Jetzt entscheiden die Eltern über die Sekundarschule

BALVE ▪ Der Balver Rat hat Mittwochabend mit 23 Stimmen von CDU und SPD und gegen sechs Stimmen der UWG beschlossen, den Eltern der Viertklässler das Angebot einer Sekundarschule nach dem kooperativen Modell zu machen.

Fachbereichsleiter Michael Bathe erklärte die weiteren Schritte. Bis zum 30. November müsse die Stadt jetzt einen Antrag auf ein vorgezogenes Anmeldeverfahren bei der Bezirksregierung stellen. Mit den Leiterinnen der Balver Grundschulen sei abgesprochen, dass die Kinder der vierten Klassen am Vormittag des 28. Januar ihre Halbjahreszeugnisse bekommen. Mit diesen Zeugnissen können die Eltern ihre Kinder bereits am Nachmittag und dann bis zum 4. Februar bei der Sekundarschule anmelden. Für die Bildung einer Sekundarschule sind 75 Anmeldungen zwingend erforderlich. Bei weniger als 75 verbindlichen Anmeldungen, so Bathe, werde die Stadtverwaltung zwei oder drei Tage später das Anmeldeverfahren für die Realschule und die Hauptschule starten. Bürgermeister Mühling wusste um den zeitlich knappen Rahmen und die Schwierigkeiten der Eltern, sich bei einem Nicht-Zustandekommen der Sekundarschule noch Plätze an auswärtigen Schulen zu bekommen. Dass Verfahren sei aber nicht schneller möglich.

Der geheimen Abstimmung vorangegangen war eine Diskussion zwischen den Antragstellern von CDU und SPD auf der einen und der UWG auf der anderen Seite. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Schulte sprach von einer „schwerwiegenden Entscheidung“ und stellte fest, dass „keine Partei im Rat so einen Dialog geführt“ habe wie die CDU. Alle Lehrer und alle Schulen seien seit zwei Jahren an der Diskussion beteiligt gewesen. Von daher bedauerte er es, dass erst vor wenigen Tagen die eher negative Stellungnahme der Realschule hinzugekommen sei. SPD-Sprecher Cay Schmidt widersprach dem UWG-Vorwurf, der Antrag solle das Schulsystem zerschlagen und die Realschule auflösen. „Wir entscheiden heute darüber, ob wir den Eltern mit der Sekundarschule eine Wahlmöglichkeit anbieten.“ Ebenso argumentierte Jörg Roland (CDU): Im kooperativen Schulmodell der Sekundarschule fänden sich Haupt- und Realschule wieder.

Lorenz Schnadt von der UWG wurde zeitweilig polemisierend und zweifelte sogar die Bezirksregierung an. „Eine Schule hat einen Maulkorb, die andere macht fleißig Pressearbeit.“ Der Bürgermeister hätte für „Waffengleichheit“ sorgen sollen. Die Abstimmung werde „in die Hose“ gehen, jeder wisse doch, dass keine 75 Anmeldungen zusammen kämen. Heinrich Stüeken (UWG) unterstellte der Bezirksregierung „Angst vor der Strahlwirkung unserer Realschule“. In Arnsberg gebe es den Plan, die zukünftige Sekundarschule Balve mit der gleichen Schulform in Neuenrade zusammenzulegen.

Von Volker Heyn

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