen an die nächste Generation weitergeben“, berichtet Rita Sprenger, „und deshalb sollen Kinder mitkommen“.

Dass die Kräuter ausgerechnet Mitte August gesammelt werden, hat auch eine religiöse Bedeutung. „Am 15. August ist Mariä Himmelfahrt“, berichtet Regina Schulte-Horst und erinnert an die biblische Erzählung: „Als Maria damals aus dem Grab aufstieg, hat es nach Kräutern geduftet.“ Daher sammeln die Frauen und Kinder in der Zeit um dem 15. August die wilden Kräuter und binden sie zu kleinen Sträußen zusammen. Den Mittelpunkt des Straußes bildet die Königskerze mit ihren gelben Blütenblättern. Diese Kräuter sind auch eine Art Winterapotheke und werden später kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Zuvor werden sie allerdings in der Kirche gesegnet und dann an die Gläubigen verteilt. In diesem Jahr wird das erst am 22. August sein, da vorher in Eisborn kein Gottesdienst stattfinden wird.

Doch um die richtigen Kräuter und Pflanzen sammeln zu können, bedarf es des naturkundlichen Wissens. Denn Kamille, Ringelblume, Johanniskraut, Schafgarbe, Ackerminze oder Taubnessel lassen sich natürlich nur finden, wenn man sie auch kennt. „Was ist den das für eine Pflanze“, fragt deshalb auch eines der noch nicht so kundigen Kinder. Die Antwort kam prompt: „Das ist die wilde Möhre“, klärte Regina Schulte-Horst auf. „Wenn sie ihre Blüten verloren hat, bildet sich der Kopf der Pflanze wie ein kleines Nest“, erläuterte sie den Kindern.

Die Mädchen und Jungen fanden es spannend, durch die Natur zu stöbern und die Heilpflanzen vor der Haustür kennen zu lernen. Wenn sie dann auch noch sehen, dass man daraus Salben und Tees herstellen kann, kann sich das Wissen um die Bedeutung auch festsetzen. ▪ paul

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