Kaiserliches Postamt im Rennen um Preis für Denkmalpflege

In Abstimmung mit der Stadt und dem Amt für Denkmalpflege wurde das ehemalige kaiserliche Postamt umgebaut.

BALVE ▪ Zum zweiten Mal stiftet das Bauministerium NRW den mit 7 000 Euro dotierten Westfälisch-Lippischen Preis für Denkmalpflege, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) organisiert. 89 Bewerbungen sind eingegangen, eine davon aus Balve.

„Die hohe Zahl von 89 Bewerbungen um den öffentlich finanzierten Preis ist bemerkenswert und zeigt das große persönliche Engagement vieler Bürger“, unterstreicht Dr. Birgitta Ringbeck vom NRW-Bauministerium. Aus vielen Kreisen und der Mehrzahl der kreisfreien Städte sind Bewerbungen bei der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen eingegangen. Die Palette der eingereichten Denkmäler reicht von öffentlich zugänglichen Schlössern mit Parkanlagen bis zu privaten Wohnhäusern. Fabrikgebäude mit technischen Anlagen wie auch aufwendig restaurierte Wegekreuze bewerben sich um die Auszeichnung.

Unter den 89 Bewerbern sind auch vier Denkmäler aus dem Märkischen Kreis: Ein Wohnhaus in Iserlohn, der ehemaliger Haltepunkt der Bahn in Plettenberg, das Haus An der Stadtmauer 5 in Menden und das ehemalige kaiserliche Postamt in Balve.

Das Geschäfts- und Wohnhaus in Balve wurde im Jahr 1890 gebaut. Es gehört zu etwa 110 Denkmälern, die in die Liste der Baudenkmäler der Stadt eingetragen ist. Im Vergleich zur Fläche und der Einwohnerzahl sei Balve im Märkischen Kreis damit führend, sagt Gerburgis Fabry von der Stadtverwaltung.

Am 9. April 1984 wurde das Postamt in die Denkmalliste eingetragen. In dem dazugehörigen Text vom Landeskonservator heißt es unter anderem: „Es handelt sich um ein Geschäftshaus in städtebaulich bevorzugter Lage an der Hauptstraße der Stadt und ist hier für den Straßenraum wesentlich begrenzend. Das Gebäude enthält spätklassizistische Zierelemente ähnlich dem des ehemaligen Amtsgerichts.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude Sitz der Volksbank Balve. In den 1970er Jahren zog die Buchhandlung Wassmuth in das Haus an der Hauptstraße 25. Eine Arnsberger Gesellschaft erwarb es 2006. Simone und Jürgen Känzler kauften von ihr das Ober- und Dachgeschoss. Das Gebäude wurde von Grund auf umgebaut. Jeder Schritt mussten die Stadt und das Amt für Denkmalpflege in Münster genehmigen. „Die Denkmalpfleger muss ich mir zur Hilfe holen und sämtliche Entscheidungen mit ihnen abstimmen. Das ergibt sich aus dem Denkmalschutzgesetz“, berichtet Gerburgis Fabry.

2007 zog die Bäckerei Sondermann in das Erdgeschoss ein. Die darüber liegende Wohnung ist seit 2008 ein modernes Zuhause für eine Familie geworden. Bis dahin war es ein langer Weg, erinnert sich Jürgen Känzler, der maßgeblich mit dem Umbau betraut war. „Es war ein Spagat, Altes und Neues zu verknüpfen.“ Allerdings war ihm das schon beim Kauf klar, denn: „Wir haben uns bewusst für ein Denkmal entschieden, wo wir was Schönes raus machen können. Und ich denke, das ist uns gelungen.“

Zunächst informierte er sich in Büchern und Archiven über die Geschichte des Hauses. „Auch ältere Bürger haben sich bei mir gemeldet. So ist rausgekommen, wie das Gebäude genutzt wurde“, sagt der Balver.

Zu tun gab es genug: Der gesamte Dachstuhl und die komplette Haustechnik – Heizung, Strom, Wasser und Abwasser – mussten erneuert werden. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, die Handelsfläche unter Berücksichtigung der Denkmalbestimmungen umzugestalten. Um einen ebenerdigen, barrierefreien Zugang zu schaffen, wurden die Decke des Erdgeschosses entfernt und Teile des Kellers verfüllt.

Wie zu Kaisers Zeiten finden sich heute wieder Holzfenster mit Sprossen in dem Gebäude. Die alte Holztreppe wurde von Linoleum und Ochsenblut befreit und fügt sich wieder in das Bild ein. Die Stuckfassade wurde restauriert. Selbst die Auswahl der Dachpfannen wurde mit dem Amt für Denkmalpflege abgestimmt. Der Schriftzug „Kaiserliches Postamt“, der heute über dem Eingang thront, wurde nach Recherchen im Archiv der Post dem ehemaligen Schriftbild nachempfunden. Gleiches gilt für das kaiserliche Siegel. „Das alles hat erhebliche Mühen und Fleiß gekostet“, sagt Känzler.

Im Laufe des Sommers wählt ein Komitee aus 16 Fachleuten den Gewinner und die Anerkennungen aus, die im Herbst in einem Festakt ausgezeichnet werden. ▪ eB/acn

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