Lhoist-Lehrwerkstatt im Hönnetal

Kooperation bei der Ausbildung als Erfolgsmodell

So wird richtig gefräst: Ausbilder Stephan Szyszka (Mitte) gibt den Azubis Maximilian Baus (links) und Christian Padberg Nachhilfe an der Maschine.
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So wird richtig gefräst: Ausbilder Stephan Szyszka (Mitte) gibt den Azubis Maximilian Baus (links) und Christian Padberg Nachhilfe an der Maschine.

Steffen Danne schneidet einer auf Maß gefeilten und gefrästen Metallplatte ein Gewinde. Ausbilder Stephan Szyszka schaut dem Azubi im zweiten Lehrjahr in der Kooperationslehrwerkstatt im Lhoist-Werk Hönnetal in Oberrödinghausen genau zu – allerdings auf Abstand.

„Wir müssen die Abstände jederzeit einhalten“, erklärt Szyszka mit Verweis auf die Corona-Pandemie.

Der 56-jährige Volkringhausener bildet seit 1998 für den Kalkproduzenten Lhoist in den metallverarbeitenden Berufen aus. „Angefangen habe ich 1982 selbst als Auszubildender.“ Damals hieß sein Beruf noch Betriebsschlosser, heute Industriemechaniker. Nach seiner Lehre ließ er sich zum Meister schulen, um selbst ausbilden zu können. Er ist geschult darin, bei Jugendlichen Potenzial für metallverarbeitende Berufe zu erkennen, die zunächst ein Praktikum absolvieren wollen.

Kapazitäten wieder voll ausgelastet

„Coronabedingt können wir seit August aber keine Praktika mehr anbieten“, sagt Szyszka. Damit fällt dem Unternehmen ein wichtiges Werkzeug weg, um Auszubildende zu gewinnen. „Denn inzwischen bewerben sich die Firmen bei den Jugendlichen um einen Ausbildungsplatz“, fasst er den Ausbildungsmarkt zusammen. Sein Arbeitsplatz ist die Lhoist-eigene Lehrwerkstatt, die seit etwa 15 Jahren in Kooperation mit zehn weiteren Unternehmen betrieben wird. Hiermit kann einerseits Lhoist die Kapazität an den Maschinen und Werkbänken wieder voll auslasten, andererseits wird anderen Unternehmen die Möglichkeit geboten, durch Zusammenarbeit einen qualifizierten Ausbildungsplatz zu sichern.

Inzwischen wurden 250 junge Leute hier als Elektroniker oder Schlosser ausgebildet. Im vergangenen Jahr schlossen von den 15 besten Schlossern im Großraum Hagen zehn Jugendliche ihre Ausbildung in der „Kooperationswerkstatt“ ab. Auch zwei Elektroniker, die es in die Liste der besten Auszubildenden geschafft haben, lernten hier. „Corona sorgt jetzt für viele Veränderungen“, erzählt Stephan Szyszka. „Die Vorschriften haben wesentliche Auswirkungen auf die Organisation der Ausbildung.“

Corona: Gearbeitet wird nur in kleinen Gruppen

Nur noch in kleineren Gruppen darf gearbeitet werden, dabei muss der Mindestabstand eingehalten und Schutzmaske getragen werden. Werkleiter Stefan Flügge sagt: „Ganz wichtig ist die Aufklärung über Hygiene. Bei Bedarf bieten wir auch Schnelltestes auf Corona an.“ Die bisherigen Tests hätten aber alle ein coronafreies Ergebnis vorweisen können. Genaue Zahlen nennt der Werkleiter auf Nachfrage nicht, sagt aber, dass bislang lediglich eine Handvoll Auszubildende getestet worden sei. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, so Flügge.

Er ist stolz darauf, junge Menschen ausbilden zu können, die anschließend als Facharbeiter in der Region für die Region einen Beitrag leisten können. „Und deshalb bin ich auch ebenso stolz auf unsere Werkstatt.“ Zurzeit finden Abschlussprüfungen für 22 Auszubildende nach ihren dreieinhalb Lehrjahren statt; zwei neue Azubis im Elektro- , sowie im Metallbereich sind bereits eingestellt.

Jugendliche können sich jetzt online informieren

„Es bewerben sich auch viele Balver“, weiß Stephan Szyszka, auf dessen Schreibtisch die Bewerbungsmappen landen. „Eigentlich bin ich immer dankbar dafür, wenn vorab ein Praktikum abgeleistet wurde.“ Ob von der Schule angeordnet, oder auf eigene Initiative für zwei oder drei Wochen – es gäbe keinen besseren Weg, als sich für einen Beruf zu entscheiden oder aber auch nicht zu entscheiden.

Seit einigen Wochen hat Lhoist aber eine andere Richtung der Kontaktaufnahme eingeschlagen: auf der Internetseite des Unternehmens (www.lhoist.com) gibt es nun ein Formular, mit dem sich Jugendliche über den Konzern informieren können. Es wird an digitalen Möglichkeiten genutzt, was vorhanden ist, um auf dem „Bewerbermarkt“ mithalten zu können. So haben die Auszubildenden auch ein Video gedreht, mit dem sie ihren Betrieb vorstellen.

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