Schüler der Realschule Balve legen erste Abschlussprüfung ab

Jede Form von Feierlichkeit im Gebäude oder draußen verboten

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Die 58 Jungen und Mädchen des zehnten Jahrgangs der Balver Realschule haben gestern die erste von drei Abschlussprüfungen an Einzeltischen in der kühl durchlüfteten Aula geschrieben.

Balve - Die Jugendlichen des zehnten Jahrgangs schreiben seit gestern an ihren Abschlussprüfungen – doch Freude auf den Schulabschluss gibt es nicht.

Die Balver Realschulleiterin Nina Fröhling bringt es stellvertretend auf den Punkt: „Der Schulabschluss ist das größte Ereignis im Leben eines Jugendlichen. In diesem Jahr wird der Abschluss unwürdig ausfallen.“

Noch vor zwei Tagen dachte die Schulleiterin, sie würde für ihre 58 Jungen und Mädchen in der zehnten Klasse eine einigermaßen ansprechende Feier auf die Beine stellen können. Im Elternbrief vom 9. Mai verbreitete Nina Fröhling Hoffnung: „Dennoch sind wir zuversichtlich, irgendetwas Schönes für unsere Abschluss-Schüler auf die Beine zu stellen, um ihnen eine würdige Zeugnisverleihung zu ermöglichen.“

In der Aula sind nur 100 Personen zugelassen, bei 58 Schülern dürfte nicht einmal ein Elternteil pro Absolvent dabei sein. Musik und Gesang ist nicht erlaubt, Abstandsregeln gelten unverändert, Durchzug wegen der durchgängigen Belüftungspflicht inklusive.

Also dachte Fröhling über eine Freiluftveranstaltung nach, auch mit dem Risiko schlechten Wetters. Oder man könne die Balver Höhle mit ihrem offenen Eingang nutzen. All das waren gut gemeinte Überlegungen, die allesamt dem Veranstaltungsverbot im öffentlichen Raum entgegen laufen.

Jetzt sind alle Möglichkeiten und Hoffnungen erschöpft, Fröhling sagt: „Mir fällt im Moment gar nichts mehr dazu ein. Das frustiert mich total.“

Der aktuelle Jahrgang habe in den vergangenen sechs Jahren viel miteinander erlebt, Trauriges wie Schönes. So sei eine Mitschülerin aus dem Leben geschieden, eine Lehrerin war ganz überraschend verstorben. Auch dieser Jahrgang hätte einen würdigen und schönen Abschluss verdient, so Fröhling. Was wird es stattdessen am 19. Juni geben? Fröhling und die Lehrerinnen und Lehrer dürfen maximal ein paar Worte zum Absolventen sprechen, zur Übergabe wird das Zeugnis auf einen Tisch gelegt und zwei Meter zurückgetreten. Noch nicht einmal ein Handschlag ist erlaubt und noch viel weniger eine Umarmung. Fröhling: „Das ist ein unwürdiger Schulabschluss.“

Den Jungen und Mädchen werde viel genommen, meint Fröhling. Mottowoche mit wechselnden Verkleidungen oder ein Umzug oder eine launige Veranstaltung in der Schule – alles verboten und mit Maskenpflicht und Abstandsgebot spaßbefreit.

Ebenso wird Eltern und Angehörigen der familiäre Stolz genommen, gemeinsam den Abschluss zu feiern. Fröhling: „Vielleicht fällt ja anderen Schulen noch etwas ein, wie man den Schulabschluss halbwegs würdig gestalten kann.“

Am Dienstag schrieben die 58 Zehntklässler etwa zwei Zeitstunden ihre Deutsch-Klausur. Die Aula in der Realschule ist groß genug, mit Abständen zueinander ging das ganz gut. Die Jugendlichen sollten sich warm anziehen, der große Raum musste vorschriftsgemäß dauergelüftet werden. Donnerstag wird Englisch geschrieben, am 19. Mai ist Mathe an der Reihe.

Aus den Noten der Klausuren, den Vornoten, der Beteiligung am Präsenzunterricht der vergangenen Tage und den Ergebnissen beim Homeschooling werde eine „freundliche Note“ gebaut. Doch auch die freundlichste Note kann nicht darüber hinweghelfen, dass die Zeugnisübergabe bedrückend und traurig statt hoffnungsfroh und stolz wird.

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