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Wald wird bunter - und teuer

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Von: Julius Kolossa

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Revierförster Richard Nikodem
Revierförster Richard Nikodem berichtet über die Wiederaufforstung der Flächen, die der Borkenkäfer im Balver Wald förmlich aufgefressen hat. © Kolossa, Julius

Die Zeiten der Kahlschläge in den Wäldern im Balver Stadtgebiet sind vorbei.

Nachdem durch den Orkan Kyrill im Jahr 2007 etwa 750 Hektar an Laub- und Nadelbäumen zerstört wurden, hat ab dem Jahr 2019 der Borkenkäfer mit seiner explosionsartigen Vermehrung dafür gesorgt, dass die Fichtenbestände komplett aus dem Wald verschwanden.

Revierförster Richard Nikodem fasst im Gespräch mit unserer Zeitung zusammen: „Der Käfer hat fast für 400 Hektar an Kahlfläche gesorgt – das sind etwa 400 Fußballfelder, auf denen kein Baum mehr wächst. All das ist etwa die Hälfte von dem, was Kyrill mit 750 Hektar ausgemacht hat.“ Für Nikodem steht jetzt die Aufgabe an, die Aufforstung der Flächen mit den Waldbesitzern zu planen. „Der Waldboden hat sich seit dem Herbst gut erholt: das Wasser steht bis zu 1,60 Meter tief, so dass die Bäume und Pflanzen mit der Wasserversorgung kein Problem haben.“ Doch er weiß um die in diesem Jahr wahrscheinlich wieder anstehenden Herausforderung eines trockenen Sommers, der für so genannten „Trockenstress“ der Bäume sorge.

„Trockenstress“ im Sommer befürchtet

Kommt dann noch Starkregen dazu, können die geschwächten Wurzeln ihren Halt im Boden verlieren. „Eine dieser Gefahren für den Wald besteht allerdings nicht mehr“, so Nikodem. „Der Borkenkäfer ist nicht mehr in Balve. Dieser Kampf ist verloren und vorbei.“

Er plant mit einem neuen Wald, in dem heimische Baumarten kaum noch eine Rolle spielen würden, denn diese kämen auf Dauer mit dem Klimawechsel nicht zurecht. „Ich rechne mit mehr Esskastanien, Baumhasel, Lärche, Hainbuche und Roteiche. Außerdem wird man die Weißtanne öfter sehen, aber auch nordamerikanische Tannen.“ Der Balver Wald wird bunter und vielfältiger als bisher. „Das muss er auch, denn wir brauchen auch zukünftig Holz.“

Der Balver Wald wird bunter

Aufgeforstet werden soll ab der zweiten Jahreshälfte. „Dann wissen wir, welche Förderprogramme vom Land NRW uns zur Verfügung stehen, aber auch, wie viel Pflanzmaterial die Baumschulen bereithalten, und wie viele Facharbeiter es gibt, die die Pflanzarbeiten letztendlich erledigen können.“

Naturverjüngung ist keine Dauerlösung

Nikodem kennt die bisher noch ungelösten Fragen, auf die er gerne schnellstmöglich Antworten hätte. Dafür weiß er: „Insgesamt müssen über 1,5 Millionen Bäume über mehrere Jahre gepflanzt werden.“ Und damit seien Waldbesitzer in der Pflicht, denn sie sind laut Forstgesetz verpflichtet, ihren Wald zu erhalten. Nur die Natur machen zu lassen und damit auf Naturverjüngung zu setzen, sei, so Nikodem, keine Dauerlösung.

Er stellt demnächst im Umweltausschuss der Stadt Balve das „Musterwaldprogramm“ vor, das vom Land NRW erstellt wird: „Baumartengesellschaften müssen auf den Boden, die Temperatur und die Wasserversorgung angepasst werden.“

Viel Wald steht zum Verkauf

Für die Zukunft gelte, in den Altbeständen neu aufzuforsten – und davon würden sich bereits einige Eigentümer verabschieden. „Zurzeit stehen in unserem Forstbetriebsbezirk 50 Hektar an Wald zum Verkauf.“ Mit 50 bis 70 Cent pro Quadratmeter je nach Lage müsse für den Kauf kalkuliert werden. „Bei 10 000 Quadratmeter sind das 7000 Euro. Dazu kommen zum Beispiel für eine Eichenkultur weitere 20 000 Euro an nachfolgenden Kosten, bis diese in etwa zehn Jahren wachstumsfähig ist.“ Und dann vergehen weitere Jahre, bis das Holz geerntet und vermarktet werden kann. „Der Holzvorrat im Balver Wald ist weg“, stellte Nikodem den aktuellen Stand dar. „Sämtliche 80 000 Festmeter Käferholz, also etwa 200 000 Bäume, sind abgeräumt worden.“

Abgefahren wurde das Holz ab dem Lagerplatz im Beckumer Steinbruch, der weiterhin von Holztransportern angefahren wird. „Hier lagert das Holz von anderen Revieren. Dieser Platz wird weiterhin als Umschlagplatz genutzt.“

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