Zu kalt und zu windig

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Professor Dr. Reiner Feldmann führt mehr als 40 Interessierte durch den Balver Wald. Auf dem Foto zeigt der Fachmann der Gruppe blühende Windröschen.

BALVE ▪ Die Augen suchen aufmerksam im Grün entlang des Wegrands, die Ohren sind „gespitzt“ und „empfangsbereit“ für Vogelstimmen.

Eine Exkursion der besonderen Art unternahm am Montagabend das Kolpingforum Balve unter der Leitung von Professor Dr. Reiner Feldmann.

Der Mendener Biologe führte mehr als 40 Kolpingsmitglieder durch den Wald im Bereich Binolen, wies auf charakteristische Gewächse und Vogelgesang hin. „So gut das bei dem Wetter möglich ist“, räumte Feldmann ein. Aufgrund der Trockenheit und noch recht kühlen Temperaturen seien einige Pflanzen noch sehr zurückhaltend im Wachstum. Dennoch gibt es einen Vorteil: „Was jetzt schon blüht, blüht länger“, weiß Feldmann und meint damit in erster Linie Tulpen oder Sternmagnolien, die in den heimischen Gärten für die ersten Farbtupfer nach den Wintermonaten sorgen.

Und auch der Wald erwacht langsam wieder zum Leben. „Im Bereich Balve gibt es aufgrund der Kalkflora ein riesiges Angebot an Farnarten“, berichtete der Biologe. Etwa ein Dutzend, schätzt er. Zu den heimischen Arten gehören beispielsweise die Hirschzunge, der dornige Schildfarn oder der kleine Mauerfarn. Viele Arten stehen zwar noch nicht in ihrer Blüte, doch die Überbleibsel aus dem vergangenen Frühjahr lassen erahnen, wie sich die noch kleinen Pflanzen im Laufe des Jahres entwickeln werden.

Während ihres etwa zweistündigen Marschs durch den Wald entdeckte die Gruppe des weiteren Milzkraut und gelbe Windröschen. „Sie sind mit den Buschwindröschen verwandt“, so Feldmann. Auch Bärlauch sprießt bereits aus dem noch kalten Boden. „Auch wenn er noch nicht blüht, er riecht bereits heftig. Die weiße Blüte kommt erst im Mai“, so der Fachmann.

Ein „Vogelkonzert“ konnten die Wanderer am Montag nicht genießen, „doch das ist gerade für Ungeübte besser, um die einzelnen Stimmen herauszuhören“, weiß Feldmann. Die Vögel seien, wie die Pflanzen, in diesem Frühjahr etwas zurückhaltend. Es sei zu kalt und zu windig. „Da sind die Vögel uns Menschen ähnlich“, zog der Referent schmunzelnd einen Vergleich. Doch im Lauf des Marsches legte sich der Wind, und der Vogelgesang der Frühjahrssänger wurde, wie vorhergesagt, lauter. Die Singdrossel begleitete die Gruppe während der gesamten Exkursion. Mit den Tipps des Fachmanns gelang es auch, den Gesang von Rotkehlchen, Buchfinken, Meisen und Amseln voneinander zu unterscheiden.

Zum Abschluss führte Feldmann seine Zuhörer in die Feldhofhöhle, die zwischen Binolen und Burg Klusenstein liegt. „Das ist kein kleines Schlupfloch“, ließ der Biologe wissen. Hier beziehen Fledermäuse Jahr für Jahr ihr Winterquartier. „Jetzt sind sie aber schon wieder ausgezogen.“ ▪ sr

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