Unternehmen zeigt sich "überrascht"

Kampf gegen Steinbrucherweiterung: Eisborner lehnen Runden Tisch ab

+
Der Lhoist-Steinbruch Asbeck soll um bis zu 86 Hektar erweitert werden. Gegen die Pläne des Unternehmens regt sich massiver Widerstand unter den Bürgern in Eisborn.

Eisborn – Der erste Runde Tisch im März war zugleich auch der letzte: Im Kampf gegen die geplante Erweiterung des Lhoist-Steinbruchs um 86 Hektar in Richtung Eisborn setzen die Initiative „Bürger gegen die Steinbrucherweiterung Eisborn/Asbeck“ und die Eisborner nicht länger auf eine Mediation.

Um den Standort Hönnetal für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, möchte Lhoist den Kalksteinbruch massiv erweitern, um nach Angaben des Unternehmens die Versorgung der Wirtschaft mit hochwertigem Kalkstein vom Hönnetal aus weiterhin gewährleisten zu können. 

Gegen dieses Vorhaben leisten die Eisborner massiven Widerstand, weil sie weitere Beeinträchtigungen durch Lärm und Staub befürchten. 

Verhärtete Fronten sollten aufgebrochen werden

Um diese verhärteten Fronten aufzubrechen, fand auf Initiative des Unternehmens Mitte März ein Runder Tisch mit Vertretern des Unternehmens, der Bürgerinitiative, des Eisborner Forums und den unparteilichen Mediatoren Dr. Sellke und Prof. Fritz von der Firma adribo statt. Nachdem Lhoist noch im Mai bekräftigt hatte, diese Form der Treffen unbedingt fortsetzen zu wollen, erteilten die Eisborner dem eingeleiteten Annäherungsprozess in dieser Art und Weise jetzt eine klare Absage. „Wie uns vom Eisborner Forum mitgeteilt wurde, möchte das Forum direkte Gespräche mit der Firma Lhoist ohne Mediatoren durchführen, hat den Dialogtisch somit abgesagt“, teilten die Mediatoren mit. 

Für Lhoist kam die Absage des Runden Tisches „überraschend“. Werkleiter Zacharias Grote sagte auf Anfrage: „Wir bedauern diese Entscheidung. Nach wie vor halten wir das Angebot eines Runden Tisches mit einem neutralen Mediator für einen guten Weg.“ Das Unternehmen bliebe nach wie vor offen und gesprächsbereit, „wenn faire Dialogkriterien eingehalten werden“. Ergänzend dazu würde als Anlaufstelle für Fragen zum geplanten Erweiterungsvorhaben sowie Informationen rund um das Unternehmen nach den Sommerferien ein „Lhoist-Nachbarschaftsbüro“ eröffnet. Mit dem Runden Tisch habe man eine Dialogplattform ins Leben rufen wollen, die „durch erfahrene Mediatoren und Konfliktmanager geleitet wird“. 

Ressourcen reichen noch zehn Jahre

Aktuell reichten die Kalk-Ressourcen am Standort Hönnetal, für die ein Abbau genehmigt ist, für noch etwa zehn Jahre. „Das reicht nicht aus, um die heimische Wirtschaft nachhaltig mit dem wertvollen Rohstoff Kalkstein zu versorgen. Lhoist Germany plant daher, den Kalkstein-Abbau am Standort Hönnetal zu erweitern“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. 

Die BGS Eisborn habe sich bereits im Mai 2019 auf Anfrage des Konzerns Lhoist grundsätzlich gesprächsbereit erklärt, sagte Michael Hirt, Vorsitzender der Bürgerinitiative. „Dies haben wir aber abhängig gemacht von der vorherigen Übersendung von schriftlichen Informationen des Konzerns. Eine vollständige Übergabe dieser Informationen ist bisher nicht erfolgt, sodass ein Gespräch auf ,Augenhöhe’ nicht durchgeführt werden konnte“, so Hirt. 

Eine "medial strategische Maßnahme"?

Das von Lhoist vorgeschlagene Mediationsverfahren habe man nun abgelehnt, weil es „offensichtlich als medial strategische Maßnahme der Unternehmensgruppe durchgeführt werden sollte, um Widerstände gegen die Standorterweiterung politisch und medial einzufangen“, sagte Hirt. Typisch für ein solches Verfahren sei es, dass der Mediator durch das Unternehmen benannt und auch bezahlt werde, was „natürlich ein Schlaglicht auf die Verfahrensstruktur wirft“. Die BGS habe deshalb dem Bürgerforum Eisborn als Interessenvertretung der Dorfbewohner geraten, dieses Mediationsverfahren abzulehnen, stattdessen jedoch gemeinsam mit der Bürgerinitiative das direkte Gespräch mit Lhoist zu führen. „Wir stehen voll und ganz hinter diesen Standpunkten der BGS“, sagte Jens Timmermann, Sprecher des Forums, auf Anfrage der Redaktion. 

Sollte es zu der Steinbrucherweiterung kommen, fürchten die Eisborner weiter zunehmende Umwelt- und Lärmbelastungen. „Neben der Lärmbelästigung, den Erschütterungen, die zu immer mehr Rissen in den Häusern führen, ist insbesondere die unerträgliche Staubbelästigung zu nennen. Der Staub enthält nachweislich toxische Stoffe, die grundsätzlich gesundheitsgefährdend sind. Vollständige Messergebnisse liegen uns bis heute nicht vor. Ständig werden unsere Häuser, Gärten und Fahrzeuge durch die Staubwolken verdreckt. Terrassen, der Hausputz und Photovoltaik-Anlagen werden regelmäßig durch eine dicke Staubschicht überzogen“, heißt es in der Mitteilung der Bürgerinitiative. Der Konzern könne oder wolle nichts dagegen unternehmen. Die vom Konzern zugesagten Entlastungen seien bisher nichts als leere Versprechungen. 

Widerstand aus der Bevölkerung

„Die Bevölkerung ist nicht bereit, diese gesundheitliche Gefährdung, den Verlust der Heimat, die Zerstörung der Landschaft und die sonstigen unerträglichen Beeinträchtigungen kampflos hinzunehmen, sagte BGS-Vorsitzender Hirt. Durch die 86-Hektar-Erweiterung würden sieben gesetzlich geschützte Biotope, FFH-würdige Flächen und europaweit seltene Tier- und Pflanzenarten vernichtet. 

Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv) habe den Bereich Beil, der im geplanten Erweiterungsgebiet liegt, unter anderem im Biotop-Verbund mit dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) Hönnetal als Fläche mit herausragender beziehungsweise besonderer Bedeutung „amtlich“ festgestellt.“ 

Landschaftsbild bald für immer verloren?

Für den BGS-Vorsitzenden Michael Hirt steht deshalb fest: „Mit den geplanten Erweiterungen bis Beckum würden wir unsere Heimat und das einmalige Landschaftsbild des Hönnetals für immer verlieren.“

Mehr zur geplanten Steinbrucherweiterung und dem Widerstand der Eisborner lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare