Jessica Pulter arbeitet im Waisenhaus in Namibia

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Die 20-jährige Balverin Jessica Pulter fliegt am 13. August nach Namibia. Ein Jahr will sie dort in einem Waisenhaus arbeiten, in dem HIV-positive Kinder leben.

Balve -  „Ich frage mich schon, was da auf mich zukommen wird.“ Jessica Pulter freut sich einerseits auf ihren Freiwilligendienst, hat aber auch Respekt vor den bevorstehenden Aufgaben. In einem Waisenhaus für HIV-positive Kinder in Omaruru in Namibia wird sie ein ganzes Jahr verbringen. Ihr Flieger startet am 13. August in Frankfurt.

Von Julius Kolossa

Nach elf Stunden Flugzeit landet sie in Johannesburg, wo sie nach vier Stunden Aufenthalt eine Maschine besteigt, die sie in etwa einer Stunde nach Windhuk bringen soll. „Und dann fahre ich noch 250 Kilometer bis nach Omaruru,“ erzählt Jessica Pulter. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben“, sagt die 20-jährige Abiturientin, die nach ihrem Schulabschluss am Placida-Viel-Berufskolleg in Menden zunächst gearbeitet hat, um ihre große Reise mitfinanzieren zu können. Mitte Juni nahm sie an einem zehntägigen Seminar in Freudenstadt teil, das vom Anbieter des Auslandsaufenthaltes, der „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiner“ durchgeführt wurde. Dabei hat sie ein Jugendliche aus dem Schwarzwald kennengelernt, die mit ihr im selben Waisenhaus arbeiten und wohnen wird. Jessica Pulter zieht nach dieser Fortbildung, in deren Rahmen auch über Verwaltungsarbeit und Medizin gesprochen wurde, eine positive Bilanz: „Jetzt weiß ich, dass ich jederzeit unterstützt werde.“ Sie hat Kontaktdaten an die Hand bekommen, darunter die einer Psychologin vor Ort und für alle Fälle ein Notfallnummer.

Das Waisenhaus für 30 Kinder im Alter von eineinhalb bis 18 Jahren liegt in Omaruru, einer Stadt mit etwa 8000 Einwohnern. Das freiwillige Jahr, so weit von zu Hause entfernt, sei kein Urlaub, vielmehr eine große Herausforderung: „Ich freue mich auf die Kinder, auf das Land und die Kultur, und darauf, über meine eigenen Grenzen hinaus zu wachsen.“

In den Alltag im Waisenhaus wird sie von Anfang einbezogen. Geweckt werden die Kinder um 6.30 Uhr, dann bekommen sie ihr Frühstück und werden in den Kindergarten oder die Schule gebracht. Auch Putzen und Spülen gehört zu den Aufgaben der Balverin, außerdem die Hausaufgabenbetreuung. Laut Arbeitsvertrag ist um 17 Uhr Feierabend – aber Jessica gibt sich keinen Illusionen hin: „Das wird bestimmt ein längerer Arbeitstag.“ Darauf hat sie sich eingestellt, und auch darauf ist sie gespannt. Mit ihr sind weitere fünf Freiwillige und fünf Hausmütter vor Ort. Das Waisenhaus trage sich zu 90 Prozent aus Spenden, unter anderem unterstütze der Rotary-Club das Projekt.

Jessica Pulter weiß, dass es wichtig ist, konsequent bei der Wundversorgung aufzupassen. Ein großer Packen Einmal-Handschuhen soll in Omaruru zu ihrer Grundausstattung gehören. Sie musste sich gegen Hepatitis-B und Tollwut impfen lassen, viel Papierkram war zu erledigen, doch jetzt sind die Vorbereitungen größtenteils abgeschlossen. Dazu gehört auch, dass die Finanzierung der Gesamtkosten für ihren Namibia-Aufenthalt in Höhe von etwa 12 000 Euro geregelt sei. „75 Prozent gibt es vom Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung, den Rest muss jeder selber aufbringen.“ Und dabei war sie von der Welle der Hilfsbereitschaft überrascht, als sie sich mit ihrer Bitte um Spenden an die Öffentlichkeit wandte. „Das war anfangs ein komisches Gefühl“, sagt die 20-Jährige. Sie habe sich bei allen Spendern bedankt und wolle den Kontakt mit ihnen per Mail aufrecht erhalten.

Ihre Familie will sie per Skype auf dem Laufenden halten und im kommenden Jahr möchte Jessica Pulter im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Balve über ihr Leben in Namibia berichten. Dazu gehören auch die vier Wochen Urlaub. In dieser Zeit will sie an einer Safari teilnehmen und das Land kennen lernen.

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